Das Alamannenmuseum ist in die Jahre gekommen

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Das Alamannenmuseum wurde 2001 in der Haller Straße im Gebäude der früheren Nikolauspflege eröffnet.
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Vor 20 Jahren wurde das Alamannenmuseum eröffnet. Mittlerweile denkt man im Kulturamt über eine grundlegende Neugestaltung der Dauerausstellung nach.

Ellwangen

Für Andreas Gut ist das ehemalige „Sondersiechenhaus“ an der Haller Straße immer noch der Ort, an dem sich sein beruflicher Traum erfüllt hat. Als er im Mai 1999 vom Gemeinderat aus 73 Bewerberinnen und Bewerbern auserwählt wurde, hier die Konzeption des neuen Ellwanger Alamannenmuseums zu erarbeiten, erfüllte sich für den Archäologen aus Biberach ein Traum. Der Job war mit der Aussicht auf eine unbefristete Anstellung verbunden, als künftiger Museumsleiter.

Seit 20 Jahren ist er nun in dieser Position, „mein beruflicher Höhepunkt“, wie er freimütig erklärt. Als Museumsleiter hat er Gestaltungsmöglichkeiten, von denen andere Archäologen nur träumen können. 35 Sonderausstellungen hat er in dieser Zeit organisiert, die immer wieder auch überregional Beachtung fanden. Trotzdem: Wenn Andreas Gut sich etwas wünschen könnte, dann wären es wohl deutlich mehr Besucher oder einen deutlich höheren Etat oder am besten beides.

Denn irgendwie hängt das eine ja mit dem anderen zusammen. Das musste Gut in den 20 Jahren mitunter schmerzlich erfahren. Der Jahresetat des neuen Museums lag ursprünglich bei 170 000 Euro. Doch als nach der Finanzkrise 2008 im städtischen Haushalt 14 Millionen Euro einzusparen waren, wurde der Etat halbiert und auf 85 000 Euro gedeckelt. Die Stelle des Museumsleiters wurde 2012 sogar auf 30 Prozent gekürzt. Damit er sich überhaupt noch um Sonderausstellungen kümmern konnte, wurde Guts Stundenzahl vom Förderverein über Werkverträge aufgestockt.

Besucherzahl ging stark zurück

Die Etatkürzung lässt sich auch an der Besucherkurve ablesen: Im ersten Jahr kamen deutlich mehr als die anvisierte 10 000 Personen. Dann ging die Zahl zurück e und sackte 2012, als auch die Öffnungszeiten stark beschnitten wurden, auf 3000 Personen ab. „Aktuell zählen wir wieder 5000 pro Jahr“, erklärt Gut und meint, dass er mit längeren Öffnungszeiten auch wieder mehr Menschen ins Museum bringen könnte.

Dass ein Museum im Laufe der Jahre mit rückläufigen Besucherzahlen zu kämpfen hat, liegt in der Natur der Sache. Irgendwann haben alle Interessierten in der Region die Ausstellung gesehen und dann ist es an der Zeit, eine Neugestaltung vorzunehmen. Kulturamtsleiter Dr. Anselm Grupp, zu dessen Arbeitsbereich das Museum gehört, sagt dazu: „Nach 15, 20 Jahren ist eine Ausstellung durch. Das wissen wir und deshalb haben wir uns um eine Neugestaltung auch schon Gedanken gemacht.“

Eine zeitgemäße Präsentation

Dabei geht es auch um Überlegungen grundsätzlicher Art. Wie muss ein Museum zeitgemäß gestaltet sein? Die Art und Weise, wie Inhalte aufgenommen werden, hat sich seit 2001 schließlich verändert. Heute ist man gewohnt, Bilder und Fakten über das Internet abzurufen. Wer ein Museum besucht, möchte ein Original sehen und von dessen magischer Einzigartigkeit in Beschlag genommen werden.

