Das Amtsgericht wird modern

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Das Amtsgericht im Schönen Graben wurde 1885 erbaut.

Wie in das Gebäude aus dem Jahr 1885 ein Aufzug eingebaut wird und was für die Sicherheit der Mitarbeiter getan wird.

Ellwangen

Schon seit einigen Monaten sind am Ellwanger Amtsgericht Handwerker zugange. Das 1885 in seiner Grundsubstanz errichtete, denkmalgeschützte Gebäude wird umfangreich saniert. Der heikelste Teil steht aber noch an: Im Innern des Treppenhauses wird ein Fahrstuhl eingebaut. "Das wird knifflig", sagt Verwaltungsleiterin Kathrin Grosch.

Mitte September soll es soweit sein, dann sollen das Gerüst und die gläserne Aufzugsanlage von außen über eine Öffnung im Dach von oben eingepasst werden. "Das wird in Millimeterarbeit eingefädelt", sagt Grosch. "Das Dachstück wird dann wie ein Deckel wieder drauf gesetzt."

Zwar werde der Dachraum durch den größeren Platzbedarf für den Aufzug auch nach außen erweitert, alle Maßnahmen seien aber in Abstimmung mit dem Denkmalamt sensibel gestaltet worden. Über das neue Herzstück sei das Gebäude dann barrierefrei zugänglich, die bisherige Lösung mit einem Treppenlift sei nicht mehr zeitgemäß.

Der neue Aufzug ist dabei längst nicht alles, denn im Zuge der Arbeiten wird auch die Trennung von öffentlichen und nichtöffentlichen Bereichen des Amtsgerichts hergestellt und zugleich in Sachen Brandschutz aufgerüstet.

Das Treppenhaus wird zu den Räumen der jeweiligen Etagen durch dicke, feuerbeständige Glaswände abgetrennt. "Eine Scheibe allein wiegt rund 250 Kilogramm, acht Mann haben die einzeln durchs Treppenhaus gewuchtet", schildert Amtsgerichtsdirektor Norbert Strecker.

"Viel Dreck", mache die Baustelle, und auch Lärm: "Es war schon manchmal sehr laut, da versteht man sein eigenes Wort nicht mehr", sagt Richter Strecker, der aber auch den Handwerken dankt, die in sensiblen Momenten auf Verhandlungen Rücksicht genommen hatten. So hielten die Mitarbeiter den Justizbetrieb trotz Baumaßnahme aufrecht. Übrigens auch während der Einschränkungen durch die Corona-Verordnung: "Wir haben die Belegschaft in zwei Teams gesplittet, die im wöchentlichen Wechsel gearbeitet haben", sagt Grosch. Zumindest die unaufschiebbaren Verhandlungen konnten so durchgezogen werden.

Das wird knifflig.

Kathrin Grosch Verwaltungsleiterin

Geplant, koordiniert und finanziert wird die Baumaßnahme vom Amt für Vermögen und Bau, dessen Dienststelle in Schwäbisch Gmünd Dr. Stefan Horrer leitet. Die Abtrennung der nichtöffentlichen Bereiche entspreche den neuen Anforderungen der Sicherheitskonzeption der Justiz zum Schutz der Staatsgewalt, sagt Horrer. "In den letzten Jahren ist einfach zu viel passiert", sagt Strecker. Auch in Ellwangen habe man mit Querulanten und ungebetenen Gästen Erfahrungen machen müssen.

Mit Aufzug und Brandschutz ergebe sich nun ein Großprojekt, in dessen Rahmen einiges mit angepackt wurde, erläutert Horrer. Neue Technik mit Flachbildschirmen zur Nutzung der E-Akten in den Verhandlungsräumen, neue Türen mit besserem Schallschutz, ein neues Beleuchtungskonzept fürs Treppenhaus, eine neue Rampe und acht Fahrradstellplätze im Außenbereich, dazu kosmetische Arbeiten: Insgesamt seien gut 1,4 Millionen Euro als Bausumme veranschlagt. "Wenn man anfängt, dann macht man eben alles auf einmal, damit man nicht in zwei Jahren noch mal anfangen muss", sagt Horrer.

Dass die Bauprojekte seiner Dienststelle trotz Corona größtenteils im Zeit- und Kostenrahmen abgewickelt werden können, sei auch für die Wirtschaft wichtig. "Der Mittelabfluss ist nicht geringer als im Vorjahr." So soll auch die Großbaustelle am Amtsgericht Ellwangen wie geplant im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden.

"Das wird ein sehr schönes Amtsgericht, wenn alles fertig ist", sagt Strecker voller Vorfreude auf die moderne Technik gepaart mit viel verbautem Glas im historischen Bestand.

Verwaltungsleiterin Kathrin Grosch und Amtsgerichtsdirektor Norbert Strecker im Treppenhaus: Hier wird ein neuer Aufzug von oben eingepasst.
Die neuen Ganzglaswände im Treppenhaus dienen dem Brandschutz.

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