Die Wirtschaften in den Startlöchern

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So präsentierte sich die Fußgängerzone, als im Mai 2020 die Gastronomie wieder freigegeben war. Ab Samstag könnte sich diese Szenerie wiederholen, wenn die Inzidenz in den nächsten zwei Tagen unter 100 bleibt. Archivfoto: Jürgen Kunze
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Die Wirte warten sehnsüchtig darauf, dass die Inzidenz fünf Werktage in Folge unter 100 bleibt. Martin Hald, stellvertretender Dehoga-Vorsitzender, über die aktuelle Situation.

Ellwangen

Wenn alles gut geht, kann am Samstag in den Wirtschaften das erste Bier gezapft werden. Die Gäste können außen auf den Gartenterrassen oder in den Gaststuben endlich wieder das genießen, was sie seit Monaten vermissen: Geselligkeit, Geschmack und den Service, den nur ein Gastbetrieb bieten kann und nicht die eigene Küche zuhause.

Der Plan, den Martin Hald, stellvertretender Dehoga-Vorsitzender, bereits am Freitag aufstellte, als erstmals seit 18. März die Inzidenz im Ostalbkreis unter 100 gefallen war, geriet kurzzeitig ins Wanken. Am Samstag lag jener Wert, auf den jeder Gastronom derzeit blickt, wieder bei 105 und manche fürchten schon den Alptraum schlechthin, die Zitterpartie, den On-Off-Modus, wenn die Inzidenz nicht stabil und stetig fällt, sondern um den Wert von 100 zappelt. Außerdem stand zu befürchten, dass sich die Öffnung nun um Tage verschiebt.

Das Landratsamt hat am Dienstag jedoch klar gestellt: Der vorübergehende Anstieg der Inzidenz über die Pfingsttage wirkt sich nicht aus. Wenn der Wert bis Donnerstag unter 100 bleibt, kann das Landratsamt am Freitag verfügen, dass ab Samstag die Gastronomie öffnen darf.

Martin Hald, Betreiber von Landhotel „Hirsch“ und „Schloss-Schenke“, nennt die Arbeit der Gastronomen im Moment „eine ganz dünne Gratwanderung“, nicht nur, weil man aufgrund der Inzidenz Gäste vertrösten, Buchungen absagen oder verschieben muss. Auch die Personalplanung und der Einkauf werden zum Roulette.

„Ich habe das Glück, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geblieben sind. Das ist aber nicht überall so“, sagt er und verweist auf Kollegen, die dringend Bedienungen oder Küchenpersonal suchen, weil ihre Leute aufgrund der langen Schließung andere Jobs angenommen haben.

Ganz wichtig für die Gastronomie sei es, dass jetzt wieder ein konstanter Betrieb stattfindet. Wichtig für die Beschäftigten und wichtig für die Kunden, damit sie den Besuch im Gasthaus wieder als selbstverständlich und unproblematisch erleben.

Dass es so weit kommt, dafür tragen die Gastronomen eine Mitverantwortung, sobald die Betriebe wieder öffnen.

Hald: „Es liegt jetzt auch an uns, dass die Werte unten bleiben. Wir müssen darauf schauen, dass unter den Gästen die drei 'g' eingehalten sind: getestet, geimpft, genesen.“

Dass die Wiederöffnung mit einem riesigen Fest gefeiert, glaubt Hald nicht. Schon die 3g-Vorgabe werde das verhindern. „Wir werden nicht so schnell bei 100 Prozent sein. Ich bin schon froh, wenn wir wieder bei 50 Prozent sind.“

Das ist im Moment eine ganz dünne Gratwanderung.“

Martin Hald, 2.Vorsitzender Dehoga Ostalb

Im benachbarten Bayern ist schon eine Woche offen

In Dinkelsbühl ist die Außengastronomie schon seit einer Woche wieder erlaubt. Die Tische waren am Wochenende gut besetzt, von Straßenfestatmosphäre, die manche nach Corona erwarteten, war am Wochenende aber noch nichts zu sehen. Die Gäste wirkten glücklich, doch überschäumende Freude sieht anders aus. Das mag am eher kühlen Wetter liegen, noch nicht für den Biergarten geeignet. Vielleicht aber auch daran, dass die Menschen dem Braten noch nicht recht trauen. Die Pandemie hatte in den zurückliegenden 14 Monaten so viele Überraschungen parat, da kann man nicht recht glauben, dass jetzt der Spuk endgültig vorbei sein soll. gek

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