„Die Stadt lässt uns im Stich“

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Lärmbelastung durch den Verkehr an der B290: Die Anlieger haben es satt und fordern, dass die Stadt aktiv wird. Peter Hunke, Jonas Lingel und Klaus Winter (v.l.) stehen für mehr als 60 Personen, die eine Temporeduzierung und stationäre Blitzer fordern.
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Anwohner wehren sich gegen zunehmenden Lärm auf der Haller Straße und der Konrad Adenauer Straße und fordern, dass die Stadt endlich etwas dagegen unternimmt.

Ellwangen

Die Bundesstraße 290 ist neben der Landesstraße 1060 Verkehrsschwerpunkt der Stadt Ellwangen. 19 100 Kraftfahrzeuge am Tag, davon sieben Prozent Schwerlastverkehr, stellte das Büro Brenner Bernard in seinem Lärmgutachten bereits 2017 für die Haller Straße fest. Weil die Zahl der Pendler zunimmt und weil die Gewerbegebiete überall ausgebaut werden, werden es immer mehr Fahrzeuge.

Die Leidtragenden sind die Anwohner. Wer hier ein Haus besitzt, kann nicht einfach weg, auch wenn allmählich „die nackte Verzweiflung herrscht“, wie es Peter Hunke ausdrückt. Immerhin hat die Stadt schon vor geraumer Zeit einen Lärmaktionsplan auf den Weg gebracht und teilweise Lärmschutzmaßnahmen an den Häusern gefördert. Hunkes Hoffnung, dass auch der Verkehr beruhigt wird und es am Sandberg, wo er wohnt, wenigstens nachts bald etwas weniger laut werden könnte, haben sich bei der jüngsten Gemeinderatssitzung zerschlagen.

Da lag eine Stellungnahme des Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS) auf dem Tisch, wonach in der Haller Straße und in der Konrad Adenauer Straße eine Temporeduzierung auf 40 Stundenkilometer möglich wäre. Nur nicht auf der Westtangente, wo keine Anwohner betroffen sind.

Doch auf Antrag der Stadtverwaltung beschloss der Gemeinderat mehrheitlich, die Temporeduzierung beim RP nicht zu beantragen, sondern abzuwarten, wie sich der vom RP in Aussicht gestellte Einbau von „Flüsterasphalt“ auswirken wird.

„Wann hier ein neuer Straßenbelag eingebaut wird, ist völlig offen. Die Stadt lässt uns im Stich“, kritisiert Hunke. Zumal die Anwohner nicht glauben, dass ein neuer Straßenbelag ihr Problem löst. „Was wir hören, sind die Motorgeräusche und die schlagenden Schachtdeckel. Da wackeln die Kaffeetassen auf dem Tisch, bei jedem Laster“, sagt Klaus Winter, der in der Nähe der Jet-Tankstelle wohnt.

Jonas Lingel erlebt das ganz ähnlich in der Konrad Adenauer Straße beim „Rockhof“. Er sieht in der überhöhten Geschwindigkeit der meisten Fahrzeuge das Grundproblem und versteht nicht, warum die Stadt nicht aktiv wird: „Von Aalen kommend sind die meisten viel zu schnell. Da bremst keiner runter, weil erst auf der Hochbrücke die erste Ampel kommt.“ Tempo 40 und ein stationärer Blitzer wären ihm zufolge das Richtige, „denn wo nicht gemessen wird, hält sich keiner an das Tempolimit.“

Peter Hunke hat eine Unterschriftenaktion gestartet, er ging von Haus zu Haus und stellte fest, dass die Anwohner überall genervt sind: „Die meisten haben sofort unterschrieben.“ 60 Namen hat er bis jetzt, einige wollen noch nachreichen. Mit den Protestschreiben will er am Dienstag zu Oberbürgermeister Michael Dambacher gehen.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn am Mittwoch kommt im Gemeinderat ein Antrag der Fraktion der Grünen zur Abstimmung. Die Forderung einer Temporeduzierung auf 30 Stundenkilometer und zwei stationäre Blitzer. Das Geld dafür ist bereits im Haushalt eingestellt, allerdings mit Sperrvermerk.

Die Sitzungsvorlage ist bereits im Internet zu lesen: Die Stadtverwaltung empfiehlt den Antrag abzulehnen, weil Tempo 30 auf Bundesstraßen nur bei einer „besonderen Gefahrenlage“ angeordnet werden könne. Die Entscheidung zum Blitzer rät sie zu verschieben. Man solle erst die Auswertung jüngster Tempomessungen abwarten.

Bei uns herrscht mittlerweile die nackte Verzweiflung.“

Peter Hunke, Anwohner in der Haller Straße

Die Themen der Gemeinderatssitzung am 6. Mai

Bei der Gemeinderatssitzung am 6. Mai um 17 Uhr geht es unter anderem um das Einzelhandelskonzept und die Ansiedlung eines Drogeriefachmarktes, um die Forsteinrichtung bis 2030, um das Radwegeprogramm 2021, den Lärmaktionsplan (Antrag der Grünen) und die Anpassung der Schulordnung der Musikschule wegen Corona. Die Video-Sitzung wird in den kleinen Sitzungssaal übertragen.

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