Den Geist der Versöhnung weitertragen

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Der Musikverein Rattstadt spielte zu Beginn der Wallfahrt vor der Schönbergkirche. Foto: AK
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Auf dem Schönenberg kommen Heimatvetriebene zusammen. Bischof. Dr. Bertram Meier predigte.

Ellwangen. Im Zeichen der Begegnung mit Ostmittel- und Südosteuropa stand die 72. Wallfahrt der Heimatvertriebenen und Aussiedler am Sonntag auf dem Schönenberg. Als Hauptzelebrant sprach Bischof Dr. Bertram Meier aus Augsburg bei der Eucharistiefeier in der gut besuchten Kirche. 

Die Vertriebenen-Wallfahrt hat an Anziehungskraft verloren. Dennoch nahmen wieder viele Heimatvertriebene, beispielsweise aus Tschechien, aus Böhmen, Mähren, Karpatendeutsche und Schlesier an der Feierlichkeit teil, die seit Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil im Veranstaltungskalender der Stadt ist.

Nach dem Vortrag des Musikvereins Rattstadt begrüßte Oberbürgermeister Michael Dambacher vor dem Portal der Wallfahrtskirche die Gäste im Namen der Stadt und dankte den Wallfahrern für ihr Kommen. „Die Menschen pilgern zum Schönenberg schon seit über 100 Jahren, um an ihre verlorene Heimat zu erinnern. Die Wallfahrt steht symbolisch für den Erhalt des Friedens und der Verständigung der Völker untereinander. Der grausame Ukraine-Krieg führt jedem vor Augen, welche Bedeutung der Begriff Heimat hat und wie wichtig sie ist.“ Abordnungen verschiedener Regionen zogen im Anschluss mit Standarten und zum Teil in Tracht in die Kirche ein und verliehen der Wallfahrt festlichen Glanz. 

Dekan Matthias Koschar aus Tuttlingen rief in der Schönenbergkirche dazu auf, dass die Vertriebenen einen völkerversöhnlichen Umgang pflegen müssen, um so die immer noch nicht ausgeheilten Wunden zu heilen. 

Bischof Dr. Bertram Meier aus Augsburg hielt nach der liturgischen Eröffnung die Predigt. „Diejenigen, die damals die Flucht und Vertreibung selbst erlebten, haben sich damals vor eine ungewisse Zukunft gestellt gesehen, die sie jedoch trotz aller Beschwernisse meisterten. Sie haben sich eine neue, blühende Heimat gegeben.“ Der tiefe Glaube an Gott und die Mutter Gottes habe die Menschen während dieser Zeit getragen. „Es ist schön zu sehen, dass sich der Geist der Versöhnung nun auch auf die jüngere Generation übertragen hat“, befand der Bischof.

Danach entzündete Bischof Dr. Bertram Meier symbolisch Kerzen, die von den Heimatvertriebenen in der Kirche vorgebracht wurden, in Gedenken an die verschiedenen Heimatregionen. Bei der Glaubenskundgebung sprach danach Professor Rainer Bendel von der Uni Tübingen. Er griff die Inhalte der Predigt des Vertriebenen-Bischofs Maximilian Kallers auf, die er an Pfingsten 1945 hielt. „Kaller ging damals dezidiert auf die Sorgen und Nöte der vertriebenen Katholiken ein und nahm sie ernst. Die Vertreibung deutete er als ein Art von Prüfung, als Krisis, die man auch als Chance begriffen habe.“            

Die Eucharistiefeier wurde kirchenmusikalisch vom Schülerchor und Orchester des Cyril-Method-Gymnasiums aus Brünn gestaltet. Achim Klemm

Mehr Bilder von der Vertriebenen-Wallfahrt finden Sie unter: www.schwaepo.de  

Bischof Dr. Bertram Meier hielt die Predigt. Foto: AK
Bischof Dr. Bertram Meier entzündete symbolisch Kerzen in Gedenken an die Vertriebenen-Heimatregionen. Foto: AK
Der Schülerchor des Cyril-Method-Gymnasiums aus Brünn umrahmte die Eucharistiefeier muskalisch. Foto: AK
Dekan Matthias Koschar, Bischof Dr. Betram Meier und Pfarrer Dr. Martin Leitgöb (von links) bei der Gabenbereitung. Foto: AK
Bischof Dr. Bertram Meier aus Augsburg (Bildmitte) und Oberbürgermeister Michael Dambacher (rechts) begrüßten die Wallfahrer vor dem Haus Schönenberg. Foto: AK
Die Ministranten und Geistlichen bei der Einzugsprozession in die Schönenbergkirche. Foto: AK
Der Musikverein Rattstadt. Foto: AK
Die Heimatvertriebenen-Wallfahrer bei der Einzugsprozession in die Schönenbergkirche. Foto: AK
Die Heimatvertriebenen-Wallfahrer bei der Einzugsprozession in die Schönenbergkirche. Foto: AK
Mit Standarten zogen Heimatvertriebenen-Abordnungen in die Schönenberg-Wallfahrtskirche ein. Foto: AK
Mit Folklore und Tracht: Die Heimatvertriebenen in der Schönenbergkirche. Foto: AK
Bischof Dr. Bertram Meier hielt die Predigt. Foto: AK

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