Ein weiteres Hotel für Ellwangen?

+
Hier soll das Tagungsforum mit Hotel entstehen. Das Grundstück ist in der Landesgartenschauplanung für die künftige Stadthalle reserviert.
  • schließen

Die Stadtverwaltung ließ den Markt für ein Tagungszentrum am Schießwasen erkunden. Die Ellwanger Gastronomen sehen das Projekt kritisch.

Ellwangen

Am Schießwasen ist eine Fläche neben dem Wellenbad für eine neue Stadthalle reserviert, die "irgendwann kommen soll." Vor der Landesgartenschau tue sich hier schon aus finanziellen Gründen nichts, den Eindruck vermittelten Verwaltungsspitze und Gemeinderäte, wann immer das Thema angesprochen wurde.

Doch tatsächlich laufen im Hintergrund bereits weiterführende Pläne. Eine Consultingfirma aus Winterbach hat im Oktober voriges Jahr eine Markterkundung durchgeführt und potenzielle Investoren angeschrieben, ob sie am Schießwasen nicht ein "Tagungsforum" bauen und/oder betreiben möchten. Beschrieben ist das Tagungsforum als Veranstaltungshalle mit Nebenräumen, die von einem Hotel mit circa 45 Zimmern und dem Wellenbad flankiert wird. Potenzielle Investoren sollen das Grundstück auf Erbpachtbasis entwickeln. So müsste die neue Stadthalle nicht über den städtischen Haushalt gebaut werden.

Das Tagungsforum mit einer Grundfläche von rund 1100 Quadratmetern soll einen großen Saal, Foyer, zwei Meetingräume und anderes beinhalten. Die alte Stadthalle werde mit der Fertigstellung aufgegeben. Der Zuschlag wird auf September 2022 in Aussicht gestellt, damit das Projekt im März 2026 fertig werden kann, rechtzeitig zur Eröffnung der Landesgartenschau. "Das Ensemble wird schlüssig in das Konzept der Landesgartenschau integriert", heißt es in dem Anschreiben, das auch zwei Ellwanger Gastronomen erhalten haben. Alle 15 bestehenden Ellwanger Hotelbetriebe gingen damit jetzt an die Presse, weil sie das Projekt für fragwürdig halten.

"Die Diskussion darüber, wie ein Ersatz für die alte Ellwanger Stadthalle aussehen müsste, wurde bislang öffentlich nicht geführt", sagt Helmut Rommel vom Hotel Montana, der als FCV-Mitglied erhebliche Zweifel hat, dass ein privat geführtes Tagungsforum Austragungsort für Vereinsversammlungen und Fasnachtsbälle sein kann. Vor allem sehen die Hoteliers jedoch ein Problem mit der Bettenauslastung, wenn ein neues Haus hinzukommt.

Martin Hald vom "Hirsch" in Neunheim verweist auf die Zahlen der letzten Jahre, wonach die 21 Ellwanger Betriebe, die derzeit 1200 Betten haben, eine Auslastung von nur um die 30 Prozent verzeichnen. In den Coronajahren sogar noch deutlich weniger. Von der Landesgartenschau versprechen sich die Hoteliers kein großes Wachstum. Christiane Veit (Roter Ochsen) sagt: "Da kommen hauptsächlich Tagesgäste", das jedenfalls hätten Kollegen aus anderen Landesgartenschaustädten berichtet.

Dorin Mistoiu (Königin Olga) sieht in Ellwangen nicht den Bedarf für ein Tagungszentrum. Die Industriebetriebe vor Ort, die für solche Veranstaltungen in Frage kommen, hätten eigene Räumlichkeiten. Und im Übrigen habe man während der Pandemie erlebt, dass immer mehr Tagungen online stattfinden. Ein Trend, der sich fortsetzen dürfte.

Woher der zusätzliche Bedarf für ein neues Tagungshaus mit Hotelbetrieb kommen soll, ist auch Albert Winkler (Kronprinzen, SebCity) schleierhaft. Zudem sei die geplante Kapazität mit 45 Zimmer für ein Tagungszentrum eigentlich zu klein. Da sei sogar zu befürchten, dass ein Investor kurzfristig eher größer baut und noch mehr Betten schafft.

Die Ellwanger Hoteliers sorgen sich um die Pläne der Stadt für ein Tagungsforum am Schießwasen: (v.l.) Christiane Veit, Karsten Mühleck, Helmut Rommel, Anja Mühleck, Dorin Mistoiu, Albert Winkler, Martin Hald.

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

Mehr zum Thema