Der Wasen bekommt sein Gras zurück

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Als grüne Wiese mit Bäumen und Spielfeldern soll der Schießwasenbis zur Landesgartenschau 2026 umgestaltet werden. aktuell ist er eine asphaltierte Fläche.
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Wie der Schießwasen zum Naturwunder werden soll und trotzdem noch als Veranstaltungsplatz für den Kalten Markt, Volksfest, Zirkus und Flohmarkt taugen.

Ellwangen

Der Schießwasen war einmal eine große Feuchtwiese, auf der die Schützen der Stadt ihre Übungen abgehalten haben. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, die mehrere Hektar große Fläche ist asphaltiert und dient als Stellplatz für Autos und als Festplatz, wenn der Zirkus kommt, wenn ein Flohmarkt stattfindet oder wenn Volksfest oder Kalter Markt ist.

Die Fläche naturnah zu gestalten und dabei die Zweckmäßigkeit zu erhalten, war der Auftrag an die Landschaftsarchitekten, die sich am Wettbewerb beteiligen wollten. Eine in den Augen der Jury nahezu optimale Lösung fanden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Planungsbüros relais, das den Siegerentwurf stellt.

Sie brechen die große Asphaltwüste, in dem sie die ganze Fläche in drei Terrassen unterteilen. Die erste und höchste Ebene entlang der Rotenbacher Straße wird zum Dauerparkplatz. 150 Stellplätze dauerhaft beim Wellenbad und 200 temporär zur Westtangente hin werden zwar befestigt, aber auch stark eingegrünt.

Viel mehr Bäume als jetzt werden dafür sorgen, dass der Rotenbacher Straße der besondere Charakter einer Allee bleibt und dass die Stellflächen für die Autos im Sommer beschattet sind.

Die zweite Terrasse bietet teilweise befestigte (asphaltierte), teilweise als Magerrasen gestaltete Veranstaltungsfläche. Auf dem Asphalt sind Spielfelder für Fußball, Volleyball, und Inliner-Hockey markiert. Hier können beim Kalten Markt die Messezelte stehen, hier kann auch ein Zirkus- oder Bierzelt errichtet werden. 

Die dritte Terrasse, schon fast auf Höhe der Jagst, kann bei Hochwasser überflutet sein. Bei Normalniveau wächst hier Magerrasen, das Gelände ist eingeschottert. Es ist groß genug, um beim kalten Markt drei Vorführringe für die Stuten- und den Platz für die Gespannprämierung aufzunehmen. Die Zuschauer haben von der darüberliegenden Terrasse sogar noch bessere Sicht als heute.

Vom Wellenbad zur Jagstbrücke, auf der mittleren Terrasse, zieht sich eine breite Allee als Fuß- und Radweg, der auch als Kocher-Jagst-Radweg ausgeschildert sein wird. Ein weiterer Fußweg führt auf der unteren Ebene an der Jagst entlang.

Apropos Jagst, ihre Ufer werden nicht mehr dicht bewachsen sein wie heute, sondern frei und einsehbar. Dafür wird der Magerrasen immer wieder von Bäumen unterbrochen sein.

Zum Brückenpark hin soll aus den Jagstufern sogar ein richtiger Strand mit Liegewiese werden, der Stadtstrand.

Was den neuen Schießwasen auszeichnet: Aufenthaltsqualität. Die Terrassierung bietet neue Einsichten, die Gliederung in Ebenen mit unterschiedlicher Gestaltung macht das Gelände abwechslungsreich und lädt ein, sich auf Bänken niederzulassen. „Am Schießwasen entsteht eine Parklandschaft“, sagt Architektin Marianne Mommsen.

Auf die relativ niedrige Zahl an Stellflächen angesprochen, verweist Marianne Mommsen auf eine Ausrichtung auf zukünftige Mobilitätskonzepte. Sie ist überzeugt, dass der Individualverkehr der Zukunft nicht mehr primär auf das Auto ausgerichtet sein wird. 350 Stellplätze hält sie für ausreichend.

Ob das die Fahrschulen und den ADAC beruhigt, die bislang am Schießwasen regelmäßig Bremsübungen und Fahrsicherheitstraining durchführen? Wenn der neue Schießwasen fertig ist, werden sich nach anderen Übungsflächen umschauen müssen.

Ebenso die Autoposer mit ihren PS-starken Fahrzeugen, die nachts am Schießwasen lautstark Reifen quietschen lassen. Das werden sie auf Magerrasen wohl nur einmal versuchen.

Am Schießwasen entsteht eine Parklandschaft.“

Marianne Mommsen, Landschaftsarchitektin Büro relais

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