Die nachhaltige Welt der Bajuwaren

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Wollfäden, gesponnen und gefärbt.
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Die Sonderausstellung „Ein kleines Dorf in einer großen Welt“ spiegelt den Konsum und Rohstoffverbrauch der Gegenwart.

Ellwangen

Das Tauschregal im Eingangsbereich des Alamannenmuseums ist neu. Es lädt dazu ein, Dinge abzulegen und andere dafür zu nehmen, wie es die Menschen des frühen Mittelalters taten. Die Römer nutzten „Pecunia“, Münzgeld. Als die Römer weg waren, wurde wieder getauscht und die Alamannen wie auch die Bajuwaren lebten wieder in strohgedeckten Holzhütten. Die römischen Steinhäuser der zerfielen.

In diese Zeit des frühen Mittelalters entführt die neue Sonderausstellung im Alamannenmuseum, die am Donnerstagabend im kleinen Kreis eröffnet wurde. Die Leiterin des Römer- und Bajuwaren Museums Kipfenberg, Claudia Stougard, erzählte wie die Nachbildung eines einfachen Dorfes jener Zeit entstand: Bei Bauarbeiten hatte man ein Grab entdeckt, den „Krieger von Kemathen“. Dieser Mann hat um 430 nach Christus bei Kipfenberg im Altmühltal gelebt. Er war römischer Söldner gewesen, man fand eine lange Spatha, das zweischneidige Schwert, einen Offiziersgürtel und ein Sturzgefäß aus Glas in dem Grab.

„Die Leute fragten oft, wenn sie die rekonstruierte Grabkammer besichtigten, nach Frau und Kinder des Toten und wir beschlossen, das Alltagsleben jener Zeit nachzubilden“, erklärte die Museumsleiterin. Als Leihgabe brachte sie die Ausstellung nach Ellwangen. Zwei Tage lang hat sie im Obergeschoss aufgebaut. Jetzt kann man sehen, wie sich die Bajuwaren jener Zeit kleideten, Körbe flochten, Wolle spannen und ihre Hütten bauten. Ausgesprochen anschaulich ist das alles und mit Texten, Bildern und Beispielen. Dass jede Station auch Möglichkeiten zum Anfassen und Aktivwerden bietet, macht diese Sonderausstellung auch für Kinder interessant, die mit verschlossenen Vitrinen nicht zu begeistern sind.

Sie können sehen, wie die Menschen jener Zeit aus Naturmaterialien ihren Hausstand bildeten. Nichts wurde weggeworfen, alles kann genutzt werden. Nachhaltigkeit und der besondere Wert selbstgefertigter Gegenstände wird in dieser Ausstellung deutlich.

Die Ausstellung schreit geradezu danach in Gänze er- und belebbar gemacht zu werden. Tatsächlich gibt es Überlegungen, ein begehbares Alamannenhaus oder -dorf in die Landesgartenschau 2026 einzubinden. Sobald die Dauerausstellung weitgehend fixiert ist, soll das Thema Alamannen weitergedacht werden, sagt Oberbürgermeister Michael Dambacher, der dem Förderverein für die finanzielle Unterstützung der Sonderausstellung dankte.

Museumsleiter Andreas Gut freute sich, dass zum 20-jährigen Bestehen nun ein Geburtstagsgeschenk „made in Bayern“ hinzukommt. Der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Hermann Krampfl, überbrachte die Grüße des Vorsitzenden.

Wir beschlossen, das Alltagsleben jener Zeit nachzubilden.“

Claudia Stougard, Museumsleiterin
  • Öffnungszeiten und Begleitprogramm
  • Die Sonderausstellung „Ein kleines Dorf in einer großen Welt – Alltagsszenen des 5. und 6. Jahrhunderts“ ist bis 18. September 2022 im Alamannenmuseum Ellwangen zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 13 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung. Führungen gibt es am kommenden Sonntag um 15 Uhr sowie jeden ersten Sonntag im Monat nach Voranmeldung. Beim Aktionstag zum internationalen Museumstag am 15. Mai 2022 soll der Museumshof im Sinn des „kleinen Dorfes“ belebt werden. Nähere Infos im Internet, www.alamannenmuseum-ellwangen.de
Alles wurde verwendet, nichts wurde weggeworfen. Aus Knochen und Gehörn der geschlachteten Tiere entstanden Kämme und Werkzeuge.
Lebensumstände des frühen Mittelalters anschaulich gemacht: (v.l.) die Leiterin des Römer und Bajuwaren Museums Kipfenberg, Claudia Stougard, OB Michael Dambacher, der Leiter des Alamannenmuseums Andreas Gut sowie Hermann Krampfl, stellvertretender Vorsi
Körbe, geflochten aus Ruten, Stroh und Rinde.

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