Die deutsche Verfassung aus Ellwangen

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Bronzetafel am "Goldenen Adler" am Marktplatz, in dem der Ellwanger Kreis mehrfach tagte.
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Dr. Michael Hoffmann erforschte die Arbeit des "Ellwanger Kreises", der vor 75 Jahren erstmals auf dem Schönenberg tagte.

Ellwangen

Als 1947/48 in CDU und SPD die ersten Entwürfe des Grundgesetzes ausgearbeitet wurden, war Ellwangen im Mittelpunkt des Geschehens. Das wurde beim Vortrag zum "Ellwanger Kreis" von Dr. Michael Hoffmann deutlich, dem im Palais Adelmann zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten. Hoffmann hatte eine ganze Reihe neuer Fakten entdeckt. Zum Beispiel, dass die Bezeichnung "Bundesrepublik Deutschland" eindeutig auf den "Ellwanger Kreis" zurückgeht.

Das erste Treffen von Politikern der CDU und der CSU fand am 1. März 1947 auf dem Schönenberg statt. Dass Ellwangen Treffpunkt war, ging wohl auf den Staatssekretär im Stuttgarter Staatsministerium, Hermann Gögler, zurück, der damals in der Hammerschmiede, später in Ellwangen wohnte. Auch Josef Beyerle aus Aalen-Hohenstadt, Justizminister in Württemberg-Baden, war beim ersten Treffen dabei.

Damals sei es vor allem darum gegangen, die CDU/CSU im Süden zu vernetzen und zu vereinen. Während in der britischen Zone mit Konrad Adenauer bereits eine starke Führungsperson hervorgetreten war, ließen die alliierten Machthaber in der amerikanischen Zone überregionale politische Strukturen noch nicht zu. Auf dem Schönenberg finden die Teilnehmer eher spartanische Bedingungen vor, Mehrbettzimmer, Lebensmittel und Brennstoff sind noch rationiert.  Der bayrische Staatsminister Dr. Anton Pfeiffer, der Wirtschaftsminister in Hessen, Werner Hilpert und Dr. Heinrich Köhler, stellvertretender Ministerpräsident in Stuttgart sind trotzdem gekommen. Hans Ehard, Ministerpräsident in Bayern, spricht über die Zukunft der Partei und des neuen Staates. Landrat Anton Huber führt Protokoll.

Zum zweiten Treffen am 31.5./1.6.1947, die auch als Ministerkonferenz bezeichnet wird, kamen Regierungspolitiker auch aus der französischen Besatzungszone und Hessen hinzu. Spätestens seit der vierten Tagung am 22./23. November 1947 steht die Diskussion über eine künftige Verfassung im Mittelpunkt. Man ist sich einig, dass der deutsche Staat eine christliche Prägung und starke föderalistische Züge haben müsse. Der starke Zentralismus sei Ursache für die Katastrophe der NS-Diktatur gewesen. Neben dem späteren deutschen Außenminister Heinrich von Brentano sind der Publizist Eugen Kogon, Adolf Süsterhenn (Justiz- und Kultusminister in Rheinland Pfalz) und Theodor Steltzer, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein dabei. Konrad Adenauer war immer eingeladen, kam jedoch nie zu einer Tagung nach Ellwangen.

In den Medien sorgten die Treffen des "Ellwanger Kreises" für Aufsehen, es wurden sogar Separationsbestrebungen der Südstaaten und eine angebliche Kooperation mit Österreich kolportiert. Tatsächlich wurde in Ellwangen ein Netzwerk geknüpft, mit dem Ziel, den neuen deutschen Staat als Föderation zu gestalten und der Verfassung eine christliche Prägung zu geben. "Der Ellwanger Kreis war ein informelles Machtzentrum in Opposition zu Adenauer", fasst es Hoffmann zusammen. Und es war effektiv, denn aus dem Ellwanger Entwurf kam vermutlich der Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes. Die starke Position der Länderkammer, des Bundesrats, war von Adenauer nicht gewollt. Doch die Mitglieder des Ellwanger Kreises setzten mit ihrem Verfassungsentwurf, den die CDU zwar abgelehnt hatte, der aber in Ermangelung einer Alternative bei den Beratungen des parlamentarischen Rats trotzdem auf dem Tisch lag, in wesentlichen Teilen durch, auch weil man sich mit Vertretern der SPD in einem Geheimtreffen vorher arrangiert hatte.

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