Die Zeit der Pioniere in der Frauenarbeit ist vorbei

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Das Guthaben auf dem Vereinskonto haben sie der Caritas für das Frauenhilfsprojekt im Sebastiansgraben (Bild) gespendet: (v.l.) Markus Mengemann, Dorothee Irion-Ulmer, Barbara Hartung, Tamara Bolz, Martina Osiander.
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Als Dorothee Irion-Ulmer "Frauen helfen Frauen" gegründet hat, waren Frauen in Not noch oft auf sich allein gestellt. Jetzt gibt es Hilfe und Beratung von vielen Seiten und der Verein wird nicht mehr benötigt.

Ellwangen

Sie sitzen bei Kaffee und Kuchen zusammen und können sich entspannt zurücklehnen: Dorothe Irion-Ulmer, Martina Osiander, Barbara Hartung. Die Arbeit, die sie im Verein "Frauen helfen Frauen" seit 2003 geleistet haben, wurde von hauptamtlichen Kräften in sozialen Organisationen, Landratsämtern und Rathäusern übernommen. Deshalb hat die letzte Versammlung der 35 Mitglieder beschlossen, den Verein aufzulösen und das Guthaben, rund 2660 Euro, der Caritas zu spenden. Die bietet nämlich in Ellwangen seit einiger Zeit Beratung für Frauen in Not an und sogar Wohnräume im Sebastiansgraben 33. Projektbeauftragte ist Tamara Bolz, die mit dem Geld unter anderem den Mal- und Werkraum im Untergeschoss einrichten kann. Sie erzählt, dass bis zu fünf Personen in der Frauenwohnung leben können, die stark nachgefragt wird. Aktuell gebe es eine Warteliste.

Die Vergabe erfolgt in Absprache mit dem Sozialamt der Stadt Ellwangen an Frauen in Not, die für eine Übergangszeit hier unterkommen. Auch Frauen mit Kinder können in den fünf Zimmern mit Gemeinschaftsküche wohnen. Wenn allerdings die Gefahr besteht, dass es zur Konfrontation mit einem gewaltbereiten Partner kommen könnte, ist das Schutzhaus in Schwäbisch Gmünd die bessere Adresse.

"Wir haben unser Frauenprojekt im Sebastiansgraben für fünf Jahre finanziert, dank Unterstützung der Aktion Mensch", sagt Caritas-Regionalleiter Markus Mengemann. Besondere Vorteile bietet die Beratungsstelle im selben Gebäude, wodurch für die Frauen immer Ansprechpartner vor Ort sind.

Die Probleme alleinerziehender Frauen haben sich nicht wesentlich geändert, seit Dorothee Ulmer und ihre Mitstreiterinnen zusammen aus einer Aktionsgruppe am Jugendzentrum 2001 das Frauennotruftelefon gegründet hat. "Damals war es noch ein gewagter Schritt, sich vom Partner zu trennen", erzählt sie. Am Telefon meldeten sich Frauen mit Gewalterfahrungen, die zwischen der Sorge um die Kinder und die eigene Zukunft aufgerieben wurden. Sie fanden Verständnis, Rat und Hilfe von Frauen, die bereits fachlich geschult waren oder sich durch Fortbildungen für ihre Aufgabe rüsteten. "Einmal hatte ich eine Frau am Telefon, die über 70 Jahre alt war und sich auf dem WC eingeschlossen hatte, weil sie Angst vor ihrem Ehemann hatte", berichtet Ulmer, die in der Situation nur die Polizei schicken konnte.

Aus dem Verein entstanden bald weitere Initiativen wie das Frauenfrühstück. "Windeln, Wut und wilde Träume und dann allein in Ellwangen", lautete das Motto. Es entstanden Aktione mit Kindern, ein runder Tisch zur Frauenarbeit und vor Kommunalwahlen war man auch politisch aktiv und lud die Parteien mit Frauen auf der Kandidatenliste zu Diskussionen ein.

"Frauen helfen Frauen"gelang es so, andere für das Problem alleinerziehender Frauen zu sensibilisieren. Die Stadt Ellwangen finanzierte das Frauennotruftelefon bis schließlich von der Bundesregierung eine bundesweite Hilfsnummer geschaltet wurde. Der internationale Frauentag wurde von der Stadtverwaltung unterstützt, die Stelle einer Frauenbeauftragten geschaffen. "Alleinerziehende sind heute selbstbewusster, Trennung oder Scheidung sind kein Stigma mehr und wir haben gute Beratungsangebote im Ostalbkreis", sagt Dorothee Irion-Ulmer, warum sich der Verein zur Auflösung entschieden hat.

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