Die "Hintere Ledergasse" wird 30

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Die "Hintere Ledergasse" spielt am Gumpendonnerstag am Fuchseck für die Kindergartenkinder: König Dübeli hat für die Jugend zentrale Bedeutung als idealtypische, liebenswerte Herrscherfigur.
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Was aus einer spontanen Laune heraus begann, ist heute aus der Ellwanger Fasnacht nicht mehr wegzudenken.

Ellwangen

Wenn man mit Franz Brenner und Andreas Hunke im Keller im Proberaum sitzt und ihnen so zuhört, wenn sie erzählen, wie die "Laienspielschar aus der hinteren Ledergasse" vor 30 Jahren entstanden ist, dann hat man den Eindruck, die beiden können selbst nicht recht glauben, was das geschehen ist. Die Musikgruppe setzt schon seit Jahren markante Akzente und das nicht nur in der Fasnachtszeit. Beim Kalten Markt lädt der Oberbürgermeister die "Ledergass" regelmäßig zu seinem Kuttelessen ein, wo sie neben dem Kalter-Mark-Lied auch ihre eigene Hymne "Kuttelsupp" spielen.

Hauptauftritt ist immer an Fasnachtsssonntag, wo die Gruppe im Windschatten der "Schwarzen Schar"  als Wandermusiker in den Wirtschaften auftritt. "Viele Wirte zählen fest auf uns und fragen mittlerweile schon vorher an, wann wir kommen", berichtet Franz Brenner. Und an dem Tag hat es auch begonnen, wie Franz Brenner berichtet: "Wir saßen am 1. März 1992 in der Kanne und warteten, uns war langweilig. Da beschlossen wir, durch die Kneipen zu ziehen. Ich hatte meine Gitarre dabei und wir sangen dazu ein spontan erfundenes Nonsenslied: Der Fuffi. Das singen wir heute noch." Damals war die Ledergass nur fünf oder sechs Personen. Doch schon im nächsten Jahr hatte man Trompeter, Trommler und andere dabei. "Wir merkten dann schnell, wir brauchen in den Kneipen eine elektronische Verstärkung", berichtet Andreas Hunke. Seitdem zieht die Ledergasse ihre eigene Verstärkeranlage auf einem Bollerwagen mit. Ganz klar: Die "Ledergasse" ist für die Besucher, die auf die Schwarze Schar warten, ein zusätzlicher Programmpunkt geworden, der den Abend bereichert. Und man hört manchmal sogar Leute sagen, "die Ledergasse war heute besser als die Schnitzelbank."

Am erstaunlichsten jedoch ist, dass die Fasnachtsschlager der Laienspielschar bei den Kindern so gut ankommen. In den Kindergärten der Stadt laufen die mittlerweile vier CDS mit Faschingshits der "Ledergasse" zur Fasnachtszeit rauf und runter. Wie konnte es so weit kommen, dass die Kinder den "König Dübeli" verehren, als wäre er der Ellwanger Faschingsprinz?

"2002 brachten wir das Lied von König Dübeli, der keine Kübeli wollte. Das bezog sich auf die Diskussion, die sich damals um die Markierung der Eingänge zur neuen Fußgängerzone entwickelt hatte. Der Gemeinderat wollte Blumenkübel aufstellen, OB Dieterich war strikt dagegen." Weil die Gruppe ihre Verkleidung nach den Liedinhalten wählt, wurde Michael Brenner dazu verdonnert, mit Morgenmantel und eine Krone aus Pappmaché aufzutreten. Er war eine so markante Erscheinung, dass die Figur eine gewisse Eigenständigkeit entwickelt hat.

Der jährliche Auftritt am Fuchseck für die Kindergartenkinder bekam schnell einen ganz eigenen Ablauf. Franz Brenner wendet sich nach den ersten Liedern an das junge Publikum und fragt "Wo ist eigentlich König Dübeli?" und alle schauen sich suchend um, bis Michael Brenner mit seiner Krone aus einem Hauseingang tritt und zur Huldigung seiner Untertanen herbei schreitet.

Dass nahezu alle Mitglieder der Laienspielschar, die im Laufe der Jahre auf gut zwei Dutzend Personen angewachsen ist, erfahrene Musiker sind, erklärt ein Stück weit die Ohrwurmqualität der Ledergass-Lieder. Den Bandnamen hat übrigens Martin Unfried erfunden, der jedes Jahr aus Maastricht anreist, um Teil der Aufführung zu sein.

In 30 Jahren ist viel passiert, es wurden Ohrwürmer freigesetzt wie "Ellwanger Fasnacht", "Monster" oder "Auf gohts Baura, Damawahl". Man spielte jahrelang ein Open-Air-Konzert vor dem Gasthaus Hirsch und 2011 kam die Ellwanger Gruppe bei dem landesweiten Wettbewerb "Närrischer Ohrwurm" auf den dritten Platz. Das 20-jährige Jubiläum ist noch allen lebhaft in Erinnerung. Damals war es so kalt, dass allein die Heizung für die Stadthalle, in der das große Jubiläumskonzert stieg, alle Einnahmen einschließlich CD-Verkauf aufgefressen hat.

Das will man dieses Jahr besser machen: das Jubiläumskonzert soll am 10. September auf dem Marktplatz stattfinden. "Gerne bei 30 Grad im Schatten, dann darf jeder sein eigenes Planschbecken mitbringen", sagt Franz Brenner dazu.

Franz Brenner (l.) und Andreas Hunke in dem Proberaum, in dem fast alle der mittlerweile über 70 Fasnachtsschlager eingespielt wurden.

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