Benjamin Poljak gewinnt den Poetry Slam

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Benjamin Poljak (links) ist Sieger des Ellwanger Poetry Slams 2022. Neben ihm Leah Weigand und Meike Harms, die ebenfalls ins Finale kamen.
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Rund 150 Besucher genießen in der "Großen Stallung" tiefsinnige und heitere Poesie beim Ellwanger Dichterwettstreit.

Ellwangen

Es waren nicht ganz so viele Besucher wie in den Vorjahren, etliche Stuhlreihen blieben leer beim "Poetry Slam" auf dem Schloss. Vielleicht haben sich die Ellwanger in den letzten zwei Wochen müde gefeiert? Der poetische Wettkampf, den das Jugendzentrum mit der Stadtbibliothek veranstaltet, war trotzdem ein kurzweiliger Abend, den das Konzept und das Moderatorenduo Alexander Willrich und Hanz sind Garant sind Unterhaltung mit Niveau.

Sechs Personen mit poetischen Ambitionen und mindestens zwei selbstverfassten Texten in der Tasche, ein aufmerksames Publikum, das mit der Stärke des Applauses entscheidet, wer in die zweite Runde kommt, so einfach ist die Ausgangslage.

Andreas Rebholz aus Ulm macht mit seiner Nachrichtensendung auf Schwäbisch den Anfang. "Eigentlich wollte ich ja ins Fernsehen, aber mein Vater sagte, ich hätte eher so ein Radiogesicht", sagt er zur Einleitung und dann geht es quer durch die Republik mit Spätzle und Co und Protesten gegen Kartoffelsalat mit Mayonaise.

Leah Weigand aus München erntet stärkeren Applaus für ihren Erfahrungsbericht als Gesundheits- und Krankenpflegerin. "Pflege ist nicht sexy und nicht weiblich" sagt sie "aber ich lerne ein bisschen, was Menschsein ist."

Petra Home aus Ellwangen steht das erste Mal im Poetry Battle. Ihr gereimter Nachbarschaftsaustausch zum Thema Ferien ist lustig, doch an diesem Abend reicht es nicht zum Weiterkommen, weil Benjamin Poljak aus Essen mit seinen Vegan-Erfahrungen beides ist: lustig und tiefsinnig. Er und Weigand kommen ins Finale.

Nach der Pause ist noch ein Finalplatz frei. Um den streiten sich Meike Harms aus München mit einem fast schon gerappten Text auf die Krisen dieser Zeit: "Das Klima kriegt die Krise und hält uns den Meeresspiegel vor" und Annika Bedermann aus Zürich, die ihre Generation als die "Generation Rastlos, überall dabei" beschreibt. "Wir leben so sehr im Jetzt, das wir das auf Kosten der Zukunft tun", sagt sie. Das Publikum entscheidet für Meike Harms, die im Finale im Anklang an ein Brecht-Gedicht über "die Anstreicher dieser Welt" spricht, und was die Poesie dagegen ausrichten kann. "Die Macht der Poesie" sei in Gefahr, sagt sie und fordert lebensrettende Sofortmaßnahmen. Zum Sieg reicht das nicht, ebensowenig wie Leah Weigands durchaus kritisches Liebesgedicht auf die Kakaobohne: "Diese Schokolade kann Spuren von Kinderhänden enthalten".

Sieger wird Benjamin Poljak mit seinem Erfahrungsbericht "Lebkuchen im Sommer", in dem er sich als "dickes Kind" mit Essstörungen outete, das in einem Sommer extrem abnimmt. Es ist sein Wortwitz in einem durchaus ernsten Text mit Gesellschaftskritik, der das Publikum begeistert

Mit rund 150 Gästen war der Poetry Slam in der Großen Stallung zwar immer noch gut besucht, aber nicht ausverkauft wie in den Vorjahren.

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