Der Regen bringt Bauern Segen und Schäden

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Schwierige Getreideernte: die Gerste ist reif, doch der Mähdrescher sinkt bei den momentanen Bodenverhältnissen viel zu schnell ein.
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Starkregen, Gewitter und Hagel trifft die Landwirtschaft regional sehr unterschiedlich. Im Raum Ellwangen halten sich Schäden in Grenzen.

Ellwangen

Über einen Teil seiner Heuwiesen ist das Hochwasser hinweg, das sich kürzlich nach einem der vielen Gewitter in den Jagstzuflüssen Rotenbach und Sixenbach gebildet hat. „Das werde ich nur noch als Einstreu nutzen können“, sagt Daniel Oberdorfer, der in Rotenbach einen Milchviehbetrieb mit rund 60 Kühen betreibt. Der Landwirt hält sich mit Klagen über die vielen Niederschläge zurück, weil er weiß, dass die Natur nach mehreren extrem trockenen Jahren die Feuchtigkeit dringend braucht.

Die Grundwasserspeicher füllen sich allmählich wieder und das hilft der Landwirtschaft, wenn nicht in diesem Jahr, dann im nächsten. Daniel Oberdorfer hat „mit Ach und Krach“ vorige Woche den zweiten Grasschnitt eingefahren. Die Menge ist üppig, er könnte bald wieder mähen, weil alles so schnell wächst. „Wir haben dieses Jahr extrem kurze Erntefenster. Ein, zwei Tage und dann ist es schon wieder nass“, beschreibt er die Situation und hofft, dass in der kommenden Woche endlich das Hochdruckgebiet kommt.

Kühe und Pferde richten mit Klauen und Hufen auf den nassen Weiden Schäden an. Auch die Legehennen, die der Junglandwirt in zwei mobilen Ställen hält, kratzen das Freiland viel schneller kahl als bei Trockenheit. Letztlich sei das zu verschmerzen, man sät wieder neu an, die Grasnarbe erholt sich.

Schwieriger ist es mit dem Heu, das Oberdorfer für seine Pensionspferde benötigt. Rund sechs Hektar hat er noch stehen. Es sind überwiegend Feuchtwiesen, die erst abtrocknen müssen, bevor er mit den Maschinen ran kann. Wo das Gras unter Wasser stand ist es nicht mehr als Futter zu gebrauchen.

Auf seinen Äckern hat der Landwirt Futtergerste und Mais stehen. Beiden Kulturen nutzt der viele Regen mehr, als er schadet. Bei anhaltender Feuchtigkeit entwickelt sich zwar Pilzbefall, den man aber behandeln kann, wenn die Felder befahrbar sind.

Schäden hat der Hagelsturm am 24. Juni angerichtet, der kürzlich über Ellwangen niederging. „Der Mais ist zerfetzt, die Gerste liegt am Boden. Aber wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Oberdorfer, weil er Kollegen in der Nachbarschaft kennt, die Totalausfall hatten. Seine Kulturen erholen sich wieder, wenn es warm und sonnig wird.

Anton Wagner in Neunheim produziert Kartoffeln und Brotgetreide. Diese Kulturen reagieren empfindlicher auf anhaltendes Regenwetter. „Bei Staunässe öffnet die Kartoffel die Lentizellen zum Atmen, dann dringen Erreger ein und verursachen Fäulnis, die sich sogar nach der Ernte im Lager noch ausbreiten kann“, berichtet er. Momentan lasse sich der bereits entstandene Schaden noch nicht abschätzen. Man müsse warten bis zur Ernte, die bei den Frühkartoffeln bereits begonnen hat.

Wagner hat seine Kartoffelkulturen auf durchlässigen Böden in der ganzen Region verteilt, um die Gefahr durch Hagel und andere lokale Wetterereignisse zu minimieren. Schwierig ist es momentan vor allem in Senken, wo sich das Wasser sammelt. Dann schadet es auch dem Mais, der dann gelb wird und nicht weiterwächst.

Eines fürchten die Bauern sehr: Dass die ersehnte längere Trockenphase ausbleibt und die durchfeuchteten Böden kein Mähdrescher befahren kann. Wagner hat es vor einigen Tagen versucht, weil die Wintergerste reif ist und zwei sonnige Tage die Ernte möglich machten. Er musste den Versuch jedoch abbrechen, weil der Mähdrescher zu tief eingesunken ist.

Wenn das Getreide reif auf den feldern steht und nicht geerntet werden kann, das wäre das Schlimmste, was den Bauern passieren könnte.

Wir haben dieses Jahr extrem kurze Erntefenster.“

Daniel Oberdorfer, Landwirt
Überflutetes Kartoffelfeld nach Starkregen.
Weiße Punkte auf den Kartoffeln: in die wegen Staunässe geöffneten Lentizellen dringen Fäulnisbakterien ein.

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