Abtauchen im Wellenbad Ellwangen: Wenn das Walross mit dem Seepferdchen Schach spielt

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Denken können genügt nicht, man sollte auch gut unter Wasser sein, denn beim Tauchschach gewinnt, der, der beides kann.
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Das SWR-Fernsehen filmt für die Landesschau beim Probetraining für die Tauchschach-Meisterschaft im Wellenbad in Ellwangen.

Ellwangen

Mehr als 20 junge Schachspieler mit Schwimmbrillen tummeln sich am Sonntagvormittag im Therapiebecken des Wellenbads. Man planscht, lacht, taucht und baut gemeinsam unter Wasser Spielbretter und Schachfiguren auf. Benjamin Vitek, Vorsitzender des Schachclub Ellwangen, der dieses Training veranstaltet, gibt Anweisungen. Der Schachclub Leinzell ist mit vier Spielern gekommen und sogar Besuch aus Stuttgart ist da: Ein Filmteam des SWR will für die Landesschau einen Bericht aufnehmen.

Seitdem Vitek verkündet hat, dass in Ellwangen am 30. Oktober die ersten Deutschen Meisterschaften im Tauchschach stattfinden sollen, hat er zahlreiche Anfragen von Neugierigen bekommen. 21 Teilnehmer haben sich bereits fest angemeldet, überwiegend Jugendspieler. Auch Ältere sind interessiert, doch sie wollen erst für sich üben und prüfen, ob sie der Herausforderung gewachsen sind.

Bei den Jugendspielern aus Ellwangen und Leinzell sieht alles ganz einfach aus, geradezu spielerisch: Kaum sind die drei Spielfelder freigegeben entwickeln sich rege Partien. Die Abwechselnd tauchen die Spieler unter und ziehen ihre Figuren. "Bei jedem Untertauchen muss auch zwingend gezogen werden" hat Vitek erklärt und schon bald stehen die ersten geschlagenen Bauern und Springer am Beckenrand. Maximal eine Minute, länger bleibt niemand unter Wasser, die Partien erinnern von oben an "Blitzschach", nur dass keine Uhren ticken. Durch die bewegte Wasseroberfläche kann man das Spielfeld nur erahnen, wie die Chancen stehen, kann man nur an den bereits geschlagenen Figuren ablesen.

Nach 30 Minuten wechseln die Spieler, alle sind ausgelassen, manche springen vom Beckenrand ins Wasser. Das TV-Team macht Interviews, will wissen, was die besondere Herausforderung am Tauchschach ist. "Man muss halt unter Wasser ziehen", sagt einer. Das soll alles sein? Ich will es genau wissen und fordere einen der Burschen zum Duell.

Kurz darauf stehe ich im Becken, unter mir am Boden das Spielfeld mit den Figuren. Alexander, mein junger Gegner, hat schon den ersten Zug gemacht. Ich hole tief Luft und tauche unter. Durch meine kleine Schwimmbrille sehe ich verschwommen, er hat den Königsbauern ein Feld vorgerückt. Ich ziehe meinen zwei Felder vor. Genauer, ich will, aber es kostet mich größte Mühen bis zu den Figuren hinab zu tauchen. Dabei ist das Therapiebecken nur 1,5 Meter tief. Als wollte man ein aufgeblasenes Gummiboot unter Wasser ziehen, stemmt sich mein Körper meinem Willen und gehorcht viel lieber der Physik. Mit dem letzten Sauerstoff schaffe ich meinen Bauern zwei Felder vorzuziehen.

Während ich noch nach Luft schnappe, hat Alexander längst seinen nächsten Zug gemacht. Scheinbar völlig mühelos taucht er hinab. Eigentlich müsste ich mich doch nur bücken, denke ich und versuche mich über das Spielfeld hinab zu beugen. Kaum bin ich mit dem Kopf unter Wasser, lösen sich meine Füße vom Boden. Wieder muss ich mich enorm anstrengen, um den zweiten Bauern vorzurücken. Eher nebenbei sehe ich noch, dass Alexander einen Springer herausgezogen hat.

Ich versuche, mit weniger Luft zu tauchen. Die Apnoetaucher reduzieren ihren Puls, das muss ich auch machen, denke ich. Doch es klappt nur in der Theorie, stattdessen geht der Puls hoch, weil ich fürchte, bei meinem Tauchversuch gar keinen Zug zu schaffen, weil mir vorher die Luft ausgeht. Dann wäre die Partie beendet, ich hätte verloren. Das Spielfeld zu analysieren, Züge vorausdenken, eine Strategie entwickeln: dazu komme ich gar nicht. Maximal dominiert die Sorge, die Luft in der Lunge reicht nicht, um bis zur gewünschten Figur zu greifen und sie ein paar Felder weiter zu schieben. Mehrfach greife ich einfach nach der mir am nächsten Stehenden, nur um überhaupt gezogen zu haben.

Es dauert nicht lange und Alexander sagt "Schach". Sein Pferd hat es irgendwie bis zu meinem König geschafft. Meine Dame habe ich schon zwei Züge vorher an den Spielfeldrand gerettet. Da ist nicht nur der Springer, ich sehe dass auch Alexanders Dame und ein Läufer irgendwie in Stellung sind. Mit dem König ein Feld weiterzuziehen gelingt mir noch, doch im Grunde habe ich keine Ahnung von dieser Partie. Wieder oben frage ich meinen Gegner: "Wie viel Züge noch bis zum Matt". Alexander sagt: "Einer". Darauf ich: "Ich gebe auf."

Wer sich noch für die Meisterschaft im Tauchschach am 30. Oktober in Ellwangen anmelden will, kann unter www.schachclub-ellwangen.de Kontakt aufnehmen.

Gerhard Königer

Denken können genügt nicht, man sollte auch gut unter Wasser sein, denn beim Tauchschach gewinnt, der, der beides kann.

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