Der richtige Pflegenotstand kommt erst noch

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Rudolf Wiedmann, Geschäftsführer des Intensivpflegedienstes Lebenswert, warnt vor einer Verschärfung des Pflegenotstands und drängt auf eine schnelle Umsetzung der Klinikreform.
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Was Rudolf Wiedmann, Geschäftsführer des Intensivpflegedienstes „Lebenswert“, über die Klinikreform denkt.

Ellwangen

Die Klinikreform im Ostalbkreis wird sich auf den gesamten Gesundheitsbereich auswirken, davon ist Rudolf Wiedmann, Geschäftsführer des Intensivpflegedienstes Lebenswert überzeugt. Er rät zu einem Neubau und einem Zusammenschluss der beiden großen Häuser Aalen und Mutlangen, je schneller desto besser.

Der Pflegenotstand, der Mangel an Fachpersonal in der Pflege, treibe jetzt schon den Abmangel für die Krankenhäuser in immer höhere Dimensionen,  immer mehr Betten können nicht belegt werden. "Der wirkliche Pflegenotstand kommt aber erst noch“, sagt Wiedmann, der aktuell rund 450 Männer und Frauen beschäftigt, die meisten sind Pflegefachkräfte, die im eigenen Haus aus- und weitergebildet werden.

30 bis 40 Prozent seiner Beschäftigten zählt Wiedmann zu den geburtenstarken Jahrgängen, die in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen. „Das sind unsere Leistungsträger, die erfahrenen Leute. Und schon jetzt habe ich fast jeden Monat eine Verabschiedung.“ Wie er die ganzen Babyboomer ersetzen soll, ist ihm derzeit noch nicht klar.

In den Krankenhäusern sei die Situation nicht wesentlich anders. „Vielleicht ist der Anteil der über 55-jährigen etwas niedriger, weil die frisch Examinierten häufig ihre ersten Berufsjahre an einer Klinik verbringen.“ Die Personalnot sei trotzdem enorm und bedrohe das System der Kliniken insgesamt. Deshalb findet Wiedmann die Idee, mit einem großen Neubau, in dem durch kürzere Wege und größere Einheiten das vorhandene Personal effizienter eingesetzt werden kann, grundsätzlich richtig.

„Ich hab an allen drei Häusern im Ostalbkreis schon gearbeitet. In Mutlangen war ich zehn Jahre lang, dort habe ich meine Ausbildung gemacht. Das ist eine sehr gute Klinik, aber der Bau ist einfach veraltet“, sagt Wiedmann und erinnert sich an die Nachtdienste im Bettentrakt, wo die Pfleger und Schwestern mit Rollern über die Flure fuhren, weil die Wege so weit waren.

„Ellwangen ist aktuell das modernste Haus und hat den geringsten Sanierungsbedarf, weil hier praktisch eine neue Klinik gebaut wurde. Und die Anordnung der Stationen in V-Form ist sinnvoll, das spart Wege.“ Für den Erhalt der Virngrundklinik spricht sich Wiedmann auch aus, weil dieses Haus das östliche und nördliche Kreisgebiet versorgt. Wichtigstes Kriterium ist für ihn jedoch, dass eine Fusion von Ellwangen und Aalen eines kleinen und eines großen Hauses, weniger Effizienzgewinn brächte als eine Zusammenlegung der beiden großen Häuser. „Ich sage das, obwohl es für meinen Betrieb wahrscheinlich von Vorteil wäre, wenn die Virngrundklinik geschlossen würde, weil ich dann wohl viele neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen könnte.“

Die Versorgung des östlichen und nördlichen Kreisgebiets ist eine wichtige Aufgabe der Kliniken Ostalb. Wenn die Wege zur nächsten Intensivstation zu weit werden, stehen Leben auf dem Spiel, das weiß Wiedmann auch aus der Erfahrung mit den eigenen Intensivpatienten, die zuhause beziehungsweise in Pflege-WGs rund um die Uhr betreut werden. Kommt es zu Komplikationen, die dort nicht mehr handelbar sind, müssen diese Menschen schnell in die Klinik. Auf der Straße beziehungsweise in der Notaufnahme zählt dann jede Sekunde.

Doch wie gewinnt man in Zeiten des Mangels neues Pflegepersonal? Mit Geld allein gehe das nicht. „Geld ist wichtig, aber nicht das wichtigste. Die Leute verkaufen nicht ihre Seele“, sagt Wiedmann. Im Übrigen seien mit der neuen Gesetzgebung die Löhne ohnehin bald überall gleich. Es gehe darum, auf individuelle Wünsche und Bedingungen einzugehen. Wiedmann bespricht mit allen Beschäftigten die  Arbeitszeitgestaltung, Rosinenpickerei lässt er aber nicht zu, schon aus Gründen der Kollegialität: „Wenn eine Mitarbeiterin sagt, sie braucht die Nachmittage für die Kinder, dann erwarte ich ein Entgegenkommen am Wochenende oder Nachtdienste. Wir müssen unsere Patienten 24 Stunden an sieben Tagen die Woche betreuen. Wenn jemand bestimmte Zeiten ausklammert, müssen das andere machen.“

Über den Intensivpflegedienst Lebenswert

Der Intensivpflegedienst Lebenswert wurde 2009 von Martina und Rudolf Wiedmann in Ellwangen gegründet und bietet seinen Patienten eine 24-Stundenpflege im Rahmen der außerklinischen Intensivpflege (Heimbeatmungspflege) in ambulant betreuten Wohngruppen sowie in der Einzelversorgung. Mit seinen fast 450 Mitarbeitern bietet das Unternehmen auch eine ambulante Tourenpflege sowie eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung. 2021 schloss sich die Lebenswert GmbH aus langfristigen, strategischen Überlegungen der Korian Deutschland Gruppe an.

Rudolf Wiedmann, Geschäftsführer des Intensivpflegedienstes Lebenswert, warnt vor einer Verschärfung des Pflegenotstands und drängt auf eine schnelle Umsetzung der Klinikreform.
Rudolf Wiedmann, Geschäftsführer des Intensivpflegedienstes Lebenswert, warnt vor einer Verschärfung des Pflegenotstands und drängt auf eine schnelle Umsetzung der Klinikreform.

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