Baustein für Bildungscampus

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Aus der Gesundheits- und Krankenpflegeschule an der Dalkinger Straße in der oberen Bildmitte wird die Gesundheitsakademie Ostalb. Für mindestens 6,5 Millionen Euro wird der Komplex nun saniert und umgebaut. Im Vordergrund die St.-Anna-Virngrundklinik.
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Mit dem Grundsatzbeschluss stellt der Landkreis die Weichen für den Standort Ellwangen. Was nun alles geplant ist und was das konkret bedeutet.

Ellwangen

Einstimmig beschloss der Betriebsausschuss Klinikimmobilien des Ostalbkreises in seiner Sitzung am Dienstagabend, die Gesundheitsakademie Ostalb auf dem Campus an der St. Anna-Virngrund-Klinik in Ellwangen zu verankern und zu betreiben. Konkret bedeutet dies, dass das Domizil, in dem die Gesundheitsakademie bereits seit September 2020 interimsweise den Betrieb aufgenommen hat, auch der dauerhafte Standort wird.

Gleichzeitig bedeutet dies das Aus für die Pläne auf der Konversionsfläche der Kaserne.

Verbunden damit sind nun bauliche Anpassungen des Gebäudekomplexes für die Gesundheitsakademie auf Basis der Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Fischer & Gibbesch aus Sonthofen.

Ohne Berücksichtigung von Online-Unterricht kommt die Studie zum Ergebnis, dass in der Akademie insgesamt maximal 12 000 Unterrichtsstunden pro Jahr geleistet werden. Dies würde bedeuten, dass etwa sechs bis sieben Unterrichtssäle benötigt werden. Die Räume sollen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Gebäudekomplexes entstehen.

Besonderen Charme entwickelt die Lösung durch den angebundenen Wohnheimtrakt, in dem Schülerinnen und Schüler und Personal der Klinik wohnenkönnen.

Kosten bei rund 6,5 Millionen Euro

Der Verwaltungsrat und Betriebsausschuss stimme auch der Sanierung der Gebäude zu. Damit einher geht eine grundlegende energetische Sanierung des Gebäudekomplexes.

Die Gesamtkostenschätzung des Architekturbüros beläuft sich auf rund 6,5 Millionen Euro. Allerdings basiert dieser Wert noch auf Daten einer Machbarkeitsstudie, die aus dem Jahr 2020 stammt, also noch vor Pandemiezeiten. Rund 3,1 Millionen entfallen demzufolge auf die Umbauten, etwa 4 Millionen auf die energetische Sanierung. Zugleich wird mit 650 000 Euro an Fördergeldern gerechnet. Hinzu kommen wieder Gelder für Brandschutz in den Wohneinheiten für rund 500 000 Euro.

Leuchtturm durch „Skill labs“

Zur Weiterentwicklung der Gesundheitsakademie ist die Etablierung eines Trainingszentrums für Pflege, Medizin- und Gesundheitsberufe geplant. Dafür sollen mehrere Trainingsräume eingerichtete werden, so genannte „Skills labs“. Das sind Räume, in denen an Simulationspuppen realitätsnahe Situationen erprobt und gefahrlos geübt werden können. Die Puppen sind mit Sensoren ausgestattet, in den Räumen befindet sich die jeweilige medizintechnische Ausstattung.

Eine Modellkrankenstation?

Das Besondere: In Ellwangen könnte nun eine ganze Modellkrankenstation entstehen, was deutschlandweit einmalig wäre. Solche Skill Labs gibt es bislang nur vereinzelt. „Eine Modellstation ist ein Leuchtturmprojekt“, erklärte Sylvia Pansow, Vorstandsmitglied der Kliniken Ostalb. Denkbar wäre dann auch, den Zugang zu diesem Lernort nicht nur für Mitarbeiter oder Auszubildende der Kliniken Ostalb anzubieten.

Der Bedarf ist da

In Nordostwürttemberg und Bayern klafft bislang eine Lücke, ein vergleichbares Angebot einer Gesundheitskademie gibt es erst in Schwäbisch Hall, Ulm, Augsburg oder Ingolstadt. Die Gesundheitsakademie soll sich nicht zuletzt wirtschaftlich tragen. Bei 600 Schülern steht in etwa die schwarze Null, so die Kalkulation des Betriebsausschusses.

Infrastruktur mitdenken

Aus mehreren Fraktionen kam in der jüngsten Sitzung indes die Mahnung, an die Parkplatz- und Infrastruktur zu denken. Landrat Dr. Joachim Bläse versicherte, dass das Problem angekommen sei. Auch Ellwangens Bürgermeister Volker Grab war zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werde.

Eine Modellstation ist ein Leuchtturmprojekt.“

Sylvia Pansow, Vorstand Kliniken Ostalb
Eines der „Skill labs“ in der Gesundheitsakademie Ostalb.

Gesundheitsakademie Ostalb

Auf vier Säulen fußt die Gesundheitsakademie Ostalb, die die Aus- und Fortbildungsmaßnahmen in den Gesundheits- und Pflegeberufen bündelt: Ausbildung, Weiterbildung, Fortbildung und berufsbegleitendes integriertes Studium. Rund 610 Schülerinnen und Schülern soll die Gesundheitsakademie insgesamt Raum bieten.

Ausbildung Neben den Berufsbildern Pflegefachmann/frau sowie Gesundheits- und Krankenpflegehilfe ist geplant, künftig den Beruf Operationstechnische Assistenz auch in Ellwangen auszubilden. Neu hinzukommen sollen Anästhesietechnische

Assistenz sowie Medizintechnische Assistenz.

Weiterbildung Angeboten werden Anästhesie/ Intensiv, Notfallpflege, Praxisanleitung, Palliative Care sowie Technische Sterilisationsassistenz.

Fortbildung Alle Pflichtfortbildungen und berufsspezifischen Fortbildungen werden hier gebündelt.

Studium Ausbildungsintegriert in Kooperation mit der DHBW kann man Gesundheits- und Pflegewissenschaften sowie mit der PH Pflegewissenschaft studieren. jku

Kommentar von Jürgen Kunze: Lachend und weinend

jku

Die Entscheidung, die Gesundheitsakademie Ostalb dauerhaft in Ellwangen zu verorten, ist eine sehr gute Wahl. Hier formiert sich ein zukunftsfähiger und spannender Bildungscluster, rund um die Berufsbilder in Gesundheit und Pflege. Zusammen mit der DRK Landesschule, der Berufsschule für Pflege und Gesundheit sowie EATA und den Hochschulkooperationen entsteht hier ein schlüssiges Gesamtkonstrukt.

Auch die Sanierung des bestehenden Gebäudes passt, mit dann kurzen Wegen zum Klinikum. Aus Sicht der Stadt gibt es aber auch ein weinendes Auge. Der Standort auf dem Konversionsgelände wäre sicher auch eine gute Wahl gewesen, zumal sich nun die Frage stellt, was dort auf der frei werdenden Fläche entstehen soll.

Und nicht zuletzt aus Sicht der Anwohner an der Dalkinger Straße. Schon jetzt ist die Verkehrsbelastung enorm, die Parkplatzsituation ein Unding. Eine Verbesserung von ÖPNV und Parkplatzinfrastruktur darf auf keinen Fall vergessen werden.

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