Angeklagter akzeptiert Strafe und zahlt 1400 Euro

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Verhandlung wegen sexuellem Missbrauch von Kindern, sexueller Belästigung und Bedrohung.

Ellwangen. Am 26. November 2019 war der 36-jährige Tunesier M.B. offenbar komplett neben der Spur. Ein Tag zuvor war er von der LEA Karlsruhe nach Ellwangen verlegt worden, wo er auf Landsleute traf. Er trank Bier, rauchte Haschisch und das vertrug sich offenbar nicht mit seinen Psychopharmaka, die er wegen Depressionen nehmen musste.

Was dann geschah, steht in der Anklageschrift, die erster Staatsanwalt Armin Burger am Donnerstag bei der Verhandlung am Amtsgericht vorträgt. Vor einem 13-jährigen Mädchen die Hose heruntergezogen, eine Person mit dem Messer bedroht, eine Krankenschwester angefasst und als "Schlampe" bezeichnet. Das sind sexueller Missbrauch von Kindern in Tatmehrheit mit Bedrohung und sexueller Belästigung.

Gegen den Strafbefehl von 140 Tagessätzen a 10 Euro hat der Tunesier Einspruch eingelegt. So kommt es zur Verhandlung, bei der Richter Norbert Strecker, Direktor des Amtsgerichts, von einer "erdrückenden Beweislage" spricht.

Der Angeklagte, der von Rechtsanwalt Timo Fuchs verteidigt wird und einen Übersetzer zur Seite hat, war 2015 mit einem Visum nach Deutschland eingereist. Kurz zuvor hatte er in Tunesien eine Deutsche geheiratet. Als es in der jungen Ehe kriselte, stellte er in Bayern einen Asylantrag. So kam er in die Flüchtlingsunterbringung. Mittlerweile habe er sich mit seiner Frau wieder versöhnt, sagt der Tunesier, der in der Gastronomie gearbeitet hat.

Die vorgeworfenen Straftaten weist er zunächst weit von sich. Die Mutter des Kindes, ebenfalls aus Tunesien, ist als Nebenklägerin mit ihren drei Kindern im Saal. Sie habe ihn beschuldigt, um in ihrem Asylverfahren einen Transfer zu bewirken, sagt der Angeklagte. Und auch alle anderen wollen ihm Böses.

Armin Burger stellt fest, dass der Asylbewerber bereits mehrfach auffällig war, bevor er nach Ellwangen kam. Offenbar erfolgte die Verlegung, weil er in Karlsruhe überall aneckte. "Ihre Akte sagt, sie haben überall Probleme gemacht", meint der Staatsanwalt und redet dem Angeklagten ins Gewissen: "Bislang gibt es nur den Strafbefehl mit einer Geldstrafe. Doch ich muss sie warnen, wenn die Verhandlung durchgeführt wird, könnte daraus eine Freiheitsstrafe werden." Allein auf die sexuelle Misshandlung von Kindern stehen schon drei Monate bis fünf Jahre Haft. Nach einer Unterbrechung zieht die Verteidigung ihren Einspruch zurück. Der Angeklagte, der nun auch zugibt am Tattag auch Betäubungsmittel genommen zu haben, entschuldigt sich und akzeptiert den Strafbefehl.

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