Die Begegnungen fehlen Thomas Bader am meisten

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Mit Reparaturen hat Thomas Bader auch im Lockdown, wenn der Musikladen geschlossen bleibt, einiges zu tun. Trotzdem hofft er, dass die Geschäfte bald wieder öffnen dürfen.
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Wie sich der Ellwanger Musiker, Musiklehrer und Musikalienhändler durch den Lockdown rettet.

Ellwangen

Sein Geschäft für Musikinstrumente in der Spitalstraße war vor Corona so etwas wie der Nabel der Welt. Seitdem Thomas Bader den Einzelhandel um eine Kaffeemaschine, Tische und Schirme vor dem Laden erweitert hatte, trafen sich hier alle, die gerade "Zeit zum Schwätzen" hatten.

Solche Treffpunkte machen den Charme einer Kleinstadt aus und deshalb sind es zuallererst die Kontakte, die Bader im Lockdown vermisst. "Als Einzelhändler lebt man vom Kundenkontakt. Man braucht den Austausch, die Information, den Impuls, oder nur das Gesicht jedes einzelnen, der durch die Ladentür kommt", erzählt er. Deshalb sei im Moment das Wichtigste, den Kontakt zu den Kunden irgendwie zu halten. Über Telefon, Mail, soziale Netzwerke, Website. "Meine Kunden wissen, dass ich auch telefonisch oder per Skype berate, Ware verschicke, oder zum Abholen bereitstelle."

Im März hat er staatliche Hilfe bekommen, die das entstandene Defizit zwar nicht ausgleichen konnte, aber doch sehr half. Auch die Vermieterin des Musikladens zweimal entgegengekommen. "Das ist eine Erfahrung, die verbindet", sagt er. Was gerade hoch im Kurs ist: Instrumentenverleih. Und in der Bader-Musikschule gibt es unterschiedliche Angebote, die auch rege genutzt werden: "Wir machen Waldschule, Telefon- und Skypeunterricht. Natürlich sind Umsatz und Schülerzahl zurückgegangen, aber diejenigen, die unsere Angebote nutzen, sind unglaublich dankbar."

Ein sicheres Standbein

Reparaturen sind für Thomas Bader ein sicheres Standbein. "Hier habe ich nach wie vor gut zu tun, es gibt einige, die gerade jetzt ein Instrument lernen wollen. Das ist gut für mich und die Seele der Menschen."

Schwierig ist der Lockdown für Musiker im Ensemble. Thomas Bader spielt im Ostalb Jazz Orchestra (OJO) und mehreren kleineren Bands. "Zur Zeit können wir nicht proben, aber inzwischen treffen wir uns regelmäßig zum Wandern. Das ist toll, weil man sich auf einer anderen Ebene neu kennenlernt", erzählt er.

Alles in allem werte ich diese Zeit als eine besondere. Man wird in zig Jahren noch davon erzählen.

Thomas Bader Musiker und Einzelhändler

Natürlich werden wieder Auftritte geplant, ob sie stattfinden, weiß man nicht. Am einfachsten werden wohl Spontanaktionen umsetzbar sein. "Sobald es das Wetter erlaubt, spielen wir mit der kleinen Combo ("Zwirbel, Zopf und Quetschkommod") am Schönbornhaus und am Pflegeheim St. Anna im Freien - natürlich kostenlos. Das ist bereits abgesprochen. Die Alten leiden am heftigsten unter der Pandemie." Der Selbstzweck dabei, verrät der Musiker: "Eine Bandprobe, um sich fit zu halten".

Als Musiker kann man auch alleine kreativ sein. Thomas Bader arrangiert Titel für die Band, mailt den Kollegen die Noten, sodass jeder für sich üben kann. "Ich stelle mir vor, dass so die ersten gemeinsamen Proben sehr effektiv sein werden."

Manche Bands haben ganz neue Formen von Konzerten erfunden, wie die Wanderkonzerte in Laubach. Dort wandert man in Zweiergruppen durch die Natur, von einer Bühne zur anderen, wo jeweils zweiköpfige Ensembles warten, um für die beiden Zuhörer ein ganz persönliches Konzert zu spielen. Musik spielen und hören, ohne Menschenmenge, ganz in der Natur, fast schon privat. Ist das die Zukunft?

Das weiß Thomas Bader auch nicht. Aber die Natur ist ihm ein Trost. Er geht öfter mit seiner Frau zum Pilzesammeln. "Da vergisst man die Pandemie."

Bader: "Alles in allem werte ich diese Zeit als eine Besondere. Man wird in zig Jahren noch davon erzählen. Ich persönlich bin jedenfalls entspannt, die Zeit bringt, was sie will, ob wir verzagt sind oder zuversichtlich."

Mit Klarinette und Baritonsaxophon

Thomas Bader betreibt in Ellwangen das Musikhaus und die Musikschule Bader und bietet dort auch Kaffee und Kaltgetränke an. Er ist Gründungsmitglied und war zehn Jahre lang Vorsitzender des Ostalb Jazz Orchestra (OJO). In der Bigband spielt er das Baritonsax, weitere Saxophone, Klarinetten und Klavier bei der Jazzband "Horch 3" und "Zwirbel, Zopf und Quetschkommod".

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