Die Ellwanger Finanzen sind sehr gut

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Oberbürgermeister Michael Dambacher lässt den Bettelkorb aus seinem Dienstzimmer im Rathaus herab. Das war nur ein Fasnachtsscherz, in Wirklichkeit sitzt die Stadt auf Millionen von Euro. Problem ist eher, dass die Millionen nicht abfließen.
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Jahresabschlüsse 2017 bis 2020 sowie die Zwischenbilanz 2021 zeigen, dass die finanzielle Basis der Stadt viel besser ist, als vor Jahren noch befürchtet.

Ellwangen

Manche befürchteten vor drei Jahren, als die ersten Kostenschätzungen für die Landesgartenschau 2026 angestellt wurden, die Stadt werde sich an dem Megaprojekt die Zähne ausbeißen. Selbst der frühere Kämmerer hatte 2020 noch gemeint, nach der Landesgartenschau werde kein Geld mehr für Investitionen da sein.

Mittlerweile kann man feststellen: Die Kritiker lagen falsch. Ellwangen müsste schon seit zwei bis drei Jahren einen Schuldenberg aufbauen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Verschuldung liegt aktuell bei knapp 20 Millionen Euro. 2016 waren es noch 24,5 Millionen.

Klaus Schönle und Stadtkämmerer Sebastian Thomer zeigen im Verwaltungsausschuss, dass schon seit 2016 das Jahresergebnis stets deutlich besser ausfiel, als im Haushaltsplan kalkuliert. „Wir haben seitdem keine Kredite mehr aufgenommen und auch 2021 sieht es ganz so aus, als müssten wir keine Schulden machen“, sagt Schönle.

Dabei hatte man noch im Januar mit einer Kreditaufnahme von 15,6 Millionen Euro kalkuliert. Da dachte man noch: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“. Kämmerer, Verwaltung und Gemeinderat konnten nicht wissen, wie sich die Pandemie auf die Finanzen auswirken würde.

Heute weiß man: Die Ellwanger Wirtschaftsbetriebe sind sehr robust und kommen wohl großteils ohne finanzielle Einbußen durch die Krise. 19 Millionen Euro Einnahmen aus Gewerbesteuer waren kalkuliert worden. So wie es derzeit aussieht, könnten es mehr als 30 Millionen werden. Ein Überschuss von 3,5 Millionen Euro 2021 anstatt einem Kreditbedarf von 19 Millionen: Die besonderen Zeiten ergeben extreme Zahlen.

Thomer und Schönle bemühen sich, nicht zu viel Euphorie auszulösen. Noch handle es sich nur um eine Prognose, der Finanzzwischenbericht sei nur eine Momentaufnahme.

Allerdings passt diese Prognose gut in den Trend der letzten vier Rechnungsjahre, die allesamt besser abschlossen als die jeweiligen Haushaltspläne. Die Jahresabschlüsse 2017 bis 2020 liegen jetzt in der vorläufigen Form vor. Endgültig sind sie erst, wenn das Rechnungsprüfungsamt und die Gemeindeprüfanstalt die Eröffnungsbilanz akzeptieren, die im Rahmen der Umstellung von der Kameralistik auf die Doppik von der Stadtkämmerei vorgelegt wird.

Die Rücklagen sind gut bestückt

Bis 2019 haben sich, unter anderem aufgrund der sprudelnden Gewerbesteuer, Rücklagen von über 25 Millionen Euro aufgebaut. Daraus hat Sebastian Thomer eine Extra-Rückstellung von 6,82 Millionen Euro für den kommunalen Finanzausgleich (FAG-Umlage) und die Kreisumlage gebildet. Weitere 14 Millionen Euro wurden in das Basiskapital der Stadt verschoben, so dass die aktuelle Rücklage der Stadt rund 14,6 Millionen Euro beträgt.

Berthold Weiß meint, manche Sorgenfalten verschwänden nun und fürchtet, Ellwangen könnte angesichts dieser Entwicklung künftig im Ausgleichstock nicht mehr förderwürdig sein.

Die Befürchtung sei nicht von der Hand zu weisen, allerdings habe das Land für das kommende Jahr noch keinen Wegfall der Förderwürdigkeit angekündigt, sagte Thomer dazu.

Herbert Hieber trat auf die Euphoriebremse: die Überschüsse der vergangenen Jahre resultierten auch aus dem Verschieben von Investitionen. „Die Bergetappen kommen noch“, meinte er und warnte davor die personelle Leistungsfähigkeit der Verwaltung zu überschreiten: „Gesundheit und Arbeitslust der Mitarbeiter sind unsere wichtigste Ressource.“

Bettina Vierkorn-Mack freut sich über die wirtschaftlich erfolgreichen Ellwanger Betriebe, dank deren man in Kindergärten und Schulen investieren könne.

OB Michael Dambacher sagte: „Wir dürfen uns nicht auf diesen Zahlen ausruhen.“

Es sieht so aus, als müssten wir 2021 keine Schulden machen.“

Klaus Schönle, Stadtkämmerei

Was die Pandemie der Stadt kostet

Für Kosten aufgrund der Coronapandemie hat die Stadtkämmerei eigens das Produkt „Katastrophenschutz“ gebildet. 2021 fielen Ausgaben von 270 000 Euro an. Allein 206 000 Euro wurden für Schnelltests ausgegeben, der Rest für Schutzmaßnahmen und Ausrüstung. An Finanzhilfen vom Land gingen bislang 110 000 Euro ein, allein 82 000 Euro waren für entgangene Kindergartengebühren. gek

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