Die NATO plant die Verteidigung

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Generalleutnant Alexander Sollfrank ist Befehlshaber des Kommando Ulm.
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Generalleutnant Alexander Sollfrank spricht in der Reinhardt-Kaserne über die Aufgaben des Kommando Ulm für EU und NATO.

Ellwangen

Während in Deutschland munter über die Lieferung von Leopard 2-Panzern an die Ukraine gestritten wird, macht sich der Befehlshaber des Kommando Ulm längst Gedanken darüber auf welchen Routen schweres Gerät an die Ostflanke der NATO gebracht werden kann. Generalleutnant Alexander Sollfrank, der im Olgasaal der Reinhardt-Kaserne auf Einladung des Sprachenzentrums Süd und der Gesellschaft für Sicherheitspolitik sprach, vereint zwei Kommandos in einer Person: das Multinationale Kommando operative Führung (MNJHQ) für die Planung und Führung von Einsätzen der EU und das ISEC (Joint Support and Enabling Command) der NATO.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat die NATO ihre Ostflanke fast verzehnfacht: aktuell sind rund 40 000 NATO-Soldaten vom Baltikum über Polen bis nach Rumänien stationiert und 130 NATO-Flugzeuge permanent vor Ort. Hinzu kommen die nationalen Armeen. "Eine klare Botschaft an den russischen Präsidenten" nennt das Alexander Sollfrank. Aktuell würden konkrete Pläne aufgestellt, wie jedes einzelne NATO-Mitglied verteidigt werden kann.

Die "sehr genaue Zuweisung von Kräften an bestimmte Räume" wird in Ulm in der Wilhelmsburg koordiniert. Dazu gehört die Aushandlung von Verträgen über Nutzung von Flugplätzen, Seehäfen ebenso wie Vereinbarungen über den Grenzübertritt von Kampfeinheiten. Munitionsdepots und Versorgungsstellen müssen bestückt werden, bevor die Truppen eintreffen. Routen mit belastbaren Brücken für schwere Fahrzeuge müssen festgelegt werden, Bahnstrecken und Ausweichrouten ebenso.

Es ist alles andere als eine triviale Aufgabe, die das neue Modell der NATO für die Mobilisierung von Einsatzkräften vorsieht: 100 000 Soldaten samt Gerät müssen binnen zehn Tagen vor Ort sein, 200 000 in maximal 30 und 500 000 in maximal 180 Tagen.

Dass es Russland im Februar 2022 erneut gelang, den Westen strategisch zu überraschen, führt der General auf die Schnittstelle zwischen Militär und Politik zurück. Man habe zwar dasselbe gesehen, es sei jedoch unterschiedlich interpretiert worden. "Wir müssen mit dem rechnen was möglich ist, nicht was wahrscheinlich ist. Täuschung ist ein klassisches Element der Kriegsführung."

Der Krieg in der Ukraine zeige die Bedeutung der kinetischen Kriegführung, während Cyberwaffen bislang eine eher untergeordnete Rolle spielen, meinte Sollfrank, nach der Maxime: "When there is a Tank, its better to have a Tank".

Gerhard Ziegelbauer, Vorsitzender der GSP Ostwürttemberg, beklagte die Verteidigungspolitik der letzten Jahre. Die Bundeswehr sei kaputt gespart, auf Einsatzbereitschaft sei gepfiffen worden. "Kein Land behandelt ihre Truppe so schlecht wie wir in Deutschland."

Das Kammerensemble des Heeresmusikkorps Veitshöchheim umrahmte den ersten, sehr gut besuchten Wintervortrag mit Musik von Gospel bis zur Nationalhymne.

Generalleutnant Alexander Sollfrank ist Befehlshaber des Kommando Ulm.

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