Beten für Frieden in der Ukraine

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P. Martin Leitgöb

P. Martin Leitgöb über die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine und die Brüder seiner Ordensgemeinschaft, der Redemptoristen, die von Lemberg aus tätig sind.

Ellwangen

Oft bin ich in diesen Tagen mit meinen Gedanken in der Ukraine. Die russische Aggression vor den Grenzen dieses Landes währte seit Wochen und Monaten. Die diplomatischen Bemühungen zur Verhinderung eines Krieges waren intensiv. Doch was wir befürchtet haben, ist wahr geworden. Dieses wichtige und große Land in Osteuropa erlebt seit wenigen Tagen einen brutalen Angriffskrieg.

Mit der Ukraine bin ich deswegen besonders verbunden, weil ich dort innerhalb meiner Ordensgemeinschaft Mitbrüder habe. Sie sind Redemptoristen wie ich, gehören aber der griechisch-katholischen Kirche an, die eine Kirche mit eigenem Ritus ist, gleichwohl aber Rom untersteht. Vor etwa einem Jahrhundert hat sich unsere Ordensgemeinschaft von Lemberg aus vor allem in der Westukraine ausgebreitet. Schnell waren die Redemptoristen im Land als Seelsorger beliebt und hatten entsprechenden Nachwuchs. In der Zeit der kommunistischen Sowjetunion mussten sie unter schwersten Bedingungen im Untergrund überwintern. Wie schwierig die Bedingungen waren, führte mir ein ukrainischer Mitbruder vor Augen, als er mir erzählte, dass er seine Priesterweihe in der Küche seines Elternhauses erhalten habe.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion gab es in den 1990er Jahren ein Frühlingserwachen für die griechisch-katholische Kirche als ganze wie auch für unsere Ordensgemeinschaft in diesem Land. Rasch schlossen sich viele junge Männer der Gemeinschaft an. Das ordenseigene Seminar platzte bald aus allen Nähten. Zweimal durfte ich dort bereits das Weihnachtsfest, nach östlichem Kalender am 6. Januar, mitfeiern. Besonders in Erinnerung ist mir die vierstündige Mitternachtsliturgie.

Nicht wenige junge ukrainische Mitbrüder wurden in den letzten Jahrzehnten nach Österreich geschickt, um Deutschkurse zu absolvieren. Die begabtesten unter ihnen wurden in unser Innsbrucker Kloster aufgenommen, um an der dortigen Universität Theologie zu studieren. Auffällig war, dass diese jungen Männer sich schnell in unsere Kultur einfanden. Auch wenn sie nach ihrem Studium gerne wieder in die Heimat zurückkehrten, hielten sie weiterhin engen Kontakt nicht nur mit ihren österreichischen Mitbrüdern, sondern auch mit anderen Leuten, die sie hier kennenlernten. Die vielzitierte Westorientierung der Ukraine wird an diesem Beispiel wie unter einem Brennglas sichtbar.

Einige der Mitbrüder, die bei uns studierten, sind mittlerweile Bischöfe. Zu ihnen gehört übrigens auch Bohdan Dzyurakh, früher Weihbischof in Kiew und seit einem Jahr Apostolischer Exarch für die Gläubigen des griechisch-katholischen Ritus in Deutschland und Skandinavien mit Sitz in München. Viele Redemptoristen sind in der Ukraine an sozialen und pastoralen Brennpunkten tätig. Einige arbeiten auch als Militärseelsorger. Anders als in den deutschsprachigen Ländern gehört die Kirche in der Ukraine zu jenen Institutionen, welche das meiste Vertrauen in der Bevölkerung genießen.

Ich bin mit meinen Gedanken dieser Tage häufig in der Ukraine, so sagte ich oben. Aus den Gedanken werden oft Gebete. Möge Gott die Herzen der Angreifer zum Einlenken bewegen, dem ukrainischen Volk Durchhaltekraft schenken und der Weltgemeinschaft wirksame Wege der Solidarität zeigen.

P. Martin Leitgöb

Über Pater Martin Leitgöb

  • P. Dr. Martin Leitgöb stammt aus Eggenburg im Waldviertel (Niederösterreich), von 1990 bis 1997 studierte er in Wien und Innsbruck Theologie, 2001 trat er in den Orden der Redemptoristen ein. Im selben Jahr schrieb er seine Doktorarbeit und promovierte. Am 15. Juni 2007 wurde er in Wien zum Priester geweiht. Von 2010 bis 2020 wirkte Leitgöb in Prag, seit 2012 als Seelsorger der dortigen deutschsprachigen katholischen Gemeinde. Leitgöb ist Pfarrer der Schönenberggemeinde und Pfarradministrator der Kirchengemeinde St. Vitus.

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