Das Glück im Ellwanger Museum finden

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In Ochantes Retablos wird kräftig musiziert.
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Das Sieger-Köder-Museum zeigt ganz besondere Krippen aus aller Welt.

Ellwangen. Die neue Krippenausstellung der Stiftung Sieger Köder Museum Ellwangen ist bereit für ihre Eröffnung: Fragt man Annette Bezler aus dem Vorstandsteam: Ist ein ganz besonderes Stück dabei? Dann lautet ihre Antwort. „Sie sind alle besonders.“

Wer durch die Sonderausstellung zwischen den Werken des Krippenfans Sieger Köders bummelt, dem wird klar: Sie hat recht. Jede der zahlreichen Krippen aus aller Welt, die Annette Bezler mit einem Jahr Vorbereitungszeit ausgesucht und zusammengetragen hat, ist besonders..„Kann man da von Glück reden?“ ist das Leitthema. „Ein ganz aktuelles“, sagt Bezler. „Für die Eltern geschieht etwas Wunderschönes mit der Geburt ihres Kindes.“ Aber die Situation ist vielleicht eine Schwierige. Die Geburt auf einem Flüchtlingsschiff? Im Kriegsgebiet? Mit der Frage nach dem Glück wolle sie die Besucher nur ein wenig anschubsen. „Gedanken machen darf sich ruhig jeder selbst.“ Und die vielen Eindrücke der ganz unterschiedlichen Krippen - Leihgaben aus Museen und von Privatleuten - aufnehmen. Eine ganz „Normale“ würde Bezler nicht ausstellen: „Dafür brauchen die Leute ja nicht extra ins Museum.“ Ihr Anspruch: „Sie muss typisch sein für ihr Land oder die Probleme des Landes.“ So könne man aus ganz verschiedenen Sichtweisen auch auf Weihnachten schauen.

Gleich im Foyer empfängt eine Nazarener Krippe, um 1850 in Italien entstanden. Maria und Josef wirken erschöpft. Nebenan steht ein französisches Kindchen aus derselben Zeit, in einem verspielten Paradiesgärtchen. Dann ist da eine lebendige, südfranzösische Szene mit 197 winzigen Figürchen, wo aus dem Fenster gerufen und Blumen eingekauft werden. In der südkoreanischen Krippe sind die Stoffe edel und Maria geschminkt. Die norwegische Glaskrippe prägen klare Formen und strahlendes Blau. Gegenüber das kleinste Ausstellungsstück: eine winzige Krippe, aus einem Kirschkern geschnitzt.

Ein echter Zeitzeuge ist die Krippe, die 1944 im Kessel von Stalingrad gefertigt wurde. Mit einem einfachen Essbesteck. Ein paar Meter weiter: eine Krippe eingebettet und liebevoll ausstaffiert mit Wurzeln, Moos und Zweigen in spanische Ruinenromantik. Daneben wunderschön aus Olivenholz Geschnitztes von palästinensischen Christen und dann ein Flohmarktfund, Annette Bezlers Lieblingsstück: eine detailliert ausgearbeitete Engelskrippe, die an das alte Innsbruck erinnert. Mit einem frechen Engel, der Passanten mit einem Schneeball bewirft.

Zu entdecken gibt's eine sehr reduzierte Bauhauskrippe, einen Schöpfungswirbel aus Fischen und Vögeln, Schimmern und Glitzern aus Polen, ausdrucksstarke Gesichter der Szopka, wie bei dem Shipibo-Stamm am Amazonas dem kleinen Jesus ein Pumakind als Geschenk gebracht wird. Wer sich verzaubern lässt von handgeschnitzten, kantigen Hirtengesichtern oder der liebevollen Maria, die fast schon eins ist mit ihrem neugeborenen kleinen Schatz, der kann vielleicht sogar die Frage „Kann man da von Glück reden?“ für sich an diesem Museumsnachmittag mit „Ja“ beantworten. Ein Versuch wär's wert. Panja Tillmann-Mumm

Geöffnet ist die Ausstellung im Sieger-Köder-Museum ab diesem Samstag, 27. November bis 30. Januar 2022 zu den üblichen Öffnungszeiten täglich außer montags von 14 bis 17 Uhr, am Wochenende von 10.30 bis 17 Uhr. Führungen sind nach Anmeldung unter Telefon (07961)3250 möglich. Im Museum gelten die aktuellen Corona-Regeln. Geschlossen ist die Ausstellung vom 30. Dezember bis 1. Januar.

Mehr Bilder sehen Sie online unter www. schwaepo.de und www.tagespost.de

In Ochantes Retablos wird kräftig musiziert.
Ein Retablos mit fulminantem Schöpfungswirbel.
Eine Krippe aus Mali, gefertigt aus Spraydosen von Insektenbekämpfungsmitteln.
Der Shipibo-Stamm bringt dem kleinen Gottessohn ganz besondere Geschenke.
Bambus war das Baumaterial für die Krippe aus Ruanda.
Annettes Bezlers Lieblingsstück: eine Engelskrippe und vielen schönen Details.

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