E-Auto und Winter – funktioniert das?

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Nahezu 80 Prozent aller Ladevorgänge von E-Autos finden beim Arbeitgeber oder wie hier an der heimischen Wallbox oder Steckdose statt. Der raue Ostalbwinter kann da nicht mehr viel anhaben; Angst vor dem Liegenbleiben muss heute niemand mehr haben.
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Wie sich E-Autos bei den kalten Nächten auf der wettermäßig eher rauen Ostalb schlagen und was dabei hilft, die Reichweiten solcher Fahrzeuge zu verlängern.

Ellwangen

Wer schon einmal selbst ein Elektroauto gefahren ist, merkt schnell die Vorzüge. Das stufenlos verfügbare Drehmoment vermittelt jenseits von ökologischen Gedanken enormen Fahrspaß und das Fehlen des Verbrennersounds gibt eine Ruhe und ein entspanntes Fahrerlebnis, das man schnell zu schätzen weiß.

Doch wie schlägt sich so ein Auto im rauen Ostalbwinter, bei dem es durchaus mal unter minus 15 Grad werden kann, wie in den vergangenen Tagen?

Manche Mythen halten sich noch hartnäckig. Ein E-Auto im Winter, das kann nicht funktionieren. Die Batterie entlädt, friert ein, die Reichweite geht in den Keller, man bibbert und zittert nicht nur weil die Heizung aus ist, sondern auch, aus Sorge, ob man das Ziel noch erreicht.

In Gesprächen mit E-Auto-Besitzern stellt sich schnell heraus, dass von den Vorurteilen nicht mehr viel übrig bleibt. Sie stammen aus der Zeit der ersten Generation von Elektroautos, die inzwischen gar nicht mehr produziert werden, wie etwa dem Mitsubishi i-Miev.

Heute befinden wir uns an der Schwelle zur vierten Generation mit Nennreichweiten von bis zu 500 Kilometern. Da fällt dann auch die geringere Kapazität der Akkus und die damit verbundene Reichweiteneinbuße bei großer Kälte im Alltag nicht mehr stark ins Gewicht. Entscheidend ist, für welches persönliche Fahrprofil man ein Auto benötigt und ob man bereit ist, ein paar Dinge zu beherzigen und vorausschauend Fahrten zu planen.

So benötigt ein klassischer Überlandfahrer, der vom Virngrund täglich 30 Kilometer nach Aalen und zurück pendelt, im Winter zwar etwa 28 Prozent mehr Strom als im Sommer, ein Autobahn-Vielfahrer mit etwa 180 Kilometer Tagesleistung Richtung Ulm und retour sogar 31 Prozent. Dann schrumpfen 300 Kilometer Reichweite im Sommer auf 230 Kilometer zusammen. Auf der Kurzstrecke liegt der Reichweitenverlust sogar bei bis zu 40 Prozent.

Elektromobilität muss ich nur etwas mehr planen, als beim klassischen Verbrenner.

Christian Schäfer ADAC-Leiter Mobilität und Technik

Großen Einfluss haben dabei auch das Streckenprofil, denn bei Berganteilen gewinnt das E-Auto durch Rekuperation Energie beim Bremsen zurück, und auch die Geschwindigkeit, vor allem aber das richtige Heizen. Dann kann man den Verbrauch im Winter um 20 Kilowattstunden je 100 Kilometer halten, das entspricht etwa dem Preis von vier Litern Diesel.

Zudem kann eine eingebaute Wärmepumpe die Reichweite im Winter deutlich steigern. Der Grund: Die meiste Energie wird für das Aufwärmen von Batterie und Innenraum verwendet. Allerdings kostet so eine Wärmepumpe meist Aufpreis.

Hier kann man ansetzen, merkt Christian Schäfer an, der Leiter Mobilität und Technik des ADAC Baden-Württemberg. "Der Kapazitätsverlust der Akkus bei Kälte ist physikalisch bedingt", erklärt Schäfer. "Der Innenwiderstand erhöht sich bei niedrigen Temperaturen und dadurch dauert dann auch das Laden länger." Wie stark das ins Gewicht fällt, hängt auch vom Fabrikat ab. "Das variiert, je nach Güte der Akku-Isolierung des Herstellers und Fahrzeugtyp."

