Die Erdgeschichte Ostwürttembergs

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Hans-Dieter Bolter ist seit Jugendtagen begeisterter Fossiliensammler und er ist Gründungsmitglied der Geologengruppe Ostalb.
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In seinem neuen Buch "Meer - Land - Meer" erklärt Hans-Dieter Bolter anhand von Fossilien, die er in unserer Region gefunden hat, die Entwicklung der Erdschichten.

Ellwangen

Wer die Geologie versteht, der blickt mit ganz anderen Augen auf die Landschaft der Gegenwart. Wo heute Berge und Täler sind, waren vor Urzeiten Meer und Wasser. Sand lagerte sich an Küsten ab, die hunderte Meter über dem Niveau des heutigen Meeresspiegels liegen und es gab tiefe Sümpfe, wo heute harter Stein ist.

Auch wenn die Landschaft sich in Millionen von Jahren immer wieder grundlegend verändert hat, ist die Vergangenheit nicht spurlos verschwunden. In verschiedenen Erdschichten finden sich die Reste von Tieren und Pflanzen, aus einer Zeit, in der der Mensch noch nicht existiert hat. Diese Versteinerungen oder Fossilien liegen im Boden, und wer ihre Sprache versteht, kann sich in eine Zeit zurücktragen lassen, als die heutige Ostalb von einem Meer bedeckt war, in dem Korallenriffe wuchsen und große Fischsaurier schwammen.

Hans-Dieter Bolter ist seit Jugendtagen begeisterter Fossiliensammler, er ist Gründungsmitglied der Geologengruppe Ostalb und hat immer wieder bedeutende Funde gemacht. Zuletzt entdeckte er in den Ellwanger Sandsteinkellern die Überbleibsel von längst ausgestorbenen Fischen, die Paläontologen nach ihm benannt haben.

Bolter hat seine Funde nicht nur präpariert und ausgestellt, er hat auch stets dokumentiert, wo er was entdeckt hat. Über die Jahrzehnte ist ein Katalog entstanden, ein Verzeichnis von ergiebigen Aufschlüssen, die zum Teil bis heute Fundstätten sind.

Im Raum Crailsheim beispielsweise wurden während der Muschelkalkzeit große Seelilienriffe durch Sturmereignisse zerstört. Die Ergebnisse werden heute als Trochitenkalk in den Steinbrüchen abgebaut und sind in vielen Gebäuden in ganz Deutschland verbaut.

Bei Rosenberg durchzogen Sauriergruppen während der Keuperzeit morastigen Untergrund und hinterließen Spuren, die interessierte Bewohner in Steinen im Garten entdeckt haben. Bei Neunheim herrschten im Unterjurameer günstige Bedingungen für große Steckmuscheln, wie sie heute noch in der Adria vorkommen. Ein Schlangenstern versteckte sich bei Rattstadt in den feinsandigen Wellenrippeln am Meeresboden des Unterjurameeres.

Bei Dalkingen wurde eine feingliedrige Seelilie entwurzelt, mit anderen Seelilien verdriftet und eingebettet. Im Unterjurameer gab es neben Muscheln und anderen Organismen viele unzählige kleine Ammoniten. Ein bis zu ein Meter großer Ammonit wurde durch Wasserströmungen bis in den Raum Unterschneidheim an die Küste des Unterjurameeres gespült.

Viele weitere Details aus der Geschichte der Erde in unserem Raum kann man im Buch "Meer-Land-Meer" erfahren. Die faszinierende Geschichte der Erde hat in den Gesteinen der Ostalb ihre Spuren hinterlassen und einige haben Eingang in Bolters Fossiliensammlung gefunden.

Mein großes Ziel ist es, zur Landesgartenschau 2026 eine Ausstellung zur Geologie der Region zusammenzustellen.

Hans-Dieter Bolter Fossiliensammler

Von kleinsten Stücken, kaum fünf Quadratzentimeter groß, bis zu gewaltigen Brocken, die man nur mit dem Sackkarren bewegen kann, bewahrt er seine Funde in seinem Wohnhaus in Eggenrot auf.

Wenn er Zeit hat, bearbeitet er die Steine mit Meißel, Schleifer oder Sandstrahler, um die Abdrücke der urzeitlichen Lebewesen herauszuarbeiten. Besonders aussagekräftige Stücke wie den Fischsaurier von Rainau-Buch stellt er dann für Ausstellungen zur Verfügung.

Bolters neues Buch gibt auf über 200 Seiten einen schönen Überblick über die Fossilien, die man in unserer Region finden kann. Dazu erläutert der Autor auch für Laien verständlich die Entwicklung der Erdzeitalter, die Entstehung von Gesteinsschichten und erklärt, wo man Fossilien finden kann, wie man sie erkennt und präpariert.

"Mein großes Ziel ist es, zur Landesgartenschau 2026 eine Ausstellung zur Geologie der Region zusammenzustellen", sagt Hans-Dieter Bolter. Am liebsten auf dem Gartenschaugelände.

Den Fuchskeller, direkt am Schießwasen, hält er für eine geeignete und aussagekräftige Räumlichkeit, die man sogar mit einem Biergarten kombinieren könnte, wie er bis in die 1950er Jahre dort Bestand hatte.

Info: Das Buch "Meer – Land – Meer" ist beim Autor zu erwerben. Kontakt unter Tel. (07961) 2184, E-Mail: hadibolter@t-online.de

Im Unterjurameer gab es neben Muscheln und anderen Organismen viele Ammoniten.
Auch kleine Funde zählen zu Bolters Sammlung.

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