Anlieger wehrt sich gegen geplante Fußgängerbrücke

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So soll die Fußgängerbrücke nach dem Plan des Architekten Jean-Jacques Zimmermann von Südwesten, vom Mühlgraben her, aussehen: gut zu sehen, die Aufzugstürme aus blauem Glas und die Treppe jenseits der Bahnlinie. Illustration: Architekturbüro Zimmermann
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Am Donnerstagabend soll der Gemeinderat über den aktuellen Entwurf für die Bahnquerung Postgasse entscheiden.

Ellwangen

Im Siegerentwurf für die Landesgartenschau bildet die Bahnquerung für Fußgänger und Radfahrer auf Höhe Postgasse das zentrale Verbindungselement zwischen dem LGS-Gelände und der Innenstadt. Über eine barrierefreie Rampe in Schneckenform sollten die Menschen auf über sieben Meter Höhe die Schienen und Elektroleitungen überwinden, eventuell sogar auf einer Plattform in 20 Metern Höhe den herrlichen Blick auf das Stadtbild genießen. Die bisherige Unterführung mit den steilen Treppenauf- und -abgängen soll verfüllt werden.

Zwischenzeitlich ist von dem Fußgänger- und Radfahrersteg, der ursprünglich ein Dachcafé auf dem Jugendzentrum und ein neues Gebäude mit Parkgarage auf der Jagstinsel mit erschließen sollte, nur die grundsätzliche Idee geblieben.

Im Gemeinderat wird am Donnerstagabend über den Entwurf des Architekten Jean-Jacques Zimmermann aus Darmstadt entschieden. Sein Büro wurde für die geplante Brücke zurate gezogen, weil es schon mehrere Querungsbauwerke über Bahnanlagen im denkmalkritischen Kontext entworfen hat. Beim Zimmermann-Steg, der Architekt selbst vergleicht den Entwurf mit einem Salamander, kommen die Menschen über Treppen oder Aufzüge auf die erforderliche Höhe. Die Stahl-beton-Konstruktion spannt sich zwischen Jugendzentrum und Gebäude Brauergasse 1. Von dort führt eine Treppe entlang der Aalener Straße zur Postgasse.

Hintergrund dieser veränderten Führung sind offenbar finanzielle und technische Überlegungen. Den ursprünglichen Entwurf mit stufenloser Rampe betrachtet das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) als nicht förderfähig.

Zu groß, zu aufwendig, zu teuer würde ein Steg, der die Bahnlinie nicht direkt quert, sondern auch noch ein Gebäude auf der Jagstinsel anschließt.

Den Entwurf von Zimmermann dagegen würde das Land fördern, eventuell sogar mit 75 Prozent der Baukosten. Auch gestalterisch kommt der Entwurf offenbar den Vorstellungen der Stadtverwaltung entgegen. In den Vorberatungen wurde er aus zahlreichen Varianten ausgewählt.

Die Idee ist der Bionik entnommen. Der Salamander mit Kopf, Rumpf und Schwanz bewegt sich von der Stadt in den Park.

Jean-Jacques Zimmermann Architekt

Allerdings bleibt ein gewichtiger Nachteil: Für den Radverkehr bringt ein Steg mit Treppen keine Verbesserung. Die Aufzüge sind, insbesondere bei Großveranstaltungen mit starkem Fußgänger- und Radfahrerverkehr keine Hilfe. Die Bahnquerung für Radfahrer bleibt also auf die bestehenden Unterführungen beschränkt, die schwer einsehbar sind und von Fußgängern und Radfahrern gemeinsam genutzt werden.

Bei der Stadtverwaltung geht man davon aus, dass der Kocher-Jagst-Radweg weiterhin über die beiden Bahnunterführungen Hermann-Weller-Straße und Staatsanwaltschaft in die Innenstadt geführt werden muss. Ob die beiden Bauwerke für Radfahrer noch optimiert werden können, muss sich erst noch zeigen.

Gegenwind erfährt der "Salamander"-Entwurf von Jean-Jacques Zimmermann von Anliegerseite: Hermann Kling, Besitzer des Gebäudes Brauergasse 1, wehrt sich gegen den Treppenaufgang, der sich vor seinem Gebäude in einem Abstand von wenigen Metern emporziehen soll. Er schlägt stattdessen eine Trassenführung von der Bachgasse direkt zum Jugendzentrum vor, ohne den abgeknickten Treppenaufgang entlang der Aalener Straße.

Der Gemeinderat soll am Donnerstagabend dem architektonischen Entwurf von Jean-Jacques Zimmermann zustimmen. Das gesamte Projekt steht unter Zeitdruck. Die Bahn AG hat lange Vorlaufzeiten für alle Bauwerke, die den Schienenverkehr tangieren. Und die Landesgartenschau soll im Frühjahr 2026 eröffnet werden.

Die Sitzung beginnt am Donnerstag, 11. März, um 17 Uhr in der Stadthalle. Jean-Jacques Zimmermann wird seinen Entwurf dort vorstellen.

Anlieger Hermann Kling hat Bedenken gegen den Entwurf und schlägt die grüne Trassenführung vor.Plan/Überarbeitung: H. Kling/ca

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