Claudia Sünder wehrt sich gegen Unterstellungen

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Ein Autor wirft der Sprecherin des Berliner Senats vor, ihre Biografie geschönt zu haben.

Ellwangen/Berlin. Am Anfang stand eine Verärgerung. Und wenn der studierte Mediziner und Schriftsteller Lehmann verärgert ist, dann kann das Folgen haben. So gefiel ihm ein Grundsteuerbescheid nicht, was dazu führte, dass das Bundesverfassungsgericht das Berechnungssystem für diese Steuer kippte. Nun hat es ihm die Biografie von Claudia Sünder angetan.

Weil Hans-Joachim Lehmann eine Abmahnung für die Verwendung von Stadtplanausschnitten auf seiner Internetseite erhielt, begann er den Lebenslauf der Berliner Senatssprecherin zu recherchieren. So berichtet es der "Stern". Lehmann stellte ein 80-seitiges Dossier zusammen. Grundtenor des Werkes: Die aus Ostdeutschland stammende Sozialdemokratin Sünder habe ihre Vita geschönt. Der 72-jährige Lehmann nennt Sünder eine "Flunker-Queen", eine "Aufschneiderin" oder auch das "größte Plappermaul zwischen Konstanz und Boltenhagen".

Als die Mauer 1989 das Zeitliche segnete, war Sünder 20 Jahre alt. Zuvor, mit 19, zog sie von Boltenhagen an der Ostsee nach Berlin und wurde Redakteurin beim "Pressedienst Berlin". Ohne journalistische Ausbildung? Das findet Lehmann erklärungsbedürftig.

Sünder sagt, sie hätte bei diesem Pressedienst ihr Volontariat gemacht. Sie hätte nie behauptet, dort gleich als Redakteurin angefangen zu haben. In der Biografie auf der Internetseite des Berliner Senats steht: "1988 Redakteurin Pressdienst Berlin". Dass sie für die Stelle bei der Stasi anheuern musste, weist Sünder weit von sich. Eine Mitgliedschaft in der FDJ nicht. Wie die meisten anderen Jugendlichen in der DDR sei sie Angehörige dieser Jugendorganisation gewesen. Ihr Kritiker Hans-Joachim Lehmann nennt sie "eine tölpelhafte FDJ-Pflanze".

Widersprüchlich findet Lehmann die Angaben Sünders über ihre Zeit in Baden-Württemberg. Nach der Jahrtausendwende lebte Sünder in Ellwangen. Die örtliche SPD hatte für Sünder ein sechsjähriges Studium an der Fernuni Hagen angegeben. Tatsächlich hatte das Studium 13 Jahre gedauert.

Sünder sagt, sie selbst hätte nie etwas anderes behauptet. Ihr Studium hätte sie zeitweilig vernachlässigen müssen, weil sie im elterlichen Betrieb in Boltenhagen ausgeholfen habe. Und so geht es weiter. Die Berliner Wohnungsbaugesellschaft Degewo, bei der Sünder ab 2014 arbeitete, hatte behauptet, die aufstrebende Genossin hätte 16 Jahre lang die Stabsstelle der Kolping-Gesellschaft in Baden-Württemberg geleitet. Um dann einzuräumen, die 16 Jahre bezögen sich auf Sünders Gesamtzeit in Baden-Württemberg.

Hans-Joachim Lehmann wollte nicht glauben, dass es die Stabsstelle überhaupt gab, musste sich aber vom Bildungswerk in Stuttgart sagen lassen, er irre. Und er musste eine Hausdurchsuchung erdulden. Die Berliner Staatsanwaltschaft war der Meinung, Lehmann habe Claudia Sünders Lebenslauf "in verhöhnender Art und Weise" dargestellt.

André Bochow

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