Der Ellwanger Handel und das Internet

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Dienstag um die Mittagszeit in der Spitalstraße, kein Mensch ist zu sehen: Der Einzelhandel liegt still, auch wenn manche Click und Collect anbieten. Gegen den Internethandel sträuben sich viele Händlerinnen und Händler.
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Der Lockdown lähmt den stationären Einzelhändler, während der Internethandel boomt. Trotzdem lässt der Wandel auf sich warten.

Ellwangen

Der zweite Corona- Lockdown geht in den fünften Monat und noch immer ist völlig offen, wann die Einzelhändler wieder öffnen dürfen. Im Gegensatz zu den großen Filialisten haben nur wenige inhabergeführte Geschäfte in Ellwangen einen Webshop, über den sie auch im Lockdown Umsätze generieren könnten.

Daniel Bruder vom Ellwanger Mode- und Bettenhaus sieht im Internet keine Chancen für sein Geschäft. Ein Web-Shop bedeute vor allem gigantischen Aufwand, enorme Kosten und viel Ärger mit Rückläufern. Er sagt: "Ich befasse mich mit den Kunden, die das Kaufen im Internet ablehnen. Da habe ich meine Nischen und damit fahre ich ganz gut."

Ganz ähnlich denkt Rainer Horlacher vom Ellwanger Hemdenhaus. Sein Unternehmen ist zwar im Internet präsent, wirbt auch über verschiedene Kanäle und macht Umsätze über Click and Collect. Aber einen Webshop lehnt er ab: "Den letzten Meter zum Kunden geben wir nicht aus der Hand", sagt er und ist überzeugt, dass der Internethandel für Mode den Zenit überschreiten wird. Er glaubt an das individuelle Kauferlebnis. Anfassen, anprobieren, Beratung seien nicht zu ersetzen.

Auch Thomas Baders Musikhaus kommt ohne einen Webshop aus. Die Kunden auf Schnäppchenjagd seien nicht sein Klientel, sagt er und setzt auf die, denen der Servicegedanke wichtig ist, die das Instrument dort kaufen, wo man es später bei Bedarf zur Reparatur geben kann.

Gibt es wirklich eine Zukunft für den lokalen Einzelhandel, ganz ohne den Internetverkauf? Am Ellwanger Kreisberufsschulzentrum (KBSZ) werden seit 2019 Kaufleute im E-Commerce ausgebildet. Dieser duale Ausbildungsgang sollte eigentlich das Know-how auch in die kleineren Betriebe bringen, damit diese sich zukunftsfähig aufstellen können. Doch unter Ausbildern der aktuellen Absolventen sind die Kleinen kaum vertreten, betont Elisabeth Hägele vom Fachbereich E-Commerce am KBSZ. Vor allem große Versandhändler wie Betzold, Click-Konzept, Akon bilden Kaufleute im E-Commerce aus. Und auch Banken, Energieversorger und kommunale Unternehmen.

"Dabei könnten gerade die kleinen Fachgeschäfte vom Internet profitieren", glaubt Elisabeth Hägele. Die Lehrerin ist überzeugt, dass Kompetenz im Internet darüber entscheidet, ob ein Einzelhandelsgeschäft zukunftsfähig bleibt.

Ihre Schülerinnen und Schüler lernen wie ein Web-Shop funktioniert, welche Zahlungsmöglichkeiten wichtig sind, wie Lagerbuchhaltung und Web-Angebot verknüpft werden. Sie lernen Onlinemarketing, Kundenkommunikation, Suchmaschinenoptimierung und wie man Plattformen wie Amazon, Ebay, Zalando für sich nutzt und viele Rückläufer verhindert. "Wer E-Commerce kann, ist auch im klassischen Einzelhandel firm. Doch wer klassischen Einzelhandel gelernt hat, kann noch kein E-Commerce", sagt sie.

Gerade die kleinen Fachgeschäfte können vom Internet profitieren.

Elisabeth Hägele Kreisberufsschulzentrum

Und trotzdem werden derzeit am KBSZ noch mehr klassische Einzelhandelskaufleute ausgebildet als Kaufleute im E-Commerce.

Ein Blick in die Spitalstraße am Dienstagmittag: Aufgrund des Lockdown sind keine Menschen unterwegs. Doch die Leerstände zeigen an, dass auch ohne Corona ein tiefgreifender Wandel im Gange ist. Das Ladensterben und die damit einhergehende Verödung von Innenstädten sind Realität und am KBSZ sucht man nach Lösungen, diese Entwicklung aufzuhalten.

Anton Traub und Sebastian Blank unterrichten dort und setzen auf Modelle, die stationären Handel und Web-Shop kombinieren. Sie kennen gute Beispiele dafür, auch in Ellwangen. Das Internet sei heute einfach unverzichtbar, um Geschäfte zu tätigen und für das Marketing.

Schulleiter Peter Lehle verweist auf die Entwicklung bei den Apotheken, die sich lange gegen Onlinehandel wehrten: "Mittlerweile hat fast jede Apotheke einen Web-Shop."

Verkaufen mit hallo-ostalb.de

Die Ellwanger Citymanagerin Verena Kiedaisch sieht Zukunftschancen für den lokalen Einzelhandel. Sie verweist auf den regionalen Marktplatz www.hallo-ostalb.de, wo man mit der Aktion "Zukunft schenken" beispielsweise Einkaufsgutscheine für Einzelhandel und Gastronomie in Ellwangen, Aalen, Schwäbisch Gmünd kaufen kann. Jetzt laufe die Akquise für den Webshop an. Kiedaisch: "Einzelhändler können dort ihre fünf Top-Produkte kostenlos verkaufen." Und es gibt weitere Ideen. Im Ellwanger Rathaus werde bereits über einen lokalen Lieferdienst nachgedacht.

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