Angst vor plötzlichem Liegenbleiben muss man aber nicht haben. "Bordcomputer geben sehr zuverlässig Auskunft darüber, ob das Ziel erreicht werden kann. Und machen gezielt Vorschläge, welche Verbraucher abgeschaltet werden sollten oder ob in gedrosselte Fahrleistung in den Eco-Modus gewechselt werden sollte."

Man sollte aber im Winter wie beim Verbrenner auch auf ausreichend volle "Tanks" vor einer längeren Fahrt achten. So verlieren auch Autobahn-Vollsperrungen ihre Schrecken. Die Pannenstatistik gebe jedenfalls keine Unterschiede her, dass E-Autos im Winter häufiger schlapp machten als Verbrenner. "Logisch, denn etwa 80 Prozent der Ladevorgänge geschehen zu Hause oder am Arbeitsplatz", so Schäfer. Öffentliche Schnellladepunkte ermöglichen zudem inzwischen in knapp 30 Minuten das Laden auf bis zu 80 Prozent Kapazität, je nach Akku.

Dies zeigt aber auch die derzeitigen Grenzen der E-Mobilität auf: Für den Laternenparker in einer Mietwohnung ohne festen Parkplatz mit Lademöglichkeit ist ein E-Auto sommers wie winters mit Zunahme der Stromer auf den Straßen kaum eine Option, solange die öffentliche Ladeinfrastruktur nicht mithält.

Wintertipps für mehr Reichweite bei E-Autos

Ellwangen. Wir haben ein paar Tipps für die Fahrer von E-Autos zusammengestellt.

  • Nutzen Sie die Vorheizmöglichkeiten des Autos, am besten, wenn es am Stromnetz hängt. Meist kann dies in den Einstellungen des Autos oder per App programmiert werden.
  • Parken Sie möglichst geschützt, um extremes Auskühlen des Akkus zu vermeiden.
  • Stellen Sie die Heizung ein paar Grad niedriger ein und nutzen Sie stattdessen die viel effizientere Sitzheizung, Lenkradheizung und Heizdrähte in der Windschutzscheibe.
  • Vermeiden Sie kurze Fahrten mit langen Standzeiten dazwischen, da der Innenraum und die Batterie abkühlen und immer wieder neu aufgeheizt werden müssen.
  • Laden Sie das Auto am besten nach einer Fahrt als vor der Fahrt, denn eine kalte Batterie braucht länger zum Laden.
  • Sparfunktion Manche Elektroautos bieten auch eine Sparfunktion in der Heizung, bei der vorwiegend der Fahrerplatz beheizt wird. Nutzen Sie diese Funktion, wenn Sie allein im Auto sitzen.
  • Wärmepumpe Ohne Wärmepumpe, schalten Sie die Heizung auf Umluft. Das erwärmt den Innenraum schneller.
  • Viele Hersteller bieten ihre E-Autos mit einer Wärmepumpe als Extra gegen Aufpreis an. Diese entlastet die Fahrbatterie merklich, ist aber meist teuer. Jürgen Kunze

E-Autos testen mit der Kreisverkehrswacht

Ellwangen. Die Kreisverkehrswacht Ostalb beteiligt sich an der landesweiten Kampagne zum Kennenlernen von E-Autos. Die ehrenamtlichen E-Auto-Moderatoren Manfred und Alexandra Meyer erklären dabei, wie ein E-Auto funktioniert und bieten die Möglichkeit einer Probefahrt. Sie zeigen, wie das Laden funktioniert und holen ein Feedback zur Probefahrt ein. Als kleines Präsent gibt es eine E-Auto-Fibel, die alles rund ums E-Auto erklärt. Ausprobierfahrten sind möglich, sobald es die Corona-Lage erlaubt. Anfragen/Buchungen unter www.eAuto-ausprobieren.de und unter Tel. 0800- 110111999.

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