Der „Gundling Roadster“ fährt wieder

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Das Foto zeigt Gerhard Bischofberger mit OB Michael Dambacher vor dem Start einer kurzen Probetour.

Ein Oldtimer vor dem Ellwanger Rathaus sorgt für Staunen. Das historische Rennauto hat eine bewegte Geschichte.

Ellwangen. Die Passanten in der Ellwanger Fußgängerzone staunten vor kurzem nicht schlecht, als auf Höhe des Rathauses ein silberner Oldtimer Halt machte. Innerhalb kürzester Zeit kamen viele Motorbegeisterte und Interessenten zusammen, um das Fahrzeug näher zu betrachten und zu bestaunen. Mit „Die Karosserie hat die Eleganz eines Silberpfeils“, erinnerte einer der Betrachter an den deutschen Grand Prix Rennwagen der 30er Jahre. Bei dem Oldtimer handelte es sich aber weder um einen Silberpfeil von Mercedes, noch um ein anderes gängiges oder bekanntes Fabrikat, sondern um einen Eigenbau aus den 50er Jahren, den sogenannten Gundling Roadster. Den Namen erhielt das Fahrzeug von seinen Konstrukteuren, den Brüdern Dipl. Ing. Ernst, Siegmund und Zahnarzt Dr. Hermann Gundling, die in den Jahren 1954 bis 1956 den Wagen gebaut haben. 

Das Material für die Karosserie des Wagens - Aluminiumplatten aus dem Flugzeugbau - besorgten sie sich von einem Schrottplatz bei Augsburg, auf dem mehrere Flugzeugwracks des Zweiten Weltkrieges lagen. Die Achsen des Autos stammen von einem Fiat Topolino von 1936, während der Motor einem Ford Eifel (1948) entnommen wurde. Dieser Motor war 34 PS stark. Dank ihm soll der nur 450 kg schwere Roadster eine Spitzengeschwindigkeit von 180 km/h erreicht haben. Nach Fertigstellung wurde der Wagen auf den Zahnarzt Dr. Hermann Gundling zugelassen und von ihm auch gefahren. Nach einem schweren Unfall im Jahr 1956, bei dem das Fahrzeug abgehoben ist und sich überschlagen hat, wurde es stillgelegt und bis auf die Karosserie mit den Achsen ausgeschlachtet. 

Danach wurde es für lange Zeit still um den Roadster, bis Gerhard Bischofberger die noch vorhandenen Überreste von den Nachfahren der Familie Gundling im Jahre 1979 erwerben konnte. Er hat den Wagen in jahrelanger Arbeit rekonstruiert und restauriert. Um das Fahrzeug möglichst exakt in seinen Originalzustand zurückzuversetzen, wurden alle noch auffindbaren Teile weitgehend wiederverwertet. Die noch vorhandene aerodynamische Windschutzscheibe sowie die komplett gelochten Felgen mussten aus Sicherheitsgründen ersetzt werden, um eine Wiederzulassung zu erlangen.

Bis auf die abschließende silberfarbene Lackierung ist jetzt also alles wieder tiptop, so dass Gerhard Bischofberger den Roadster vor kurzem in der Spitalstraße präsentieren konnte. Der Roadster hat eine temporäre Zulassung, doch lässt Bischofberger das Fahren nun gemütlicher an. „Mehr als 80 km/h fahre ich nicht“, so der pensionierte Diplomingenieur und Studiendirektor. An Interessenten und an lukrativen Kaufangeboten für das aerodynamisch geformte Auto mangelt es nicht, doch möchte sich Bischofberger nicht von dem Wagen trennen. Vielmehr soll er in Zukunft bei passender Gelegenheit immer wieder in der Öffentlichkeit als ein Beispiel für den Erfinderreichtum und die Aufbruchsstimmung der 50er Jahre, die damals auch in Ellwangen herrschte, gezeigt werden.

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