Das Gedächtnis einer Stadt

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"Wir Albrecht von Gottes gnaden Abbt des Gotshuße ze Elwangen..." beginnt die älteste Urkunde, die im Stadtarchiv verwahrt wird, die so genannte "U1". Sie datiert ins Jahr 1389 und beschreibt ein Lehen.
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Was das Stadtarchiv einmalig macht und was den Kalten Markt mit dem Heidelberger Schloss verbindet.

Wir haben hier die Antworten auf ungestellte Fragen.“

Christoph Remmele , Stadtarchivar
  • Das Ellwanger Stadtarchiv im Überblick
  • In zwei großen Magazinräumen befindet sich das Gedächtnis der weltlichen Verwaltung auf gut 500 laufenden Regalmetern, dazu noch etwa 250 Meter Registratur und 50 Meter Bibliothek zur Lokalgeschichte. Die älteste hier verwahrte Urkunde stammt aus dem Jahr 1389, etwa 50 Prozent der Bestände stammen aus der Zeit zwischen 1900 und 1950.
  • Tiefe Lücken riss der 30-jährige Krieg, aus der Zeit davor sind nur noch rudimentäre Archivale vorhanden. Das Archiv befand sich mit Ausnahme des Zweiten Weltkriegs, als es in einem Luftschutzraum und kurz danach in der Buchenbergschule war, immer im Rathaus. Dieses zog allerdings mehrmals um, vom heutigen Landgericht am Marktplatz in die heutige Musikschule und schließlich ins heutige Rathaus, dem ehemaligen Spital.

Ellwangen

Tief unter dem Rathaus sind wir, in den ehemaligen Kellern des alten Spitals. Die Luft allerdings ist sehr angenehm, 20 Grad und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. „Die Bedingungen sind hier sehr gut, das Klima herrscht konstant das ganze Jahr“, erklärt Stadtarchivar Christoph Remmele. Beim Umbau des Gebäudes 1989 wurde die Archivfunktion mit berücksichtigt. In klassischen verfahrbaren Schränken lagern hier in säurefreien Pappboxen unzählige Schätze.

Ein Archiv ist natürlich keine Bibliothek, auch wenn es ebenso die wichtige Aufgabe erfüllt, Wissen und Informationen aufzubewahren und zugänglich zu machen. „Der Unterschied liegt darin, dass in einem Archiv Unikate hinterlegt sind, während in einer Bibliothek in der Regel publizierte Bücher oder Abschriften lagern“, erklärt Remmele.

Im Falle des Ellwanger Stadtarchivs gibt es aber eine Besonderheit, da sie neben dem weltlichen Gedächtnis der Stadt auch eine bedeutende Sammlung an lokalgeschichtlicher Literatur beinhaltet. Dazu gehören neben umfangreichen Werken über Burgen und Klöster auch unter anderem barocke „Hofhandbücher“, in denen das „Who-is-who“ der jeweiligen herrschenden Fürsten und Monarchen im deutschsprachigen und internationalen Raum verzeichnet ist.

Die „U1“, also älteste Urkunde, die hier verwahrt wird, datiert auf den 5. November 1389 zurück und beschreibt ein kleines Lehen, das der Benediktinerabt Albrecht weiter verlieh.

Blick ins Archiv

Anschaulich wird der Wert des Ellwanger Stadtarchivs bereits beim Herausgreifen eines beliebigen Bandes, wie etwa dem Band A IV 15/2 aus dem Bereich Wirtschaft und Gewerbe. Dieser behandelt Protokolle und Aufzeichnungen zum Kalten Markt aus den Jahren 1671 bis 1785. Unter dem Jahr 1689 ist beispielsweise vermerkt, dass der Pferdemarkt, der sonst zum Kalten Markt abgehalten wurde, ausnahmsweise im März stattfand, „nachdem der jüngst vergangene Kalte Markt durch Truppenvorbeimarsch und Einquartierung stark beeinträchtigt worden ist“.

Hierbei handelte es sich um kein geringeres Ereignis als den Pfälzer Erbfolgekrieg, in dessen Zuge die Truppen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. im süddeutschen Raum schwere Verwüstungen anrichteten. Sie drangen bis zur Linie Bad Mergentheim, Schorndorf und Ulm vor, ehe sie von einer kaiserlich-habsburgischen und kurfürstlichen Allianz zum Rückzug gedrängt wurden und bei ihrem Abzug unter anderem im März 1689 das Heidelberger Schloss niederbrannten. Ellwangen war im Geschehen mittendrin; am 22. August 1689 wurde der kaiserliche Generalfeldzeugmeister Ludwig Anton von der Pfalz-Neuburg zum Ellwanger Fürstpropst gewählt.

Solche Querverbindungen aus Randnotizen sind es, die Geschichte greifbar und lebendig machen. Und im Ellwanger Archiv gibt es davon unzählige.

„Wir haben hier die Antworten auf ungestellte Fragen“, verdeutlicht Remmele. Die meisten Anfragen an das Archiv richten sich heutzutage in Richtung Ahnenforschung und Grundstücksfragen. Die älteste Flurkarte ist von 1829, der älteste Stadtplan des Landesbaumeisters Arnold Friedrich Prahl ist von 1747.

Und seine Lieblingsstücke? „Das kann man so nicht sagen, aber die barocken Ratsprotokolle haben es mir sehr angetan. Sie enthalten sehr viel Information auf wenig Raum.“ Das wird im Stadtarchiv sehr anschaulich: Ein Band mit den Ratsprotokollen von 1701 bis 1709 nimmt in etwa genau so viel Raum ein, wie die aktuelle gedruckte Sitzungsvorlage zur Erweiterung des Ellwanger Gewerbegebiets Neunheim IX.

Gut 500 laufende Meter umfasst das Archiv der Stadt Ellwangen, das tief unter dem Rathaus in bestens klimatisierten Räumen das Gedächtnis der Stadt aufbewahrt. Archivar Christoph Remmele kennt die Schätze genau. Sie umfassen historische Steuerlisten, Gut

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