Die Kartoffel – fit für die Zukunft?

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Robuste Sorten, die wenig Wasser brauchen, sind beim Kartoffelanbau gefragt. Landwirte und Politiker informieren sich darüber bei Anton Wagner in Ellwangen.
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Wohin die Reise beim Kartoffelanbau in Ellwangen geht und was das für die Gärtnerin und den Gärtner im heimischen Garten bedeutet.

Ellwangen

Früher hießen sie Sieglinde, Gala oder Linda. Doch die teils über 60 Jahre alten Kartoffelsorten machen sich zusehends buchstäblich vom Acker. Die Gründe dafür sind die klimatischen Veränderungen der vergangenen Jahre sowie neue Schädlinge, mit denen die alten Sorten nicht mehr so gut zurechtkommen, dass sich der Anbau für Landwirte und Hobbygärtner lohnen würde.

Kartoffelbauer Anton Wagner aus Neunheim stellt sich darauf ein. Aus diesem Grund hat er auf seinem Feld auf dem Buchenberg zwischen Ellwangen und Neunheim zusammen mit der Firma Europlant einen Feldversuch mit 18 Sorten gestartet. Das Ergebnis stellte Wagner zusammen mit Mark Mitschke vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst Kartoffelanbau Heilbronn und Markus Scharpf von der Firma Europlant den gut 40 interessierten Landwirten vor. Oberbürgermeister Michael Dambacher, Winfried Mack und Roderich Kiesewetter machten sich zusammen mit dem Bauernverbandsvorsitzenden Hubert Kucher ebenfalls ein Bild von den künftigen Herausforderungen.

Gefragt sind nun Sorten, die robuster sind, weniger Wasser benötigen und früher im Jahr geerntet werden können, bevor die große Hitze kommt. Wie beispielsweise "Corinna", eine sehr frühe Sorte und gut geeignet für Kartoffelsalat. Oder die mittelfrühe "Concordia". "Die kann man hervorragend bis Januar einlagern", erklärte Mitschke. Sehr gut gedeihen bei Wagner auch die Sorten "Belana" und die "Antonia".

Letztere ist eine prima Allround-Kartoffel, vorwiegend festkochend und bringt den Vorteil von lange stehendem Laub mit. Damit sorgt sie für ihren eigenen Schatten, das hilft, denn: "Wir können bei 35 Grad in den Schatten, die Kartoffel nicht," erklärte Anton Wagner den Umstehenden.

Die Kartoffel ist das Vitamin-C des Nordens.

Mark Mitsche Beratungsdienst Kartoffelanbau

Kurzfristige Anpassungen auf Veränderungen sind bei der Kartoffel aber nicht drin, betonte Mitschke, und Scharpf ergänzte: "Zehn bis 15 Jahre braucht eine neue Züchtung – und nochmal fünf Jahre für die Markteinführung." Deshalb wird jetzt schon an den Kartoffeln von Übermorgen geforscht. Dafür gehen die Züchter nach Chile, Südafrika, Schweden, um verschiedenste klimatische Bedingungen zu erproben.

Beliebt ist die Kartoffel mehr denn je, die Nachfrage, auch im Eigenanbau, stieg durch Corona enorm, so Scharpf. 21,7 Kilogramm isst der Deutsche im Schnitt pro Kopf und Jahr an Frischkartoffeln, verarbeitete Ware wie Tiefkühl-Pommes Frites oder Fertigpüree nicht eingerechnet.

Neue Schädlinge bereiten Kopfzerbrechen, wie etwa der Drahtwurm. Er kann bis zu 30 Prozent Ernteausfall verursachen und stammt eigentlich aus Südeuropa, fühlt sich hier aber mittlerweile wegen der Wärme ebenfalls sehr wohl. Gegen ihn helfen nur Pflanzenschutzmittel, betonte Mitschke. Oder ein verändertes Kundenverhalten, denn die Fraßgänge sind vor allem optisch eine Beeinträchtigung. "Aber im Laden kann ich so etwas nicht anbieten, das kauft keiner", so Mitschke. Solche Kartoffeln wandern ins Tierfutter oder in Biogasanlagen.

Tipps für Kartoffeln aus dem eigenen Garten

Kartoffeln benötigen zur Anzucht viel Wasser, dann mindestens alle 14 Tage wieder. Ist es zu trocken, sollte man nur in der frühen Morgenkühle wässern. Nachdem das Laub abgestorben ist, sollte man die Kartoffeln 14 Tage in der Erde ruhen lassen, bevor man sie erntet, damit sie eine gute Schale ausbilden. So sind sie auch unempfindlicher gegen Druckstellen, die die Kartoffel unter der Schale sonst graublau verfärben. Wer auf der Suche nach einem Sieglinde-Ersatz ist, dem empfiehlt Mitschke die Sorte "Monique". Sorten wie die "Concordia" eignen sich sehr gut für lange Lagerung, wenn sie zwischen vier und fünfzehn Grad, trocken und dunkel gelagert werden können. Für die Lagerung empfiehlt sich ein Leinensack oder eine Holzkiste. Äpfel sind schlechte Nachbarn, da Kartoffeln sonst durch das Reifegas Ethylen schneller verderben. jku

18 Sorten stehen auf dem Feld von Kartoffelbauer Anton Wagner auf dem Buchenberg zwischen Ellwangen und Neunheim.

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