Corona kann den Sommer in der Stadt nicht stoppen

  • Weitere
    schließen
+
Das Phaeton-Trio kommt am 27. Juni in den Thronsaal und spielt ein 45-minütiges Programm mit viel Beethoven zweimal vor jeweils 40 Zuhörern.
  • schließen

Während überall Volksfeste, Theater, Konzerte abgesagt werden, zieht die Ellwanger Kulturinitiative ihr Programm 2020 durch.

Ellwangen

Man hätte den "Sommer in der Stadt" einfach absagen können, weil man aufgrund der Coronaepidemie ohnehin nicht planen kann. Niemand hätte es der Ellwanger Kulturinitiative übel nehmen können. Schließlich werden überall Veranstaltungen abgesagt.

Doch Christoph Grohmann und sein Team haben sich entschlossen, trotz aller Unwägbarkeiten das Programm durchzuziehen. So werden die Macher des Ellwanger Kultursommers zu Helden für alle, die Kultur und Begegnung im Coronajahr so schmerzlich vermissen.

"Es gab eine lange Diskussion im Team und wir sind froh, dass wir es machen können", sagt Christoph Grohmann. Von ursprünglich 80 Programmpunkten blieben am Ende noch rund 60, die nach den aktuellen Coronaverordnungen durchführbar sind. Und von den Vorgaben der Behörden hängt auch weiterhin ab, ob Veranstaltungen stattfinden dürfen oder nicht.

Wie kommt es, dass der "Sommer in der Stadt" geht und andere Konzerte und Festivals nicht?

Christoph Grohmann: "Unser Konzept mit kleinen Konzerten, Lesungen und Ausstellungen an unterschiedlichen Orten braucht weniger Vorbereitung und kann flexibel umgesetzt werden."

Vieles beim "Sommer in der Stadt" geht ohne Vorverkauf und Vorverträge, kann in Absprache mit den Künstlern auch kurzfristig noch abgesagt oder verschoben werden, sollte eine zweite Coronawelle neue Auflagen verursachen. Das können die Veranstalter von großen Festivals nicht machen.

Höhepunkt ist für mich, dass der Sommer in der Stadt überhaupt stattfindet.

Christoph Grohmann Vorsitzender

Dass dieses Sommerprogramm mit Kleinkunst in Ellwangen vom 27. Juni bis 10. Oktober stattfindet, ist ein Signal, an alle, die sich danach sehnen wieder Kultur zu genießen und soziale Kontakte zu pflegen. Vor allem aber auch an Kulturschaffende und Gastronomen.

Olaf Thielke vom Kulturamt sieht das finanzielle Engagement der Stadt deshalb auch als Unterstützung für eine Berufsgruppe, die von Corona besonders hart getroffen wurde.

Eine der größten Veranstaltungen, was die Besucherzahl angeht, dürfte der Auftritt der "Stuttgarter Saloniker" beim Seenachtskonzert am Kressbachsee (9. August, 18 Uhr) werden. 99 Zuhörer werden eingelassen. Sie dürfen sich auf der Liegewiese des Naturfreibads verteilen, während die Saloniker auf dem Wasser treibend ein Latinoprogramm spielen. Karten gibt es nur im Vorverkauf bei reservix.de für 30 Euro.

Bei den Schlosskonzerten im Thronsaal, wo Klassikensembles von internationalem Rang spielen, sind coronabedingt nur rund 40 Zuhörer möglich. Doch mit den Künstlern wurde vereinbart, dass sie zwei Durchläufe vor wechselndem Publikum spielen. So können 80 Personen diese Konzerte erleben.

Andere Auftritte wurden kurzerhand im Freien geplant, etwa im Palaisgarten oder vor der Schlossschenke, weil dort Abstandsvorgaben leichter umsetzbar sind. Auf das Sommertheater im Schloss wird ganz verzichtet, die Theatermenschen konnten nicht proben und werden sich nun auf ein Winterstück vorbereiten. Das "Luftschlossfestival" kann nicht stattfinden und der "Sommerklang" ist auch nicht möglich. Das gedruckte Programm wird zwar verteilt, doch Grohmann und Thielke machen deutlich, dass die tagesaktuellen Informationen im Internet (www.ellwangen.de) beziehungsweise in den Zeitungen zählen.

Alexander Veit von der Rotochsen Brauerei unterstützt die Kulturinitiative wieder mit dem eigens abgefüllten "Sommer-in-der-Stadt-Bier". Das Export in der 0,33-Liter-Flasche mit dem speziellen Etikett gibt es bei den Veranstaltungen und im Handel. Veit hofft, dass die Gastronomie der Stadt durch die Kulturinitiative eine weitere Belebung erfährt. Die Wirte können das brauchen, denn sie hat der Lockdown viel Umsatz gekostet.

Hans-Peter Feil bietet bei der "Sommerauftaktsklaviermatinee" im Punto Jazz und Klassik.
Die Macher von "Sommer in der Stadt" bei der Bierprobe im "Roten Ochsen (v.l.): Alexander V eit, Franz Brenner, Olaf Thielke, Christoph Grohmann, Andreas Müller, Hubert Lux.

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

WEITERE ARTIKEL