Der Reitbetrieb läuft im Standby

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Auf der Koppel beim Jagsttalhof in Rindelbach: Pferde lassen sich auch im Lockdown nicht einfach einlagern wie eine Maschine, die nicht gebraucht wird.
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Auf dem Jagsttalhof gibt es wegen der Coronapandemie weder Reitkurse noch Reitunterricht. Ob die Einbußen durch staatliche Hilfen aufgefangen werden, ist unklar.

Ellwangen-Rindelbach

Anfang Januar, kurz vor dem Kalten Markt, herrscht unter Pferdebesitzern und Reitern gewöhnlich hektische Betriebsamkeit. Da werden Hufe beschlagen und Schweife gekämmt. Das Fell wird gebürstet, manchmal auch geschoren, Mähnen eingeflochten. Geschirre und Zaumzeuge werden poliert und gefettet, man übt mit den Tieren, die zur Pferdeprämierung oder für den Festumzug vorgesehen sind.

In diesem Januar wird man in Ellwangen keine Pferde sehen, der Kalte Markt ist komplett abgesagt. Kein Festzug, kein Hufgeklapper, kein Aufmarsch der Bürgergarde, kein Preisgericht, keine Kutschenparade, kein Gedränge am Straßenrand, kein Hochbetrieb in den Wirtschaften. Ein schmerzlicher Verlust, nicht nur für die Ellwanger. Der Kalte Markt ist für die Pferdefreunde aus der ganzen Region ein Bonus, ein erster Höhepunkt im neuen Jahr, ein Treffen unter Gleichgesinnten und Orientierung für künftige Aktivitäten.

Corona lähmt die Reitbetriebe schon seit Monaten und ein Ende ist gar nicht in Sicht. Wie gehen sie mit der Situation um, wer bewegt die Pferde, wenn Reitstunden und -kurse verboten sind? "Wir haben Umsatzeinbußen, ganz klar. Und es wird noch länger so weiter gehen", sagt Conny Holder vom Jagsttalhof in Rindelbach. Seit November finden überhaupt keine Reitstunden mehr statt, keine Kindergeburtstage, keine Planwagenfahrten. Zuvor schon waren die Teilnehmerzahlen an den Kursen halbiert worden.

Jetzt läuft gar kein Reitbetrieb mehr. 80 Jungen und Mädchen, Frauen und Männer kamen sonst jede Woche zum Reiten. Die Mitarbeiter müssen aber weiter bezahlt werden. Schließlich kann man Pferde nicht einlagern wie eine Maschine, die nicht gebraucht wird. Die eigenen Ponys und Großpferde, die sonst als Schulpferde in der Bahn waren, müssen trotzdem bewegt werden, geritten, longiert oder in der Führanlage laufen.

Die Pferde brauchen auch im Lockdown Bewegung

"Man kann das Kraftfutter etwas reduzieren, aber bewegen muss man die Pferde trotzdem." Und füttern, misten, putzen auch. Einige Tiere konnten wir als Reitbeteiligung vergeben, sodass sich jetzt jemand anderes um sie kümmert", erzählt Conny Holder, die den Reitbetrieb auf dem Jagsttalhof leitet.

Glücklicherweise hat der Betrieb auch Einstellpferde, sodass die Reitstunden nicht die einzige Einnahmequelle sind. Wer ein eigenes Pferd oder eine Reitbeteiligung auf dem Hof hat, darf das Tier weiterhin versorgen. Hallennutzung und Stallzeiten sind über Belegungsplan und Anwesenheitslisten geregelt. Doch der Terminplan ist eng. Probleme macht die Ausgehbeschränkung ab 20 Uhr. Zu normalen Zeiten war die Halle am Abend oft bis 22 Uhr belegt.

Man kann das Kraftfutter etwas reduzieren, aber bewegen muss man die Pferde trotzdem.

Conny Holder Jagsttalhof

Die meisten Pferdebesitzer gehen jetzt mit ihren Tieren ins Gelände. Aber auch das führt zu Schwierigkeiten, berichtet Clemens von Welck: "Wo viele Pferde unterwegs sind, landen mehr Pferdeäpfel auf Wegen und Straßen und die Bürger beschweren sich." Auf dem Jagsttalhof gibt es deshalb den "Mistblitz", ein Lastenfahrrad, mit dem die Pferdeäpfel aufgesammelt werden.

Wenn die Reitkurse und -stunden, Reiterferien, gemeinsame Ausritte, Lehrgänge, Turniere, das ganze bunte Leben auf dem Reiterhof eingeschränkt ist, steht da nicht zu befürchten, dass manche das Interesse verlieren und auf eine andere Sportart umsteigen?

"Das ist schwer zu beurteilen. Unsere Reiter haben wegen Corona jedenfalls keinen finanziellen Verlust. Wenn keine Reitstunde stattfindet, wird auch nichts abgebucht. Außerdem halten wir Kontakt und informieren, wie sich die Situation entwickelt. Ich gehe davon aus, dass unsere Reitschüler zurückkommen, sobald wir wieder unterrichten dürfen", sagt sie.

Reiten sei nach wie vor beliebt, das sehe man allein schon an den Anfragen. Derzeit gebe es für die Reitkurse auf dem Jagsttalhof sogar eine Warteliste. Die Pensionsboxen seien momentan alle belegt, es gebe keine Anzeichen dafür, dass das Interesse am Pferdesport wegen Corona nachlässt.

Wie die Betriebe finanziell mit der Situation zurechtkommen, ist ein anderes Thema. Der Jagsttalhof bekommt bislang keine staatliche Coronahilfe. "Das hängt damit zusammen, dass wir auch noch Landwirtschaft betreiben, die ja durch die Pandemie nicht eingeschränkt ist", sagt Conny Holder. Die Umsatzeinbußen werde man versuchen aufzufangen, eventuell durch den Verkauf des ein oder anderen Pferdes. Jungpferde gibt es am Jagsttalhof noch, auch wenn dieses Jahr keine Fohlen geboren werden.

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