Der Wandel im digitalen Handel

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E-Commerce-Tag der IHK Ostwürttemberg bei Betzold: (v.l.) Ulrich Betzold, Benjamin Horn, Helmut Haas, Tobias Kübler und OB Michael Dambacher.
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Am vierten Tag der Digitalisierungswoche Ostwürttemberg geht es bei Betzold um neue Kanäle für den Internethandel, neue Technologien und Förderprogramme für Investitionen.

Ellwangen

Vertreter der freien Wirtschaft, Behörden, Hochschulen und andere trafen sich am Donnerstag bei der Arnulf Betzold GmbH, im "Wohlfühlzentrum", so bezeichnete Oberbürgermeister Michael Dambacher den Vortragssaal in der obersten Etage. Der OB stellte die Stadt vor, die sich von einer verschlafenen Beamtenstadt längst zu einem modernen Industriezentrum mit Schwerpunkt IT entwickelt habe. "Wir haben hier den größten IT-Campus in Ostwürttemberg", sagte er und verwies auf Firmen wie FNT, Inneo, EurA und Betzold, die neben dem Platzhirsch Varta AG den Standort Ellwangen prägen.

Im Mittelpunkt der Vorträge bei dem im deutschsprachigen Raum größten Lehr- und Lernmittel-Versandhändler Betzold stand das Thema Internethandel, Fachbegriff e-Commerce. Geschäftsführer Ulrich Betzold, Vizepräsident der IHK Ostwürttemberg, wies in seinem Impulsvortrag persönlich den Weg in die Zukunft. "Wir haben vorige Woche hier im Haus die Telefone abgebaut", eine Folge des pandemiebedingten Digitalisierungsschubs, meinte er. Die Mitarbeiter, teilweise im Homeoffice, kommunizierten zwischenzeitlich mit Smartphones.

Der Webshop sei heute nur noch eine Facette im e-Commerce, meinte Betzold und forderte zum Leapfrogging (Froschhüpfer) auf, zum Auslassen von Entwicklungsstufen, bei gleichzeitiger Einsparung von Zeit und Kosten bei vielleicht sogar besserem Ergebnis. "Dritthändler machen heute auf Plattformen wie Amazon, Zalando, Ebay großen Umsatz ganz ohne eigenen Shop. Der Einstieg ist ohne große Investitionen möglich." Selbst im Handel mit Geschäftskunden könne man so schnell viele Kunden erreichen.

Seit der Pandemie ist der "Hybrid Commerce", die Verbindung von Internethandel und stationärem Einzelhandel Realität und es zeige sich, dass er sogar Vorteile bietet. Bestellen im Netz, Abholen im Geschäft, "Click & Collect" geht schneller als die Lieferung über die Paketdienste. Wenn das Angebot im Netz anzeigt, in welchem Geschäft der Artikel sofort verfügbar ist, wird der Kunde vielleicht sogar für den lokalen Einzelhandel gewonnen.

"Social Commerce", das Einkaufen auf Instagram, Facebook, TikTok mit einem Klick mittels BuyButton sieht Betzold als nächsten Schritt im e-Commerce, auf den sich ein Unternehmen schon jetzt vorbereiten sollte, in dem es dort Reichweite gewinnt. Betzold gelingt dies durch regelmäßige Basteltipps, Blog-Beiträge und Erklärvideos, die unterhaltsam aufgemacht sind. Die Betzold-Comics von Schulszenen werden tausendfach geteilt, was das Unternehmen derzeit für Hinweise auf Angebote im Webshop nutzt. Das ganze Potenzial entfaltet die große Reichweite in Social Media erst mit dem BuyButton, wenn die Zahlungsformalitäten von der Plattform abgewickelt werden. 

"Live-Commerce", Einkaufen über Online-Streams mit BuyButton, sei heute schon ein ganz großes Ding in China, berichtet Betzold. Die Kunden tauschten sich über die Chatfunktion aus, während der Verkäufer das Produkt vorführt.

"Voice-Commerce" über Spracheingabe wie Alexa und "Visual Commerce" über Bildwelten, auch in 3D erfordern vom Händler akustisch beziehungsweise grafisch optimierte Darstellung und Beschreibung. 

Das war das Stichwort für den Inneo-Geschäftsführer Helmut Haas. Das Ellwanger Unternehmen ist mit Dienstleistungen in Sachen digitaler Transformation zu einem Betrieb mit 320 Mitarbeitern an 12 Standorten und 80 Millionen Euro Umsatz gewachsen. Wie wichtig im Internet mittlerweile die dreidimensionale Darstellung ist, das erklärte Benjamin Horn, Vertriebsleiter bei Inneo. Augmented Reality (AR: die Darstellung verknüpft Kameraaufnahmen mit digitalen Inhalten) und Virtual Reality (VR: Darstellung von digitalen Inhalten in virtuellen Räumen) sind bereits in Smartphone Apps möglich. Ein Durchbruch der Technologie ist zu erwarten, spätestens wenn entsprechende Endgeräte (VR-Brillen) verbreitet sind. Um mit eigenen Angeboten  an der Gegenwart und Zukunft des E-Commerce teilzunehmen, nannte Horn sieben Tipps: Datenmengen reduzieren, damit Inhalte auch auf mobilen Endgeräten schnell dargestellt werden. Einfache Lenkung des Kunden über QR-Codes, Konfiguration des Produkts in Farben/Varianten, wortarme Schritt für Schritt-Anleitungen in 3D, digitale Dauerpräsenzen (Showrooms) und Präsentation auf virtuellen Messen AR- und VR-Anwendungen.

Gute Nachrichten für Unternehmen, die in die Digitalisierung investieren möchten, hatte Tobias Kübler von der Ellwanger EurA AG. Das Unternehmen begleitet die Entwicklung von innovativen Produkten und Prozessen und vermittelt Förderungen. Es gebe aktuell sowohl vom Bund (etwa "Digital jetzt") wie auch von den Ländern (in Baden-Württemberg zum Beispiel Digitalisierungsprämie Plus) viele Förderprogramme, die Digital-Investitionen unterstützen, entweder als echten Zuschuss oder als zinsgünstiges Darlehen. Voraussetzung sei in der Regel der Status als Klein- und mittelständisches Unternehmen (KMU) und ein Digitalisierungsplan. Bei echten Zuschüssen und bei Bundesprogrammen müsse man sich auf Zeitverzug einstellen. Wer mit dem Investment nicht warten will, sei möglicherweise mit Landesprogrammen besser beraten, zumal man zwischenzeitlich auch rückwirkend bis zu vier Jahre noch Fördermittel beantragen kann.

Info: Alle Vorträge der Digitalisierungswoche sind auf YouTube, Facebook und LinkedIn auf den Präsenzen der digiZ Ostwürttemberg abrufbar.

Ulrich Betzold spricht beim E-Commerce-Tag über neue Trends im Internethandel.
Oberbürgermeister Michael Dambacher spricht beim E-Commerce-Tag über den Technologiestandort Ellwangen.

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