Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab

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In der LEA Ellwangen sind die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen.
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    Gerhard Königer
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1030 Menschen sind aktuell in der LEA Ellwangen untergekommen. Die Einrichtung ist damit deutlich über der Kapazitätsgrenze. Leiter Berthold Weiß ist dennoch optimistisch.

Ellwangen

Die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes (LEA) sind mit Geflüchteten aus der Ukraine und Asylbegehrenden voll belegt. Im Schnitt kommen täglich rund 240 Personen pro Tag in der Erstaufnahme des Landes an. Damit ist bereits Wochen vor der erfahrungsgemäß zugangsstarken Herbstsaison die Kapazitätsgrenze erreicht.

Allein in den vergangenen sieben Wochen hat sich der durchschnittliche Zugang ukrainischer Geflüchteter mehr als verdoppelt. Hinzu kommt allein bei den Asylsuchenden der höchste Halbjahreszugang seit 2016. So die Zahlen aus dem Ministerium.

Ukraine-Flüchtlinge werden künftig schneller weitergeleitet

Das Landesministerium der Justiz und für Migration, Landkreistag, Städtetag, Gemeindetag und die Regierungspräsidien haben sich auf weitere Maßnahmen zur Aufnahme von Flüchtenden verständigt. Eine dabei: Ukraine-Flüchtlinge sollen schneller, am besten bereits nach wenigen Stunden, die LEA verlassen und auf Land- und Stadtkreise verteilt werden, wo auch deren Registrierung erfolgen soll.

Parallel dazu sollen auf allen Ebenen zusätzliche Flüchtlingsunterkünfte und kurzfristig Notunterkünfte, wie etwa in Sporthallen, geschaffen werden.

1030 Menschen in der LEA

Insgesamt hat Baden-Württemberg seit Kriegsbeginn im Februar 2022 rund 120.000 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen. Hinzu kommen im Jahr 2022 bislang weitere rund 15.000 Asylsuchende. Die Situation in der LEA in Ellwangen spiegelt das Gesamtbild wider, wie deren Leiter Berthold Weiß im Gespräch mit der SchwäPo bestätigt. Stand Freitag, 26. August, sei die LEA Ellwangen mit 1030 Personen voll belegt. Jedes der Unterkunftsgebäude sei mit „200 plus“ ausgelastet, sagt Weiß.

Aktuell stammten rund 400 Bewohner aus der Ukraine, rund 400 Menschen aus Syrien, etwa 100 aus palästinensischen Autonomiegebieten und der Rest aus verschiedensten Ländern, wie der Türkei oder dem Irak, informiert Weiß.

Die Halle 91 habe in den vergangenen Wochen als Unterkunft für Menschen gedient, die im Rahmen von Entlastungstransfers  aus anderen LEA kommen. „Über 300 Leute am Tag waren das manchmal“, sagt Weiß. Parallel dazu hat die Stadt Ellwangen der LEA eine Sporthalle auf dem Gelände zur Verfügung gestellt, bedankt sich Weiß. Hier seinen 40 Menschen aus der Ukraine untergebracht. „In Anbetracht einer ursprünglich geplanten Standardbelegung von 700 Personen, die im Laufe der letzten Monate jedoch auf 1.100 Personen erweitert wurde, sind wir tatsächlich voll“, sagt Weiß.

„Wir denken aber bisher nicht daran, Zelte aufzubauen“, sagt Weiß weiter. Auch wenn erfahrungsgemäß im Herbst die Zahlen weiter steigen würden. Das Netz in Baden-Württemberg mit insgesamt vier LEA und dem Ankunftszentrum in Heidelberg sei stabil, die Kooperation sehr gut, neue Plätze in der Messe Sindelfingen, die Reaktivierung der LEA Meßstetten – das Land sei sehr aktiv. „Auch der Ostalbkreis und die Kommunen hier leisten Vorbildliches. Vielen Dank dafür“, meint Weiß.

Wohnraum für Flüchtlinge fehlt

Ukraine-Flüchtlinge leben auf der Ostalb meist in privaten Unterkünften. Die Kapazitäten gerieten hier aber langsam an die Grenzen, stellt Weiß fest. Der Aufenthalt der Ukrainer in der LEA  – überwiegend seien es Frauen und Kinder sowie ältere, auch kranke Männer  -  dauere nun länger, weil Kreis und Kommunen Schwierigkeiten haben, weiteren Wohnraum aufzutun.

Trotz Inflation und Energiekrise, nach wie vor überwiege insgesamt die positive Haltung gegenüber den Menschen aus der Ukraine. Auch die LEA in Ellwangen werde von der Mehrheit wohl nicht als Problem, sondern als Instrument Menschen in Not wirksam und schnell zu helfen, wahrgenommen, schildert Weiß seinen Eindruck.

Herausforderungen für LEA-Team

Eine übervolle Einrichtung das bedeute eine Herausforderung für alle in der LEA Beschäftigten, da der Personalstamm nun aus dem Stand heraus quasi doppelt so viel Arbeit und Betreuung  zu erledigen habe.

„1100 Menschen unterzubringen und für einen Zeitraum dazubehalten, das schaffen wir. Herausfordernd ist es aber, täglich 50 bis 100 Menschen neu zu begrüßen und ebenso viele wieder zu verabschieden. Da müssen Räume und Betten hergerichtet werden, da will viel Organisatorisches erledigt sein“, sagt Weiß.

LEA-Privileg auf der Kippe

Ob das LEA-Privileg, das im Ostalbkreis noch bis Ende des Jahres gilt, sei noch ungewiss, meint Berthold Weiß. Klar sei ihm aber, sagt er, dass manche in seinem LEA-Team sich um ihre berufliche Zukunft sorgten und sich auch anderweitig umschauten. „Gute Leute zu finden, das ist aber auch in unserem Sektor sehr schwer“, weiß Weiß.

Mit der Ausstattung der Einrichtung ist Weiß sehr zufrieden. Für die LEA in Ellwangen habe er beim Land nie um Geld feilschen müssen, sagt er. „Wir kommen mit den uns zur Verfügung gestellten Mitteln gut zurecht“, so sein Fazit. Und ihm ist auch nicht bange vor den anstehenden, vielleicht noch größeren Aufgaben.

Das LEA-Privileg - Vorteile für die Ostalbkommunen

Die Landesregierung hat Landkreise mit einer Landeserstaufnahmestelle von der Zuweisung von Flüchtlingen zur vorläufigen Unterbringung befreit. Der Ostalbkreis hat trotzdem freiwillig immer Asylbewerber aufgenommen, auch um die bereits aufgebauten Strukturen nicht ungenutzt zu lassen. Etliche Kreisgemeinden konnten sich aufgrund des LEA-Privilegs Investitionen in die Unterbringung von Asylbewerbern sparen.

Der Ostalbkreis müsste deutlich mehr Flüchtlinge in die vorläufige Unterbringung aufnehmen als bisher, sollte das LEA-Privileg wegfallen. 3,1 Prozent der Personen, die als Asylbewerber oder über Kontingente aus Kriegsgebieten nach Baden-Württemberg kommen, werden dann dem Ostalbkreis zugeteilt. Die Quote errechnet sich aus dem Anteil an der Gesamtbevölkerung des Landes.

Im Jahre 2020 kamen insgesamt rund 7.000 Personen ins Land, der Ostalbkreis hat hiervon 126 aufgenommen. Ohne das LEA-Privileg wären es 227 Personen gewesen. gek

In der LEA Ellwangen sind die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen. In Aalen sind mittlerweile 250 Flüchtlinge gemeldet.
In der LEA Ellwangen sind die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen.

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