Alles neu in der „Kanne“

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Wolfgang (l.) und Hariolf Kirsch: gemeinsam machen sie die "Kanne" erst zu dem was sie ist: Weinstube und Speiselokal mit einzigartiger Gastlichkeit und geschichtsträchtigem Ambiente.
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Vor der Weinstube in den Palaisgarten gibt es jetzt eine richtige Tür. Bei künftigen Partys müssen die Gäste nicht mehr durch das Fenster klettern.

Ellwangen

Ganz behutsam haben die Brüder Wolfgang und Hariolf Kirsch in den letzten Jahren ihr Gebäude mit der Weinstube „Kanne“ in der Oberen Straße saniert, vom Dachstuhl bis zum Keller. Ziel war: die Substanz erhalten, die technische Ausstattung verbessern, aber an der einzigartigen Gemütlichkeit dieses Alt-Ellwanger Lokals mit den vielen Nischen zum Sitzen sollte sich nichts verändern. Neue Belüftungsanlage, neue Heizung, eine barrierefreie Toilette entstanden. Den barrierefreien Zugang von der Färbergasse her gibt es schon länger. Ganz wichtig: die Umstände und Möglichkeiten einer Bewirtung in den nach hinten angrenzenden Garten des Palais Adelmann haben sich entscheidend verbessert.

Schon vor der Pandemie hatten die Brüder Kirsch im Rahmen von „Sommer in der Stadt“ immer wieder Konzerte und Partys im Palaisgarten veranstaltet. Während der Pandemie boten sich hier besonders gute Möglichkeiten auf Abstand und in der frischen Luft zu sitzen. Nur leider, es gab keine direkte Verbindung von der „Kanne“ in den Palaisgarten. Jede halbe Bier und jedes Schnitzel musste durch ein Fenster nach außen gereicht werden, wenn man nicht eine zweite Zapfstelle installieren wollte. Und Gästen, die auf die Toilette wollten, blieb nichts anderes übrig, als durch eines der Fenster im Anbau zu klettern. Das war vor allem zu fortgeschrittener Stunde so kurios, wenn man sich im Fensterrahmen begegnete, dass es schon wieder gut war.

Trotzdem sind die Wirte der Kanne froh, dass die Stadtverwaltung nun eine zweiflügelige Tür vom Anbau in den Palaisgarten genehmigt hat. „Wir können vier bis fünf öffentliche Veranstaltungen pro Jahr im Palaisgarten machen und sind schon dabei, mit DJ Rudi erste Termine für 2022 festzuzurren“, berichtet „Gonzo„, wie Hariolf von den Stammgästen genannt wird. Hinzu kommen private Gesellschaften, etwa Hochzeiten oder Empfänge. Künftig können beispielsweise Hochzeitspaare nach der Trauung im Palais zum Sektempfang im den Garten und von dort direkt zum Essen in die Kanne wechseln.

Die Brüder Kirsch haben sich ihr gastronomisches Reich als GbR gut aufgeteilt: Wolfgang macht die Küche und Hariolf die Theke. Was nicht heißen soll, dass das eine für den anderen tabu ist. „Wenn ich Zeit habe, komme ich auch mal in die Gaststube und setze mich auf ein Glas Bier zu den Gästen“, sagt Wolfgang. Und mal selbst die Spätzle zu schaben und ein Schnitzel anzubraten, ist wiederum für Hariolf kein Problem. „Das haben wir beide von der Mutter gelernt.“ So können sich Hariolf und Wolfgang immer gegenseitig vertreten, was die Arbeit sehr erleichtert. Überhaupt kennt man in der „Kanne“ keine Personalnot. „Wir haben unsere Familien, die gern mithelfen, und kommen mit Aushilfskräften aus.“

Wie kaum in einer anderen Gastwirtschaft in der Stadt trifft man hier alle Generationen einträchtig beisammen, nicht selten bei einem Pott Feuerzangenbowle. Das ist eine Spezialität des Hauses, die schon der Vater Hans Kirsch, der „Kannen-Hans“ mit einzigartigem Humor servierte. Die Söhne führen die Tradition so gut weiter, dass manche meinen, die Eingangsszene zum bekannten Heinz Rühmann-Film sei hier gedreht worden. Das stimmt natürlich nicht, aber man hätte sie hier jederzeit drehen können.

„Wir sind eigentlich ein typisches Winterlokal. Die besten Monate waren bei uns immer Dezember bis März“, blickt Hariolf auf die letzten Jahre zurück. Das liegt mit daran, dass zum Jahreswechsel, zum Kalten Markt und zur Fasnacht in der „Kanne“ legendäre Partys stattfinden. Doch seit Corona hat sich in der Gastronomie einiges verändert.

Die Außenbewirtung wird wichtiger, weil im Sommer spürbar mehr Betrieb ist. Da macht sich der Trend zum „Urlaub zuhause“ bemerkbar, der mehr Touristen nach Ellwangen bringt. Die sitzen auch gerne vor der „Kanne“ und genießen den Platz vor dem Palais Adelmann.

Wir dürfen vier bis fünf öffentliche Veranstaltungen pro Jahr im Palaisgarten machen.“

Hariolf Kirsch, Kannenwirt
  • Zur Geschichte der „Kanne“
  • Um 1620 kauft Rudolf von Westerstetten das Gebäude um 520 Gulden von Philipp Schober. Schon vorher wird eine Metsiederei in der Wirtschaft „Zur Kanne“ urkundlich erwähnt. Unter dem Küfer Jörg Oberbach wird auch Wein und Bier ausgeschenkt. Um 1769 verkauft Hans Jerg Buchmayer das Haus an den Ellwanger Hofmaurermeister Ignaz Häfele, von dem ein großes Porträt in der Gaststube hängt. Der Baumeister hat das Haus erweitert und grundlegend umgestaltet. 1894 geht die Wirtschaft an Anton Kirsch, Sohn des Weißochsenwirts. Ein Porträt von ihm und seiner Frau Anna, geborene Reeb aus Neunheim, kann man noch heute im Gastraum sehen. 1955 übernimmt der Sohn Hans Kirsch das Gasthaus, das der Architekt Hermann Gaugler innen mit dem markanten Rundbogendurchgang neu gestaltet. 1992 erfolgt der Anbau und 2001 übernehmen die Söhne Wolfgang und Hariolf Kirsch den Betrieb.
Wolfgang (r.) und Hariolf Kirsch: gemeinsam machen sie die "Kanne" erst zu dem was sie ist: Weinstube und Speiselokal mit einzigartiger Gastlichkeit und geschichtsträchtigem Ambiente.

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