Ein Bücherschatz im Dachgebälk

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Der Geschichts- und Altertumsvereins würde die Bestände seiner Bibliothek gerne in Form einer Lesebibliothek zu Recherchezwecken öffentlich zugänglich machen. Dafür benötigt die Bibliothek aber eine Perspektive. Und viel Arbeit an Sichtung und Erfassung.
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Was es mit der Bibliothek des Geschichts- und Altertumsvereins auf sich hat und wie es um sie bestellt ist.

Ellwangen

Diese Bibliothek fristet ein absolutes Nischendasein, und ist ein noch größeres "Sorgenkind" als die historische Lehrerbibliothek des Peutinger Gymnasiums. Hier gilt offensichtlich das alte Sprichwort: "Die besten Schuster haben selbst die schlechtesten Schuhe." Es handelt sich um die Bibliothek des Geschichts- und Altertumsvereins Ellwangen (GAV), der am 10. November 1904 gegründet wurde. Die Anfänge der Bibliothek selbst liegen im GAV, der über die Jahrzehnte beständig hinzukaufte. Gewachsen ist sie zudem aus Schenkungen zu besonderen Anlässen und dem Nachlass Ellwanger Bürger.

Heute ist die Bibliothek grob in zwei Bereiche gegliedert: einmal Jahrbücher anderer GAV aus allerlei Orten, Städten und Regionen, die einstmals zum Territorium der Fürstpropstei Ellwangen gehörten. Zum anderen in Werke über die Lokalgeschichte der Stadt an der Jagst mit ihrer langen und bewegten Geschichte.

Wer aber nun selbst auf Spurensuche in die Vergangenheit gehen und stöbern möchte, wird zunächst enttäuscht werden. "Die Bibliothek ist keine Leihbibliothek", erklärt Christoph Remmele, Leiter des Stadtarchivs und als Mitglied des Geschichts- und Altertumsvereins auch gleichzeitig verantwortlich für die Bibliothek des Vereins. "Und sie wird es wahrscheinlich auch nie werden."

Dem stehen mehrere Gründe entgegen. Zunächst einmal die Unterbringung selbst. Im historischen Gebälk des ehemaligen Rathauses, der heutigen Musikschule, stehen die Bände dicht an dicht, zum Teil auf Holzregalen. Im Sommer bei Gluthitze, im Winter in der Kälte. "Es ist glücklicherweise trocken", so Remmele. Aber der Ort ist sehr ungünstig. "Das ist auch das größte Problem der Bibliothek. Wir brauchen eine dauerhafte Perspektive für eine angemessene Unterbringung."

Thomas Rathgeb, Vorstand des GAV, würde sich wünschen, dass die Bibliothek einmal wie eine Art Lesezimmer genutzt werden kann, geöffnet zu festen Zeiten und mit Raum für Recherche vor Ort. "Wir waren und sind immer wieder in Gesprächen mit dem Land, um auf dem Schloss so etwas zu realisieren", erklärte Rathgeb. Aber bislang ohne konkretes Ergebnis.

Wenn eine Perspektive für eine angemessene Unterbringung gegeben ist, so Remmele, dann muss die wichtigste Aufgabe angegangen werden. Denn was bei der Lehrerbibliothek des Peutinger Gymnasiums bereits geschehen ist, fehlt hier noch: Die Bestände sollten vor einem Umzug begutachtet und systematisch in einer Datenbank erfasst werden.

"Wir müssen die Dubletten ausfiltern. Einige Exemplare sollten restauriert werden, und manche gehören eigentlich ins Stadtarchiv." Wie beispielsweise historische Güterbücher aus der Zeit vor 1840, oder Schuldbücher des Spitals um 1750, von denen sich auch hier Exemplare finden. Viel Arbeit bei über 200 Regalmetern an Büchern und Dokumenten, aber unbedingt notwendig. Denn: "Außer der Grobeinteilung gibt es keine dokumentierte Systematik", verdeutlicht Remmele. "Da wartet Arbeit für viele Jahre. Wer etwas spezielles sucht, muss sich mit genauen Angaben danach an mich wenden. Ich kann dann etwa abschätzen, ob wir es da haben könnten." Und dann macht sich Remmele auf die Suche.

"Da wartet Arbeit für viele Jahre."

Christoph Remmele , Leiter Stadtarchiv
  • Wissenswertes zur Bibliothek
  • Gegründet wurde der Geschichts- und Altertumsverein (GAV) Ellwangen am 10. November 1904. Der Verein pflegt regen Schriftverkehr und Austausch mit anderen GAV, die einst zum Territorium der ehemaligen Fürstpropstei gehörten. Die Publikationen von diesen Vereinen sowie Publikationen über Ellwangen finden in dieser Bibliothek ein Zuhause. Daneben gibt es Festschriften zu Jubiläen und Vereinen. Komplettiert wird die Sammlung durch Spezialliteratur zur Entzifferung alter Schriften, Hofbücher und Adelsverzeichnisse.

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