Nachhaltigkeit: „Am besten ist es selbst gemacht“

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Ulrike Hach mit der selbst gemachten Nuss-Nugat-Creme: schmeckt köstlich.
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Ulrike Hach stellt zahlreiche Lebensmittel, Putzmittel und Produkte zur Körperpflege selbst her. Jetzt hat sie ein Buch darüber geschrieben.

Ellwangen

Es gab einmal eine Zeit, als man kaum fertige Lebensmittel kaufen konnte, nur die Zutaten. Heute nehmen in den Lebensmittelgeschäften die Regale mit Fertigprodukten den größten Platz ein. Backwaren, fertige Desserts, Tiefkühlpizzen oder gleich ganze Menüs sind gefragt.

Doch es gibt auch den gegenläufigen Trend. Bei Ulrike Hach beispielsweise kommen viele selbst hergestellte Lebensmittel auf den Tisch.

„Mich hat schon immer interessiert, was in einem Produkt wirklich drin ist. Wenn dann auf der Verpackung von künstlichen Aromen, Farbstoffen und anderen Zusätzen die Rede ist, versuche ich das selbst herzustellen, ohne die ganze Chemie“, sagt die 52-Jährige.

Ihren Mann und die drei Kinder (10, 12, 14 Jahre alt) hat sie mittlerweile von den eigenen Kreationen überzeugt, sogar beim Schokoaufstrich. „Natürlich wollten die immer Nutella. Dann habe ich mein eigenes Rezept entwickelt, verfeinert und mittlerweile essen sie lieber meine Schokocreme.“

Doch kann das Selbstgemachte wirklich besser schmecken als das industrielle Produkt, das von hoch bezahlten Fooddesignern entwickelt wurde? Besser sogar als Nutella? Da will ich schon eine Kostprobe haben.

Ulrike Hach holt ein Glas ihrer Schokocreme aus dem Schrank. Sie hat dafür 250 Gramm Haselnüsse geröstet und zermahlen, mit einer Tafel Schokolade vermengt („Ich nehme einfach meine Lieblingssorte“) und einen Esslöffel Kakaopulver hinzugegeben. „Das kann man mit dem Thermomix oder einem gewöhnlichen Rührgerät machen“, erklärt sie. Die fertige Creme füllt sie in Gläser ab, stellt sie zum Festwerden in den Kühlschrank und danach in den Schrank bei Zimmertemperatur, damit sie schön streichfähig bleibt.

Die Geschmacksprobe fällt ausgesprochen positiv aus: deutlich nussiger als Nutella, etwas weniger süß, dabei ebenso cremig, eine richtig gute Nuss-Nougat-Creme.

„Wir essen sie besonders gerne mit Banane in der Crêpes“, sagt Ulrike Hach, die auch mit selbst gemachtem Fruchtjoghurt, selbst gebackenem Roggenbrot, Pudding aus selbst gemischtem Puddingpulver, beim selbst kreierten Müsliriegel, eigenen Marmeladen, Gelees und Sirup die Familie und Freunde überzeugt.

Irgendwann kam die Idee, die Rezepte aufzuschreiben und in der Coronapandemie wurde daraus ganz schnell ein ganzes Buch. Binnen fünf Monaten entstand ein Ratgeber mit 177 Seiten. Der Titel: „Entdecke die Schätze der Nachhaltigkeit! Lebens-, Putz- und Körperpflegemittel selber machen“.

Das „Handbuch für jeden Haushalt“ liefert neben den Rezepten zum Backen, Kochen, Einkochen noch viele weitere Tipps für den Haushalt. Hinweise, die dabei helfen, wieder ein Stück weit jene Kompetenzen zurückzugewinnen, die für die Generation der Großeltern noch ganz selbstverständlich waren.

Die Autorin, die gelernte Hotelfachfrau ist, erzählt: „Als mein Vater sein Feinkostgeschäft in Ellwangen aufgegeben hat, begann er viel selbst zu machen: Marmelade, Brot, Joghurt, Essigreiniger. Wenn Bekannte einen Fleck im Hemd nicht wegbekamen, brachten sie es ihm, und er hat es meistens sauber bekommen. Mein Vater hat mich dazu inspiriert, die Dinge selber in die Hand zu nehmen.“

Ulrike Hach geht es nicht nur darum, unnötige chemische Zusätze und Verpackungen zu vermeiden. Sie hat einfach Spaß am Experimentieren und probiert so lange, bis es ihr gelingt, den Lippenbalsam, die Seife, das Deo selbst zu machen und so zu verbessern, dass es neben industriell gefertigten Produkten bestehen kann.

Ein gutes Beispiel: ihr Backtrennmittel: je 50 Gramm Mehl, Palmin und Sonnenblumenöl zu einer Paste vermengen und schon hat man eine preisgünstige und zuverlässige Backhilfe.

„Man spart nicht immer Geld, wenn man die Dinge selber macht. Aber man gewinnt an Qualität“, sagt sie. Hinweise auf die Herstellung findet sie in Fachbüchern oder im Internet. Sie besorgt sich die Zutaten, variiert mit natürlichen ätherischen Ölen, tüftelt mit der Verpackung und kommt so zu einer nachhaltigen Lösung: „Man kann zum Beispiel einen leeren Deoroller ganz leicht auseinandernehmen, reinigen und selbst befüllen.“

Nicht alles klappt auf Anhieb: „Ich versuche noch, Tabs für die Spülmaschine zu machen. Die Komponenten müssen zu verschiedenen Zeiten wirken und dürfen nicht vorher reagieren.“

Mein Vater hat mich dazu inspiriert, die Dinge selber in die Hand zu nehmen.“

Ulrike Hach, Hotelfachfrau und Autorin

Der Ratgeber für einen nachhaltigen Haushalt

Ulrike Hachs Handbuch „Entdecke die Schätze der Nachhaltigkeit“ ist übersichtlich und gut verständlich. Alle Rezepte sind erprobt und enthalten zahlreiche Tipps für Variationen. Illustriert ist der Text mit Fotos und den Zeichnungen von Anette Michels.

Das Buch kostet 16,80 Euro und ist bei der Buchhandlung Rupprecht in Ellwangen sowie unter www.bod.de erhältlich.

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