Den Opfern ihre Würde zurückgegeben

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37 Schülerinnen und Schüler von Peutinger Gymnasium, Hariolf Gymnasium, Schule St. Gertrudis, Eugen-Bolz-Realschule, Mittelhofschule, Buchenbergschule und Konrad-Biesalski-Schule hatten in Projektarbeit fünf Ereignisse untersucht und vorgestellt.
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Der Nationale Gedenktag wird zum 23. Mal von Schülerinnen und Schülern der Ellwanger Schulen als eindringliche und würdige Veranstaltung begangen.

Ellwangen

Er kenne keine Stadt vergleichbarer Größe, in der man den Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, so tiefschürfend und umfassend begehe, wie in Ellwangen, meinte am Mittwoch Oberbürgermeister Karl Hilsenbek mit berechtigtem Stolz in der Mensa des Peutinger Gymnasium. Die Würde des Menschen sei der Kit, der eine Gesellschaft zusammen halte. Wenn diese Würde missachtet wird, zerbröselt er immer mehr, bis irgendwann alle Hemmungen fallen.

Das sei in der NS-Zeit geschehen, als die Opfer in den Augen ihrer Peiniger nur noch Ungeziefer waren. Es sei die gemeinsame Verantwortung aller, sich heute für die Achtung der Menschenwürde einzusetzen. Sie erwachse aus dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte.

Zahlreiche Besucher, Schüler wie Repräsentanten von Behörden, Schulen und Gesellschaft, erlebten einmal mehr eine von Schülern erarbeitete Veranstaltung, die tief schürfte und die Abgründe menschlichen Handelns sichtbar machte.

Unter dem Leitmotiv "Würde" hatten 37 Neuntklässler der Ellwanger Schulen und der Konrad Biesalski Schule (Wört) Schicksale und Ereignisse aus Ellwangen und der Umgebung erforscht. Unterstützt wurden sie dabei von Schülerguides aus der Oberstufe und von Geschichtslehrern, die wiederum auf das Archiv des Ellwanger Friedensforums zurückgreifen konnten.

Die fünf Buchstaben des Wortes Würde standen für:

  • Den jüdischen Friedhof und die jüdische Gemeinde in Ellwangen.
  • Den jüdischen Schüler am Ellwanger Gymnasium, Erich Levi.

Die Vorkommnisse von damals sind bis heute unerträglich.

Stella Herden Rektorin
  • Die Rabenhof-Pfleglinge, die Opfer der Euthanasie-Aktion "T4" wurden.
  • Die Zwangsarbeiterin Eugenia Rossamacha, die in der "Ausländerkinderpflegestätte" Gantenwald bei Bühlerzell, wo unerwünschte Babys zu Tode gehungert wurden, entbinden musste und dabei starb.
  • Die Opfer des Hessentaler Todesmarsches.

Die Jugendlichen betrachteten die historischen Ereignisse mit Empathie für die Opfer, formulierten Briefe, inszenierten Fotos und dachten sich Szenen aus. Sie zogen Schlüsse, wie man auf Ereignisse der Gegenwart angemessen reagieren kann.

Die Rektorin Stella Herden dankte den Schülerinnen und Schülern, den Schülerguides und den beteiligten Kollegen, ganz besonders Patrik Lutz, der den Gedenktag federführend vorbereitete, und Gerhard Stock, der die Ergebnisse der fünf Projektgruppen in eindringlichen Bildern festhielt. "Die allermeisten unserer Schüler haben keinen Bezug mehr zu der Zeit der NS-Diktatur, weil ihre Großeltern oder Urgroßeltern, die dies noch erlebten, schon gestorben sind." Um so wichtiger sei es, weiter daran zu erinnern, "...weil die Vorkommnisse von damals bis heute unerträglich sind."

Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung von eine Streichergruppe unter Leitung von Felix Riesterer und vom Chor unter Leitung von Tanja Gold-Hagel.

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