Ein Stück Rom in Ellwangen

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Hier sollen am Samstagvormittag 3000 bis 4000 Menschen die Seligsprechung von P. Philipp Jeningen erleben. Die große Bühne vom Katholikentag in Stuttgart macht sich gut auf dem Marktplatz. Davor stehen (v.l.) P. Martin Stark SJ, Bischof Gebhard Fürst, Stadtpfarrer Sven van Meegen und Oberbürgermeister Michael Dambacher.
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Bischof Dr. Gebhard Fürst sieht Pater Philipp Jeningen als Repräsentant einer armen Kirche. Warum die Seligsprechung an diesem Wochenende trotzdem ganz groß gefeiert wird.

Ellwangen

Bereits einen Tag vor der Seligsprechungsfeier ist der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Ellwangen. Am Freitag beim Pressegespräch im Jeningenheim erläutert Dr. Gebhard Fürst, was dieses Ereignis für die Diözese bedeutet. Ein rauer Weg sei es gewesen, seitdem 1920 in Rom zum ersten Mal der Antrag auf Seligsprechung von P. Philipp Jeningen gestellt wurde. Erst 1989, nachdem der „heroische Tugendgrad“ des 1704 gestorbenen Jesuiten festgestellt wurde, kam Bewegung in die Angelegenheit. 2011 prüfte ein Kirchengericht das „Wunder“, die plötzliche und vollständige Heilung eines Mannes aus dem Raum Ellwangen, den die Ärzte bereits aufgegeben hatten. Er hatte zuvor zu Pater Philipp gebetet, wie so viele, die mit ihren Sorgen und Nöten seit über 400 Jahren Hilfe suchen am Grab von P. Philipp. Das Gericht, eine unabhängige Kommission von Medizinern und Papst Franziskus erkannten das Wunder im Juli 2021 an.

Nun also die Seligsprechung. Fürst macht deutlich, dass nicht der Papst und nicht die Kirche seligsprechen, sondern Gott. In der Bergpredigt sagt Jesus „Selig sind die ...“ und der Bischof erklärt, dass diese göttliche Wertschätzung besonders für Menschen gilt, „deren Leben alles andere als lebenswert und menschenwürdig betrachtet werden kann.“

Pater Philipp habe die Menschen in all ihren Unzulänglichkeiten bedingungslos geliebt, er habe Armut gelebt und er sei nahe bei den Menschen gewesen.

Der Seligsprechungsprozess verursachte Kosten und auch die Feier gibt es nicht umsonst. Die Diözese bezahlt und nutzt dafür den P.-Philipp-Fonds, der vor Jahrzehnten von der Kirchengemeinde St. Vitus angelegt und später an die Diözese übergeben worden war. „Es gibt keine schwarzen Kassen“, sagt der Bischof dazu. Dass es trotz der Bescheidenheit Philipp Jeningens richtig sei, die Seligsprechung groß zu feiern, begründet Prof. Dr. Sven van Meegen damit, dass alle die Möglichkeit haben sollen, dabei zu sein.

„Die Menschen zieht es in Scharen zu seinem Grab“, berichtet der Pfarrer von St. Vitus. Die Verehrung sei nie abgebrochen, obwohl von 1802 bis 1842 der Zugang zum Jeningen-Grab im Kreuzgang gesperrt war.

„Seine Seligsprechung wird ein geistliches Ereignis“ verspricht van Meegen, das könne man daran erkennen, dass das eigens aufgelegte Exerzitienbuch tausendfach abgerufen wurde und nachgedruckt werden musste. Viele Ellwanger hätten sich eigens Urlaub genommen, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Die Seligsprechung werde ein Katalysator, „wer sich darauf einlässt, spürt die Erneuerung, die von diesem Ereignis ausgeht.“ Darüber hinaus festige die Feier den Zusammenhalt und die Freude wirke ansteckend.

Deshalb wird nach dem Gottesdienst und der Seligsprechung, die in die Liturgie eingebunden ist, auf dem Marktplatz gemeinsam gefeiert. Die Kirchengemeinde hat für Essen und Trinken gesorgt und der Kardinal, die Bischöfe, Pfarrer und Ehrengäste werden inmitten der Feiernden sein. Die kirchliche Prominenz ist zahlreich, es kommen neben Erzbischof Hollerich und Bischof Fürst auch die Bischöfe von Eichstätt, Augsburg und Langres, sowie der apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterovil.

Höhepunkt für Gesellschaft Jesu

Für die Jesuiten ist die Seligsprechung eines Mitbruders ein besonderer Höhepunkt im ignatianischen Jahr, versichert P. Martin Stark und verweist auf die Exerzitien und die Armut P. Philipps: „Armut ist notwendig, um glaubwürdig zu sein“, sagt er. Nur so habe Philipp nah bei den Menschen sein und ein geistliches Zentrum aufbauen können, das bis heute ausstrahlt.

Oberbürgermeister Michael Dambacher meint, mit der Seligsprechung komme „ein Stück Rom nach Ellwangen.“ Er wünsche, dass dieses Großereignis die Menschen beflügelt und mehr Menschlichkeit im Alltag verankert.

Das Programm der Seligsprechung

Am Samstag: 9.15 Uhr musikalischer Auftakt, 9.30 Uhr Begrüßung, 10 Uhr Pontifikalamt, 12.25 Uhr Mittagessen, 19 Uhr Marienvesper auf dem Schönenberg.

Am Sonntag: 10 Uhr Pontifikalamt am Bergaltar, 18 Uhr Vespergottesdienst in der Basilika.

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