Ein Hamlet hat es heute schwer

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Der Leiter der Ellwanger Stadtbibliothek in einer gemütlichen Leseecke im zweiten Obergeschoss. Das Angebot der Bibliothek wird sehr gut angenommen. Viel Arbeit und Herzblut steckt Effinger in die Aufgabe, junge Menschen zum Lesen zu animieren.
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Wie Ellwangens Stadtbibliothek aufgestellt ist und welche Veränderungen sie in der jüngsten Zeitdurchlaufen hat.

Ellwangen

Eine Serie über Ellwangens Bibliotheken zu verfassen, ohne die Stadtbibliothek zu streifen, ist unmöglich. Auch wenn sie vermeintlich die unspektakulärste, weil präsenteste ist. Doch die Stadtbibliothek hat einige unbekannte Seiten, über die uns der Leiter, Johannes Effinger, tiefere Einblicke gibt.

Denn eine Leihbibliothek lebt, so Effinger. "Sie passt sich den Lesegewohnheiten und Bedürfnissen der Nutzer an, sonst wird sie nicht angenommen und verfehlt ihren Zweck."

Die Ellwanger Bibliothek wird rege genutzt, weiß Effinger. Von 140 000 Ausleihen in 2014 hat sich die Bibliothek kontinuierlich gesteigert und in der Pandemie sogar eine Rekordhöhe von 210 000 erreicht.

"Wir tun aber auch einiges dafür. Wir sind sehr aktiv in Grundschulen, aber auch mit kulturellen Veranstaltungen. Man muss ein Auge auf aktuelle Trends haben und sich anpassen."

Um diese Prozesse zu verstehen, lohnt in diesem Fall der Blick in den Untergrund. Denn hier hat sich im Vergleich zu früher Grundlegendes verändert.

Wie jedes Museum verfügt eine Bibliothek über Bestände, die sie nicht allgemein zugänglich präsentieren kann oder möchte, aus verschiedenen Gründen. Zum einen sind das Bestände, die aufgrund ihrer Seltenheit nur auf Anfrage herausgegeben werden, oder Exemplare, die für die Aussortierung vorgesehen sind. Daneben war früher Platzmangel die Hauptursache, bestimmte Bestände in den Magazinen zu "parken".

Die Magazine der Stadtbibliothek sind hingegen heute kaum mehr mit überzähligen Beständen gefüllt. Zwar befinden sich hier noch immer seltene oder aussortierte Bücher. Doch den meisten Raum nehmen im Keller die neu geschaffenen "Medienkisten" für Kitas ein.

"Einige Bestände oben im Präsenzraum wurden nicht mehr nachgefragt und nach und nach abgebaut", erklärt Effinger. Das betrifft vor allem Sachbücher. Lexika oder spezielle Fachliteratur findet heutzutage weitgehend digital statt. "Im Bereich Sach- und Fachbücher wird tatsächlich auch viel weniger gedruckt publiziert als noch vor zwanzig Jahren", erklärt Effinger.

Und noch etwas erstaunt und lässt das Herz bluten: Die Klassiker der Weltliteratur geben sich inzwischen im Keller ein Stelldichein. Shakespeare, Thomas Mann und Hermann Hesse finden kein Publikum mehr. "Die Exemplare bleiben da, und weiterhin ausleihbar. Aber es kommt einfach keiner mehr und fragt danach", gesteht Effinger, nicht ohne Wehmut.

Zumindest nach der gedruckten Form. Denn die Stadtbibliothek hat ein breites Angebot an eBooks und digitalen Medien, das inzwischen fast 28 Prozent des Gesamtbestandes der verfügbaren Medien ausmacht. Auch das schafft Raum.

Den nutzt die Bibliothek, um Verweilorte zu schaffen. Die Bibliothek als Treffpunkt, das war in Ellwangen vor Corona ein gern genutztes Angebot. "In der Pandemie haben wir uns umgestellt, von der Präsenz- zur kontaktlosen Thekenbibliothek. Das wurde sehr gut und dankend angenommen", so Effinger.

Vieles davon merkt man noch heute. "Die Verweildauer der Besucher ist kürzer. Wir hoffen darauf, dass sich das wieder ändert. Doch zur Zeit wird weniger gestöbert, sondern gezielt ausgeliehen." Dank Web-Katalog und App ist das heutzutage problemlos möglich. Dort finden sich im übrigen die Werke von Shakespeare und Hermann Hesse genauso einfach wie ein Henning Mankell.

  • Wissenswertes zur Stadtbibliothek
  • Die Stadtbibliothek befindet sich seit 1991 im historischen Wirtschaftstrakt des Palais Adelmann. Rund 50 000 Medien können vor Ort ausgeliehen werden, gut 20 000 digitale Medien kommen dazu. Jeder zehnte Ellwanger besitzt einen Bibliotheksausweis. Einen besonderen Schwerpunkt legt die Bibliothek auf die Kinder- und Jugendabteilung, aber auch Gesellschaftsspiele, Zeitschriften und andere Medien komplettierten die klassischen Krimis und Urlaubsschmöker.

"Es wird weniger gestöbert, sondern gezielt ausgeliehen."

Johannes Effinger , Leiter Stadtbibliothek

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