Das vergessene Fünfmühlental

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Jürgen Lang, Ortsvorsteher Albert Schiele und Konrad Kugelart vor den Gebäuden der Rotenbacher Ölmühle ( v. li.).
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Wie der Ellwanger Heimatforscher Konrad Kugelart der wechselvollen Mühlengeschichte im Rotenbachtal nachspürte.

Ellwangen-Rotenbach

Der Rotenbach mit seinem idyllischen Tal ist heutzutage ein Landschaftsschutzgebiet. Er hat seinen Ursprung am Fuße des Hohenbergs und mündet etwa zehn Kilometer weiter südwestlich in der gleichnamigen Ortschaft Rotenbach bei Ellwangen in die Jagst.

Was heute fast in Vergessenheit geraten ist: Fünf Mühlen reihten sich einst mit ihren Mühlweihern wie Perlen an einer Kette an dem Bachlauf von der Quelle bis zur Mündung aneinander. Ihre Spuren lassen sich teils heute noch erkennen, andere sind nur noch Geschichte.

Durch heute anders verlaufende Verkehrswege und Nutzungsarten sind auch die Zusammenhänge der Mühlen als solche kaum wahrnehmbar. Konrad Kugelart, Ellwanger Heimatforscher, machte sich deshalb auf die Suche in Ellwangens Westen und spürte der Bedeutung des Rotenbachtals und seiner Mühlen für die wirtschaftliche Entwicklung der Abtei Ellwangen nach.

Die Mühlen dienten dem Kloster und der späteren Fürstpropstei zunächst als Verarbeitungsstätten für Getreide, Holz, Leinen, Flachs. Sogar erste Versuche zur Stahlerzeugung fanden hier statt, allerdings wegen der geringen Schmiedeeleistung nur mit mäßigem Erfolg.

Der Rotenbach selbst ist bis heute ein nur schwach fließendes Gewässer, entsprechend waren die Mühlen nicht besonders leistungsstark und mussten durch Stauweiher unterstützt werden. Sie erzeugten so immerhin bis zu 3 PS für einen Arbeitstag. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ihre Wirtschaftlichkeit schließlich infrage gestellt und die Wasserkraft teils durch Dampfmaschinen und später Strom ersetzt.

Die Kunstmühle Rotenbach erlebte noch ab 1909 eine Nutzung als Elektrizitätswerk, das Rotenbach, Schrezheim und Espachweiler mit Strom versorgte, ehe es 1929 den Dienst einstellte.

In der ehemaligen Klapperschenkel-Mühle, heute Griesweiler, wird hingegen seit mindestens 1746 bis heute Holz gesägt. Die Familie Salat betreibt das dortige Sägewerk durchgängig seit 1876. Die Wasserkraft wich zunächst einer Dampfmaschine, später der Elektrizität. Der Weiher wurde 1968 aufgegeben.

Es gab erste Versuche zur Stahlerzeugung.

Konrad Kugelart Heimatforscher

Glassägemühle und Weiher: Die 1429 erstmals erwähnte Glassägemühle ist heute ein Wohnhaus. Benannt wurde sie nach dem damaligen Besitzer, dem Landwirt Heinz Glasbrunner, zu dessen Hof in Altmannsweiler die Mühle gehörte. 1918 wurde das Getreidemahlwerk eingestellt, 1920 das Sägewerk. An der Stelle des Mühlenweihers baute der Wasserverband Obere Jagst 1960 ein Regenrückhaltebecken, den 360 000 Kubikmeter Wasser fassenden heutigen Glassägweiher.

Bahnmühle: In der Nähe stand schon früher eine Mühle. 1734 neu erbaut und ursprünglich als "Neu Mühle" und "Bannmühle" bezeichnet, stellte sie 1919 den Betrieb ein. Auch sie ist als Wohnhaus bis heute erhalten. Eine gusseiserne Ofenplatte zeugt noch vom Datum ihrer Erbauung. Zudem trägt die dortige Straße ihren Namen.

Ensemble Ölmühle: Am deutlichsten ist heute noch die Ölmühle im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Das Mühlenareal steht heute unter Denkmalschutz. Zu der Ölmühle gehörten laut dem "Urbar" von 1341, einem Güterverzeichnis des Ellwanger Abts Kuno II, der Langweiher und Kreßweiher, die heute beide nicht mehr existieren. Bis 1841 ist sie noch als "Gypsmühle" verzeichnet, das heißt, dass hier ursprünglich Gips erzeugt wurde. Der Keuper des Rotenbachtals lieferte hierfür den Rohstoff. Nachdem der Abbau der Lagerstätten erschöpft bzw. unrentabel wurde, findet sich in den Akten der Stadt Ellwangen ein Antrag auf eine Baugenehmigung zur Umwidmung als "Oel- und Mahlmühle mit einer Wasserstube und eine Radstube sowie eine Sägemühle. Im Anbau ein Viehstall und Backhaus sowie ein Schweinestall und Hofraum. Die Güterfläche beträgt 12-2/8 Morgen und 67 Ruten".

Der Kreßweiher soll 1856 abgelassen worden sein. Nach der Ölmühle durchfließt der Rotenbach das Gelände des ehemaligen Langweihers, der auch der Kunstmühle Rotenbach als Wasserspeicher diente, und zu Beginn des 19. Jahrhunderts trocken fiel. Auf dem ehemaligen Damm stehen heute Wohnhäuser der Ortschaft Rotenbach.

Rotenbacher Mühle: Die erste Erwähnung einer Getreidemühle fand Kugelart im Urbar von 1337. 1341 ist zudem eine angeschlossene Sägemühle erwähnt. Der Name "Kunstmühle" leitet sich wohl davon ab, dass in Rotenbach auch eine Waffen- und Kupferschmiede angesiedelt war, die einen Schmiedehammer über ein Wasserrad betrieb.

1878 findet sich eine Zeitungsannonce: "Kleien u. Futtermehl ist fortwährend zu haben bei Müller J. Funk, Rotenbach". Diese Mühle wurde durch Funk 1909 in ein Elektrizitätswerk zur Gleichstromerzeugung umgewandelt mit 2,5 PS Leistung. Kugelart spürte einen Stromliefervertrag zwischen dem Kunstmüller Josef Funk und Schrezheim und Espachweiler auf. 1915 geht das Gleichstromwerk Josef Funk an die Überlandwerk Jagstkreis.

1921 wird das Schmiedewerk eingestellt, 1935 wurde der Mühlweiher trockengelegt und im ehemaligen Weiher ein Haus errichtet.

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Die Klapperschenkelmühle um 1940. Der Sägweiher wurde auch zum Baden benutzt und war ein beliebtes Ausflugsziel. Der Weiher wurde 1968 abgelassen. Archivfoto: privat

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