EATA: Mehr als ein zartes Pflänzchen

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Frisch gebackene Auszubildende: Erica Cardullo und Umberto Nola beginnen im Oktober ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft in der St. Anna-Virngrundklinik in Ellwangen. Von Links: Dorothea Ewers (Geschäftsführerin EATA), Erica Cardullo, Umberto Nola, Ulrich Nagl (Geschäftsführer EATA) und Uwe Glowienke, Job-Coach EATA. 
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Während es auf der Baustelle alles andere als rund läuft, zeigen sich die Beteiligten vom bereits laufenden eigentlichen Lehrbetrieb angetan. Wie die EATA ankommt.

Ellwangen

Zuletzt machte die EATA im Gemeinderat von sich reden: Viel teurer als geplant wird die Sanierung des Z-Baus der ehemaligen Kaserne, in dem die EATA einmal ihr Quartier beziehen soll. Doch wie steht es eigentlich um den laufenden Betrieb der EATA?

Im ehemaligen Fahrschullehrgebäude der Kaserne sammelt die EATA gGmbH bereits Praxiserfahrung und das mit Erfolg, so Geschäftsführerin Dorothea Ewers. „Die EATA als Projekt lebt bereits und ist mehr als ein zartes Pflänzchen.“

Schon rund 100 junge Menschen aus Süd- und Osteuropa haben hier die Vorbereitung auf das deutsche Ausbildungswesen erhalten, die sogenannte Einstiegsqualifizierung (EQ). Diese ist flexibel auf einen Zeitraum von sechs bis 12 Monaten ausgelegt und kann mit Praktika in Betrieben angereichert werden, wenn die jungen Menschen dafür bereit sind.

„Unser Ansinnen ist es nicht, doppelte Strukturen aufzubauen“, betont Ewers.

„Wenn die Teilnehmer hier so weit sind, gehen sie ganz normal in den Betrieb und die Berufsschule“, verdeutlicht Uwe Glowienke, der EATA-Job-Coach. Seine Aufgabe besteht zum einen darin, die Jugendlichen durch den deutschen Behördendschungel zu lotsen, zum anderen aber auch, das Netzwerk zu den Betrieben in der Region auszubauen und Kontakte zu halten. Gut 100 Betriebe hat Glowienke im Netzwerk, und es dürften gern noch mehr sein, appelliert er.

Bewerbersichtung im Ausland

Für die Sichtung und Gewinnung der Bewerber greift die EATA ebenfalls auf bestehende Strukturen zurück. „Das Kolping Bildungswerk und das Erasmus Plus-Programm helfen uns hierbei enorm“, so Ewers. Der Fokus liegt dabei auf den Berufen im Bereich Pflege, Erziehung, Bauwesen, Lager und Logistik sowie Hotel und Gastronomie.

In Italien etwa wirbt eine freie Mitarbeiterin des Kolping Bildungswerks an weiterführenden Schulen. „Nicht überall funktionieren die Inhalte. In Spanien etwa dürfen Pflegekräfte inhaltlich viel verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen, als hier.“

Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Italien mit 29 Prozent und Spanien mit fast 41 Prozent sind die Verantwortlichen der EATA vom Grundgedanken überzeugt. „Alle Seiten profitieren“, so Geschäftsführer Ulrich Nagl: „Die jungen Menschen bekommen eine Perspektive, sammeln Erfahrung und können sich hier oder später auch in ihrer Heimat etwas aufbauen. Und wir können aktiv etwas gegen den Fachkräftemangel unternehmen.“ 70 Bewerbungen gehen auf die derzeit 20 Plätze ein. „Wir können später bis zu 198 Plätze anbieten, wenn der Z-Bau fertig ist“, so Nagl. „Wirtschaftlich läuft der Betrieb bereits ab einer Auslastung von 60 Prozent.“ Vom Standort Ellwangen ist er überzeugt: „Hier passt alles.“

Glückliche Auszubildende

Frisch vom erfolgreichen Vorstellungsgespräch für Pflegefachkräfte in der St. Anna-Virngrundklinik kommen Erica Cardullo und Umberto Nola. Die beiden 19-Jährigen stammen aus Sizilien und sind überglücklich. „Meine Freunde sind arbeitslos, oder gehen zur Universität, wenn sie es sich leisten können,“ so Erica Cardullo. Das kann aber längst nicht jeder.

Ähnliche Beweggründe führt auch Umberto Nola an. „Natürlich vermisse ich meine Familie und die Freunde, aber ich möchte lernen und arbeiten. In Italien geht das nicht.“ Die Familie stehe aber voll dahinter: „Meine Mutter arbeitet selbst im Krankenhaus in Italien. Sie hat mich unterstützt und gesagt, ich solle die Chance nutzen.“

Die beiden meistern dabei nicht nur die sprachlichen Hürden, auch ganz Alltägliches gehört dazu. Selbst kochen, waschen, den Alltag komplett selbst organisieren und nebenbei Sprachunterricht und Berufsorientierung? „Ich will das machen, und freue mich. Ich mag den Kontakt zu Menschen und will helfen“, umschreibt Cardullo ihre Motivation.

Natürlich ist hier vieles anders, Schnee haben die beiden hier zum ersten Mal gesehen: „Das gibt es nicht auf Sizilien“, lacht Cardullo. An Weihnachten haben die Schüler hier einen eigenen Weihnachtsbaum aufgebaut, nach Hause konnten sie wegen Corona nicht. Dennoch sind sie sicher, dass es die richtige Entscheidung war: „Ich kann es zu Hause jedem empfehlen, der auch arbeiten möchte“, meint Nola. Seine Perspektive sieht er hier.

Zufriedene Betriebe

Bernd Ziegler, pflegerischer Standortleiter der St. Anna-Virngrundklinik, bewertet das Projekt denn auch sehr positiv: „Ich bin sehr glücklich, dass wir die EATA hier am Standort haben. Es sind bereits die Auszubildenden Nummer 2 und 3. Wir hatten letztes Jahr schon einen Auszubildenden eingestellt. Die Zusammenarbeit mit allen klappt sehr gut.“

Die Auszubildenden seien sprachlich gut vorbereitet, und der Integrationsprozess laufe bereits. „Dazu kommt: Wer sich dafür entscheidet, ist diszipliniert und motiviert.“ Die EATA helfe enorm, denn Nachwuchsgewinnung sei inzwischen seine tägliche Arbeit geworden.

Die EATA als Projekt lebt bereits und ist mehr als ein zartes Pflänzchen.“

Dorothea Ewers, Geschäftsführerin EATA gGmbH

EATA-Betrieb in Zahlen

Auszubildende Seit Bestehen des Programms 2018 haben fast 100 Jugendliche und junge Erwachsene das Programm durchlaufen. 40 Prozent davon leben und arbeiten weiterhin in Deutschland. 17 ehemalige Teilnehmer sind voll in Arbeit, 11 derzeit in dualer Ausbildung und 6 im Rahmen der Einstiegsqualifizierung (EQ) in der Vorbereitung für eine Ausbildung.

Herkunft Die Jugendlichen kommen derzeit vorwiegend aus Süditalien, auch in Spanien, Griechenland und einigen osteuropäischen Ländern war die EATA über ihr Netzwerk aktiv.

Betreuung Aktuell sind zwei Lehrkräfte tätig, hinzu kommt ein Job-Coach. Bei Bedarf und steigenden Zahlen kann die EATA über die Kolping Berufsbildung flexibel auf Teilnehmerzahlen reagieren.

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