Bonny und Clyde auf Bewährung

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Justizia
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Wegen Besitz und Handel mit Drogen, vorwiegend Marihuana, wurden ein Mann und eine Frau aus Weikersheim vom Jugendschöffengericht zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Ellwangen

Rund 1,6 Kilogramm Marihuana fand die Polizei am 9. Februar 2020 bei einem jungen Paar, bei einer Fahrzeugkontrolle und anschließend in der Wohnung. Einem Autofahrer hinter ihnen war der Marihuanadampf aufgefallen, der dem Toyota Yaris entströmte. Jetzt standen der damals 24-Jährige und seine damals 19-jährige Freundin vor Gericht. Weil bei der jungen Frau eine Verurteilung sowohl nach Erwachsenen- wie auch Jugendstrafrecht möglich war, befasste sich das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Ellwangen mit dem Fall.

Erster Staatsanwalt Armin Burger fasste die Anklage in neun Straftaten des gemeinsamen Drogenbesitzes und gewerbsmäßigen Handeltreibens von Betäubungsmittel in nicht geringer Menge zusammen. Zu entscheiden war, ob bei der Frau eine Mittäterschaft oder lediglich Beihilfe vorlag. Zwischen April und Oktober hatten die beiden ihre Kunden im Main-Tauber-Kreis beliefert, die Taten waren durch die Auswertung des Chatverlaufs auf dem Handy der Frau belegt.

Kennengelernt hatte sich das junge Paar 2019 in einem Therapiezentrum in Tauberbischofsheim, das er wegen Depressionen und Alkoholproblemen besuchte, nachdem er beim Studium in Berlin gescheitert war. Sie war wegen Drogen und psychischen Problemen in Therapie. Die beiden wurden schnell ein Paar, zogen zusammen und beschlossen, ein Drogengeschäft aufzuziehen. Er nutzte dazu Kontakte nach Berlin, wo er immer wieder die Drogen beschaffte. Sie stellte den Kontakt zu den Endkunden im Raum Bad Mergentheim her. "Bonnie und Clyde", so nannten sie sich selbst in einem Chat und so mögen sie sich auch gefühlt haben, als der Handel recht gut anlief. Bestellungen wurden über WhatsApp angenommen, Treffpunkte vereinbart und mit dem Auto ausgeliefert.

Sieben Zeugen waren geladen, doch die waren recht einsilbig. Ein "Kunde", der aus der JVA Stadelheim vorgeführt wurde, sagte nicht aus, eine 17-jährige, die einmal ein Gramm Amphetamin gekauft hatte, erinnerte sich nicht mehr. Es war der einzige Fall von "härteren Drogen", der den beiden vorgeworfen wurde. Aufschlussreich war die Auswertung des Telefons der Frau, ihr Freund hatte seines noch rechtzeitig zurücksetzen können. 48 000 Chateinträge entwickelten zusammen mit den Standortbestimmungen eine starke Beweislast für den Drogenhandel, wie der die Ermittlungen leitende Polizeibeamte ausführte.

Trotz der aufgefundenen Menge an Marihuanablüten, die mit insgesamt 130 Gramm THC über 1000 Verbrauchseinheiten entsprach, war das Gangsterpärchen nicht der schwerkriminellen Drogenszene zuzuordnen. Beide ohne Vorstrafen rutschten wohl über den eigenen Konsum in den Drogenhandel, um mit dem Erlös den eigenen Verbrauch zu finanzieren. Die Qualität des vertriebenen "Stoffs" war sehr unterschiedlich, das "Gras" hatte einen THC-Gehalt zwischen 4 und 12 Prozent. Möglicherweise war CBD-Hanf ohne betäubende Wirkung mit THC-Öl beträufelt worden. Dass es tatsächlich als "Futter für den Hamster" diente, wie der Anwalt des Angeklagten einschätzte, wollte das Gericht allerdings nicht glauben.

In seinem Urteil blieb Richter am Amtsgericht Michael Schwaiger unter dem Antrag des Staatsanwalts, der zwei Jahre beziehungsweise ein Jahr und acht Monate auf Bewährung gefordert hatte. Schwaiger urteilte ein Jahr neun Monate Haftstrafe für "Clyde" und ein Jahr drei Monate für "Bonnie", für beide auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die junge Frau wurde nur wegen Beihilfe und nach Jugendstrafrecht verurteilt. Das Gericht berücksichtigte, dass beide geständig und einsichtig waren. Sie haben sich zwischenzeitlich wieder getrennt, er arbeitet als Angestellter und will studieren, sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau machen. Als Bewährungsauflage müssen beide regelmäßig Drogenscreenings vorzeigen, er muss 2000 Euro an eine soziale Einrichtung bezahlen, sie muss 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und ein Sozialtraining absolvieren..

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