Das Ende der Lindenallee

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Die Lindenallee wurde gefällt, weil die Bäume einer Abbiegespur für den neuen Wertstoffhof im Weg sind.
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Opfert die kommunale Planung zu sorglos Natur und Landschaft? Warum die Lindenallee entlang der L 1060 gefällt werden musste.

Ellwangen

Vorige Woche hat der städtische Baubetriebshof elf Bäume entlang der L 1060 beim hinteren Spitalhof gefällt. Dort wird die Straße um eine Abbiegespur verbreitert, die zum neuen Wertstoffhof führt. Vom Schießwasen ist bekannt, dass sich an manchen Samstagen der verkehr weit zurück staut, wenn viele Bürger ihre Kisten und Säcke zum Wertstoffhof bringen.

Aufgrund der Landesgartenschau muss der Wertstoffhof vom Schießwasen weg. Nach längerem Suchlauf wurde das Gelände gegenüber des Baubetriebshof für einen Ersatz ausgewählt. Man hatte auch andere Grundstücke untersucht, doch hier waren unter dem Strich die Voraussetzungen noch am besten.

1. Gute Anfahrbarkeit: Das Grundstück ist schnell erreichbar, liegt für die Bürger aus Rindelbach und Eggenrot deutlich näher als der Schießwasen.

2. Gute Topografie: die Hanglage ermöglicht es, Container so zu platzieren, dass sie befüllt werden können, ohne vorher Treppen zu steigen wie am Schießwasen. 

3. Wenig Lärmbelästigung: das Grundstück ist von Wohngebäuden so weit entfernt, dass etwa vom Einwurf in Altglascontainer keine Belästigung zu erwarten ist.

4. Das Grundstück gehört der Stadt und war zuletzt ungenutzt. Die Entscheidung des Gemeinderats fiel also auch im Sinne einer sinnvollen Verwendung von Steuergeld.

Freilich hat der Standort auch Nachteile: es musste eine Abbiegespur gebaut werden und es waren elf Lindenbäume im Weg. Die wurden nun gefällt, was manche Bürger bedauern.

"Da blutet das Herz", schreiben Ulf und Heidemarie Breitländer, die sich noch erinnern, wie der „Rotary Club Ellwangen“ auf Anregung von Altoberbürgermeisters  Dr. Schultes diese Lindenallee gespendet und gepflanzt hat.

"Die Allee hätte geschützt werden müssen", sagt Breitländer, der zuvor in mehreren Mails an die Stadt versucht hatte, den Wertstoffhof an dieser Stelle und das Fällen der Bäume zu verhindern.

"Die gesamte freie landwirtschaftliche Fläche eröffnet einen wunderbaren Panoramablick auf die Stadt Ellwangen. Es wäre ein Jammer, wenn der Wertstoffhof hier Realität werden würde. Der Wertstoffhof gehört überhaupt nicht an diese Stelle, sondern in das Industriegebiet", schrieb er und argumentierte mit Naturschutz und den Eidechsen, die in der einstigen Sandgrube heimisch seien.

"Die Standortfrage wurde nach längerer Diskussion und Abwägung so vom Gemeinderat und der Verwaltung getroffen", teilte ihm Oberbürgermeister Michael Dambacher mit.

Letztlich zeigt dieses und nahezu jedes andere Bauprojekt eines sehr klar: es gibt keine schmerzlosen Eingriffe mehr. Weil es Flächen ohne Natur praktisch nicht gibt, selbst auf dem Kasernengelände, ein häufig zitiertes Beispiel für die Nutzung einer bereits versiegelten Fläche, stehen alte Bäume, leben Tiere und Pflanzen, die schützenswert wären. Jede kommunale Planung ist ein ständiges Abwägen zwischen dem Nutzen, den das Projekt den Menschen bringt und dem Schaden, den es anrichtet, weil dabei Natur zerstört wird. Dass darüber diskutiert wird ist richtig und wichtig.

 

 

 

 

Die Lindenallee entlang der L1060 am Spitalhof wurde vor 40 Jahren gepflanzt.

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