Die Fasnachtsumzüge sind kaum vorstellbar

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Fasnacht 2020
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Die Fastnachtssaison 2022 ist derzeit nicht kalkulierbar und wird deshalb wohl großflächig ausfallen.

Ellwangen

Der Virngrund ist eine Fastnachtshochburg im Land, viele Menschen hier leben geradezu von der einen Saison zur nächsten. Viele fragen sich, ob die fünfte Jahreszeit im nächsten Jahr allen Ernstes schon wieder ausfallen soll.

Die Antwort haben die ersten Fasnachtszünfte bereits gegeben: Der FCV hat am Freitag alle Prunksitzungen abgesagt, die Schlaggawäscher in Oberkochen auch, weitere werden folgen.

Denn die Saalfastnachten haben eine lange Vorlaufzeit und verursachen einen großen organisatorischen Aufwand. Das Programm will einstudiert sein, Tänze, Büttenreden, die Kulissen, die Dienstpläne, da steckt viel Arbeit drin, die sich niemand gerne macht, wenn er hinterher nicht auftreten kann.

Wer jetzt denkt, die Situation sei ja bei den Veranstaltungen im Freien anders gelagert, der irrt. Auch die Umzüge müssen entsprechend geplant sein. Nicht umsonst riefen die Wörter Rotachnarren schon vor vier Wochen zum Anmelden auf. Jetzt sagt Harald Salzer: „Es wird wohl nichts werden.“ Die endgültige Entscheidung werde der Verein nach den Feiertagen treffen.

Und Klaus Vaas, der mittlerweile von Klaus Rupp als Vorsitzender der Neulermer Narren abgelöst wurde, teilt mit, dass bis 10. Januar die Entscheidung fallen soll.

Unter Pandemiebedingungen ist die Organisation noch schwieriger als ohnehin, weil Vorgaben gelten, die sich jederzeit ändern können. Die Veranstalter müssen im Moment davon ausgehen, dass jeder Aktive und jeder Gast ein Zertifikat vorweisen muss. Geimpft, genesen, getestet sind die Voraussetzungen, damit sich Gruppen versammeln dürfen. Hinzu kommen Abstand und Maskenpflicht. Für die Einhaltung wären die Veranstalter verantwortlich. Der Aufwand, dies zu kontrollieren, wäre enorm, egal wo man zusammenkommen will. Im Falle des Ellwanger Fasnachtsumzuges wäre das praktisch kaum umzusetzen.

Stand heute steht die Möglichkeit im Raum, dass bis März die neue Virusmutante für eine neue Infektionswelle sorgt. Gut möglich, dass man bis dahin geboostert sein muss, um an Veranstaltungen teilnehmen zu können.

Hinzu kommt das Risiko, dass viele der Aktiven, die man für Ordneraufgaben eingeplant hat, dann wegen der Epidemie in Quarantäne sein könnten. Man müsste Absperrungen und Kontrollen mit bezahltem Personal durchführen, was die Sache auch noch finanziell erschwert.

„Wir entscheiden Anfang Januar“, sagt Dr. Anselm Grupp, Pressesprecher der Stadt Ellwangen. „Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Fasnachtsumzug stattfindet.“ Was für den Ellwanger Fasnachtsumzug gilt, kann man auf andere Veranstaltungen wie den Auftritt der „Schwarzen Schar“ übertragen. Die Gruppe mit rund 100 Teilnehmern zieht traditionell am Fasnachtssonntag in die Stadt ein und trägt dann in den Wirtschaften ihre Versliste vor. Grupp: „Alle Teilnehmer müssten geimpft oder getestet sein, um auftreten zu können. Ich glaube aber nicht, dass sich die Maskierten kontrollieren lassen würden.“

Grupp will nicht ausschließen, dass der Pennäler Schnitzelbank vielleicht eine ganz andere Form ihrer Aufführung findet, ein Kurzauftritt unter ganz bestimmten Bedingungen, der vielleicht genehmigungsfähig wäre. Zum jetzigen Zeitpunkt sei jedoch alles Spekulation, weil man nicht wissen könne, wie sich im März das Infektionsgeschehen gestaltet und welche Auflagen dann gelten. Grupp: „Die Schwarze Schar hat sich bislang immer vor der Fasnacht beim Ordnungsamt gemeldet, um die Route ihrer Aufführung durchzugeben. Wir warten erst mal ab, bis wir von ihnen hören.“

Schwer zu ermessen ist, welche Folgen eine erneute Absage der kompletten Fasnacht haben würde. Bleiben die Aktiven trotzdem bei der Sache oder werfen die Tänzerinnen frustriert das Handtuch? Hören die Büttendichter ganz auf? Wie gehen die Männer und Frauen damit um, für die Fasnacht zentraler Quell an Lebensfreude ist? Das einzig wirksame Mittel gegen den Winterblues? Noch ein Jahr Schunkeln auf Zoom und Umzug mit Playmobil, wer hält das aus?

Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Fasnachtsumzug stattfindet.“

Dr. Anselm Grupp, Pressesprecher der Stadt
  • Die Fasnacht im Jahr 2022
  • Donnerstag, 24. Februar 2022, ist Gumpendonnerstag oder Weiberfasnacht, Fasnachtssonntag ist der 27. Februar. Am 1. März 2022 ist Fasnachtsdienst, der letzte der närrischen Tage der Saison.
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