30-Jähriger schrammt haarscharf am Knast vorbei

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Er wollte seiner Freundin eine Abreibung verpassen. Warum das Gericht keine Tötungsabsicht sieht.

Lassen Sie es mal gut sein.“

Richter Bernhard Fritsch zum Angeklagten

Ellwangen. Eigentlich klingt es wie ein Krimi. Ein 30-Jähriger verschafft sich Zugang zum Mehrfamilienhaus seiner Ex-Freundin, geht in den Keller, dreht die Sicherungen ihrer Wohnung heraus und wartet dann mit einem Gummihammer bewaffnet auf sie.

Was dann in einem Ellwanger Teilort passierte, dafür musste sich nun Andreas Z. wegen versuchten Mordes vor dem Ellwanger Landgericht verantworten. Statt der Ex-Freundin kam ihr neuer Freund, und der Angeklagte schlug mit seinem Gummihammer auf ihn ein. Dieser konnte fliehen und ein Nachbar kam ihm zu Hilfe. Der Nachbar nahm dem Angeklagten den Hammer weg, dieser wehrte sich nicht. Selbst Schläge ins Gesicht von seiner Ex-Freundin nahm er wortlos hin. Der Angeklagte blieb am Tatort und ließ sich von der Polizei festnehmen.

Zum Prozessauftakt verlass der Verteidiger, Rechtsanwalt Markus Bessler, eine Erklärung des Angeklagten. Darin erklärte der Beschuldigte, er habe seiner Ex-Freundin lediglich eine Abreibung verpassen wollen.

In seinem Schlussplädoyer erklärte der Verteidiger dann auch die Umstände, die zu dieser Tat führten. Andreas Z. lebte bei seiner Mutter und war Junggeselle, bis er im Januar 2020 eine Frau kennenlernte. Er zog zu ihr, kümmerte sich um die fünf Kinder, mit denen er sich gut verstand. Man plante, zusammen ein Haus zu bauen, und der Angeklagte verschuldete sich beim Kauf eines Bauplatzes. Doch die Freundin hatte immer wieder Bekanntschaften mit anderen Männern, in Chats und am Telefon. Das sorgte für Verdruss; der Angeklagte trennte sich am 5. Februar dieses Jahres von ihr. Am gleichen Abend noch stand die Polizei vor seinem Haus, da ihn die Ex-Freundin wegen Hausfriedensbruchs und Misshandlungen der Kinder angezeigt hatte.

Daraufhin habe er selbst Anzeige gegen die Frau erstattet. Fühlte sich jedoch von der Polizei nicht ernst genommen und so beschloss er, der Frau eine Abreibung zu verpassen. Dass stattdessen der neue Freund in den Keller kam, war auch für ihn ein Schock. Er schlug zu und verletzte den Mann, der eine Platzwunde davontrug. Noch immer bekommt dieser Panik, wenn er einen Hammer sieht.

Die Staatsanwaltschaft plädierte aufgrund der Umstände, dass aus dem Vorgetragenen kein Tötungsvorsatz abgeleitet werden konnte, auf „Gefährliche Körperverletzung“ und forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Dass sich der Angeklagte im Laufe des Verfahrens bei seinem Opfer entschuldigte und auch einen Betrag von 3000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer gezahlt hat, wurde ebenfalls als mildernd angesehen.

Das Gericht sah ebenso keinen Tötungsvorsatz und verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahre Freiheitsentzug, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Kammer sah den Angeschuldigten als bewährungsfähig an, da er nach der Tat keinen Widerstand leistete, ein Geständnis ablegte und trotz sechs Monaten U-Haft seine Stelle als Hausmeister bei einem großen Ellwanger Unternehmen nicht verloren hat.

Richter Bernhard Fritsch gab zu, im Vorfeld der Verhandlung Bedenken gehabt zu haben, doch hätten sich diese nicht bestätigt. „Es war knapp,“ sagte er. Fritsch riet dem Verurteilten zu mehr Gelassenheit. „Lassen Sie es auch mal gut sein,“ forderte er ihn auf. Das Urteil soll ein Neustart mit Blick nach vorne sein.

Michael Scheidle

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