Angeklagter hat Frau nicht betrogen

Obwohl die Verteidiger die Täterschaft nicht bestreiten, gibt es im Gerabronner Mordprozess kein Geständnis.

Gerabronn/Ellwangen. Während der 48-jährige Angeklagte am ersten Prozesstag keine Angaben machte, haben die Verteidiger Matthias Sigmund und Anna Göbel eine umfangreiche Erklärung zu möglichen Tatmotiven abgegeben. Sie sprachen dabei zwar nicht im Namen ihres Mandanten, gaben aber zu erkennen, dass sich dieser in einem psychischen Ausnahmezustand befunden habe, als er am 14. November 2019 seine Frau in deren Auto verbrannte.

Die Frau habe unter starken Stimmungsschwankungen gelitten, für die der Angeklagte keine negativen Begriffe wie "Launen" oder "Unberechenbarkeit" benutze. Jahrelang habe der Angeklagte unter der grundlosen Eifersucht seiner Frau gelitten und ihre Kränkungen in sich "hineingefressen", meinen die beiden Verteidiger.

"Grundlose Eifersucht"

Die Juristen verweisen als Beispiel auf einen Vorgang, der sich 2007 oder 2008 abgespielt haben soll. Der Angeklagte habe sich nach einer Diskussion über Verhütung bereit erklärt, sich sterilisieren zu lassen. Nach einem Beratungstermin habe ihm seine Frau jedoch vorgeworfen, er lasse sich nur sterilisieren, um einen Freibrief bei anderen Frauen zu haben.

Die Frau sei selbst auf die Schülerinnen eifersüchtig gewesen, die ihr Mann mit dem Schulbus transportierte. "Der Angeklagte hat seine Frau nicht betrogen und ihr auch sonst keinen Anlass zu Eifersucht gegeben", erklärten die Verteidiger.

Die beiden Rechtsanwälte betonten, sie würden die Täterschaft des Angeklagten nicht in Zweifel ziehen. Dieser werde aber trotzdem kein Geständnis ablegen. Der Grund: "Der Angeklagte hat an das Tatgeschehen keine belastbare Erinnerung", heißt es in der Erklärung. Er wisse zwar, dass er mit seiner Frau über den Rechtsstreit um die Scheidung habe sprechen wollen, er wisse aber nicht, wo die Frau zu Tode gekommen sei.

Erwin Zoll

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