26 Schachtaucher in Ellwangen unter sich

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Unterwasserwelt mit Schachbrett: Im Therapiebecken des Ellwanger Wellenbads wurde die Deutsche Meisterschaft im Tauchschach ausgetragen.
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Bei der Deutschen Meisterschaft im Tauchschach, die im Wellenbad ausgetragen wurde, setzen sich die besseren Spieler gegen die besseren Taucher durch.

Ellwangen

Am Samstagvormittag im Wellenbad: 26 Teilnehmer, die Hälfte Jugendspieler, spielen um den Titel des deutschen Meisters im Tauchschach. Für das Turnier des Schachclub Ellwangen gibt es derzeit bundesweit keinen vergleichbaren Wettbewerb. Der Schachverband erlaubte die Ausschreibung als deutsche Meisterschaft. Fünf Spielfelder sind am Boden des Therapiebeckens aufgebaut, wer ziehen will, muss 1,5 Meter tief tauchen.

Mit im Becken ist Dr. Karlheinz Vogel, mit Neoprenanzug und Schnorchel. Der Pressereferent des Schachverbands und Vorstand des Schachverein Böckingen ist auch Rettungsschwimmer. Er hat eine Doppelfunktion: Schiedsrichter und Retter in der Not. Letzteres ist nicht gefragt, auch wenn dem einen oder anderen durchaus mal die Puste auszugehen drohte. "Der Läufer driftet über das Spielfeld", meldet ein Spieler. Beim Tauchen werden immer wieder mal Figuren verschoben. Eine Mitschrift gibt es nicht, die Spieler müssen sich einigen. Fair Play ist Ehrensache.

Manfred Grosse vom Schachverein Jedesheim bei Illertissen hat bereits Tauchschacherfahrung: Er nahm 2020 an der österreichischen Meisterschaft in Graz teil und hatte so viel Spaß dabei, dass er sich sofort in Ellwangen anmeldete, als er Wind davon bekam. "Schwieriger als in Österreich", meint er zu den Bedingungen im Wellenbad, "weil die Bretter hier größer und die Figuren schwerer sind. Und weil wir in Österreich ein Gewicht nehmen durften, um unterzutauchen."

Abzutauchen und die Figuren zu führen, ist schwer. Wer die Luft lange anhalten wie Thomas Plum aus Reutlingen, ist im Vorteil. Er war schon fünfmal deutscher Tauchmeister, taucht über 200 Meter weit. Er hat sich eine Matte mitgebracht, entspannt nach jeder Partie. Die anderen staunen, wie lange er unter Wasser bleiben kann. "Ich sehe mir das Brett an, überlege und wenn ich weiß, wie ich ziehen will, tauche ich hinab und mache den Zug", beschreibt er seine Taktik. Trotz seiner Fähigkeiten als Apnoetaucher, bleibt es schwierig: "Das konzentrierte Nachdenken unter Wasser ist für mich neu. Während einem normalen Tauchgang denke ich ganz anders."

Julian Maisch, Verbandsligaspieler aus Kornwestheim, ist am Ende Turniersieger. Dabei ist er kein guter Taucher. Sein Vorteil: er hat die Partie, das Schachbrett im Kopf. Um zu wissen, wie er auf den Zug des Gegners reagieren muss, genügen ihm wenige Sekunden.

Bernhard Jehle ist als Sponsor mit dabei. Über seine Firma Chessware verkauft er Literatur, Schachcomputer, Schachuhren und vieles andere. Er freut sich, dass sich so viele junge Schachspieler angemeldet haben: "Das ist eine Gaudi, ein Spaß, eine Abwechslung.".

  • Die Ergebnisse
  • Bei den Jugendlichen siegt Lucas Schrotz (3 Siege, 1 Remis) vor Lennox Leidel, Florian Häussler und Moritz Wunder (alle 3 Siege, 1 Niederlage). Bei den Erwachsenen siegt Julian Maisch (4 Siege) vor Tobias Kretschi, Andreas Scheuriker und Alexander Ziegler (alle 3 Siege, 1 Niederlage).
Unterwasserwelt mit Schachbrett: Im Therapiebecken des Ellwanger Wellenbads wurde die Deutsche Meisterschaft im Tauchschach ausgetragen.
Unterwasserwelt mit Schachbrett: Im Therapiebecken des Ellwanger Wellenbads wurde die Deutsche Meisterschaft im Tauchschach ausgetragen.
Duell unter Wasser: Bei den Jugendlichen siegte Lucas Schrotz vor Lennox Leidel.
Dr. Karlheinz Vogel, mit Neoprenanzug und Schnorchel, ist Schiedsrichter und Rettungsschwimmer.

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