Das Alamannenmuseum hat dafür beste Voraussetzungen, denn im Gegensatz zu manchen anderen archäologischen Museen im ländlichen Raum, werden hier praktisch nur Originale ausgestellt. Es sind vorwiegend Funde aus Lauchheim, wo 1986 ein Baggerfahrer ein Goldblattkreuz gefunden hat. In den darauffolgenden Jahren wurden das große alamannische Gräberfeld „Wasserfurche“ und die dazugehörige Siedlung „Mittelhofen“ ausgegraben. Was man dabei entdeckt hat, überwiegend Knochen und Grabbeigaben, ist spektakulär, jedenfalls für Fachleute. Anderen muss man die Bedeutung erst vermitteln, die Aufgabe des Museums.

Andreas Gut versucht dies unter anderem über Workshops: Wie haben Alamannen gekocht, geschmiedet, Kleider genäht, Metall bearbeitet, Bogen gebaut? Dazu machen entsprechend gekleidete Geschichtsdarsteller das Leben im frühen Mittelalter plastisch und die Kurse sind oft ausgebucht. Um das Museum haben sich zudem Gruppen gebildet, die sich dem Reenactment verschrieben haben, der Darstellung historischer Ereignisse auf möglichst authentische Art. Leider haben die Alamannen keine Aufzeichnungen hinterlassen. In ihren Holzbauten hat man weder Bücher noch Bilder gefunden. Wer und wie sie wirklich waren, liegt weitgehend im Dunkeln. Ein Grund, warum man sich nicht so leicht für sie begeistern kann, wie für Römer und Ägypter.

Das Geheimnisvolle als Chance

Doch das Geheimnis, das die Alamannen umgibt, ist auch eine Chance, denn die Menschen lieben Geheimnisse, wenn man sie richtig erzählt. Die Landesgartenschau 2026 bietet dem Alamannenmuseum die große Gelegenheit, sich selbst neu zu erfinden und eine große Zahl von Menschen zu erreichen. Das hat man im Kulturamt erkannt und bis dahin soll die Neukonzeption stehen.

Ob es auf dem Ausstellungsgelände einen dauerhaften alamannischen Schwerpunkt gibt, einen „Alamannenpavillon“ sozusagen, ob die Wiese bei der Jagstbrücke zum Alamannenlager wird oder ob es einfach Schilder sind, die in Richtung geschichtsträchtige Orte und das Museum weisen, darüber wird intern bereits diskutiert. Spruchreif ist aber noch nichts. Anselm Grupp: „Die Planung der eigentlichen Ausstellung der Landesgartenschau beginnt frühestens 2023.“

Klar ist aber schon jetzt, dass es die Besucher so gelenkt werden müssen, dass sie das Alamannenmuseum nicht übersehen. Gerhard Königer

Nach 15, 20 Jahren ist eine Ausstellung durch.“

Dr. Anselm Grupp, Kulturamtsleiter
  • Was es zum 20-jährigen Bestehen zu sehen gibt
  • Alamannenforum Am Samstag, 9. und Sonntag, 10. Oktober, kann man beim 7. Alamannen-Forum im und um das Museum den Alamannen nachspüren. Die Gruppe „Alamanni & Freunde“ wird den Alltag in einem Alamannendorf zeigen und die Besucher können selbst mitmachen, zum Beispiel Perlenschmuck fertigen, Bänder knüpfen oder Korn mit der Steinmühle mahlen.
  • Kreuz-SpieleNoch bis 24. Oktober ist im Museum die Installation mit Bildern von Hanne Dittrich zusehen, die Arbeiten aus fünf Bildreihen seit 1985 kombiniert hat. Die Künstlerin ist schon seit langem mit dem Museum verbunden und hat hier bereits mehrfach ausgestellt.
  • Die BajuwarenAb Anfang Dezember soll die Ausstellung „Ein kleines Dorf in einer großen Welt“ des Römer- und Bajuwarenmuseum Kipfenberg nach Ellwangen kommen. Sie zeigt Alltagsszenen des 5. und 6. Jahrhunderts.
Mit den Sonderausstellungen erreichte das Museum immer wieder überregionale Aufmerksamkeit. Bischof Gebhard Fürst kam zur Eröffnung der Sonderausstellung Goldblattkreuze.
Museumsleiter Andreas Gut, hier bei der Eröffnung der Sonderausstellung Goldblattkreuze.

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