Arme Länder haben das Nachsehen bei Impfungen

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Dieter Müller von medico international referierte im Palais Adelmann über gerechte Impfstoffverteilung.
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Vortrag über gerechte Impfstoffverteilung und Profitinteressen im Palais Adelmann.

Ellwangen. Die Ungleichheit bei der Impfstoffverteilung zwischen den reichen und ärmeren Ländern griff der Vortrag im Palais Adelmann auf. Referent Dieter Müller von der Hilfsorganisation medico international, wies auf tiefgreifende Missstände hin und bot Lösungsansätze.

Müller erklärte, dass reiche Länder sich frühzeitig durch bilaterale Vorverträge mit Pharmafirmen hohe Mengen an Impfstoffen gesichert haben. Die armen Länder hätten das Nachsehen gehabt. Dadurch entstehe eine Impfstoffungerechtigkeit, so Müller. Länder mit einem hohen Einkommen haben die volle Impfabdeckung. Diese haben aber nur zwei Prozent der Bevölkerung der einkommensschwachen Länder. Auch hier zeige sich ein deutliches Ungleichgewicht. Dieter Müller erwähnte weitere Zahlen. Nur zweieinhalb Prozent der bisher verabreichten Impfdosen weltweit sind an afrikanische Länder gegangen.

Es gibt deutlich weniger Tests auf dem afrikanischen Kontinent, zudem würden Krankheits- und Todesursachen besonders in den ländlichen Räumen weniger registriert. Nur einer von sieben Covid-19 Fällen finde Eingang in die offiziellen Statistiken. Albert Bourla, der Chef des amerikanischen Pharmakonzerns Pfizer sagte, dass die Impfskepsis das primäre Problem in Afrika sei und nicht die Verfügbarkeit. Bis Ende September waren nur vier Prozent der Menschen in Afrika komplett geimpft. In Afrika sei eine hohe Abhängigkeit vom Import medizinischer Produkte gegeben.

Reiche Länder hätten angekündigt 1,8 Milliarden Impfdosen zu spenden. Allerdings seien lediglich 14 Prozent ausgeliefert worden. „Dies sind lediglich großmundige Ankündigungen, denen keine Taten folgen“, urteilte Dieter Müller. Impfstoffe seien ein globales öffentliches Gut. Das Produzieren und die Verteilung der Impfstoffe erfordere daher gemeinsamer Anstrengungen.

Bei den Booster-Impfungen werde nur der eigene Bedarf der reichen Länder gedeckt, aber nicht die der anderen ärmeren Länder. Dies komme bei der Impfstoffverteilung jetzt noch erschwerend hinzu. Medico International fordert den Transfer von Impfstofftechnologien als wesentlichen Baustein um Fortschritte bei den Impfungen zu erreichen. Immer wieder wird von anderen Organisationen die Patentfreigabe für Impfstoffe eingefordert, wovon ärmere Länder profitieren könnten. „Die Pandemie trifft auf tiefgreifende Ungleichheiten zwischen Ländern des globalen Südens und Nordens. Die Welt steht am Rande eines katastrophalen Versagens“, resümierte Dieter Müller und ergänzte: „Man muss aktiv werden und sich um eine gerechte Impfstoffverteilung nachdrücklich einsetzen.“

Dieter Müller von medico international referierte im Palais Adelmann über gerechte Impfstoffverteilung.

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