Eine glückliche Stunde der Kirchenmusik

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Der Aalener Kammerchor gastierte in Ellwangen. Es war der erste Auftritt nach acht Monaten Corona-Pause. Der Klangkörper beglückte das Publikum mit einem kurzen Konzert und Reinhard Krämer an der Orgel.
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Erster Auftritt des Aalener Kammerchores nach acht Monaten Corona-Pause mit Thomas Baur und mit Reinhard Krämer an der Orgel.

Ellwangen

Beschaulicher Sonntagnachmittag auf dem Ellwanger Marktplatz an der Basilika. Die frisch platzierten Möbel werden genutzt, an der Popup-Bar ist Betrieb bei bestem Wetter und heurigen Cocktails. Sommer in der Stadt und Musik, in der Stadtkirche an der Basilika.

Der Aalener Kammerchor ist zu Gast. Die Kirche ist coronakorrekt voll. Reinhard Krämer gibt zur Ouvertüre für das geistliche Konzert des Kammerchores ein „Preludio Es-Dur“ für Orgel von Josef G. Rheinberger, nicht grade sommerlich leichte Unterhaltung, aber eindrucksvoll.

Eindrucksvoll trotz Pause

Der Kammerchor unter der Leitung von Thomas Baur beginnt mit „Jubilate Deo“ von Orlando di Lasso und lässt „If ye love me“ von Thomas Tallis folgen, zwei Mal Renaissance an der Schwelle zum Frühbarock, doppelte Gelegenheit, die Qualität eines Chores nach achtmonatiger Arbeitspause zu zeigen.

Seit Oktober des vergangenen Jahres wurde nicht mehr geprobt, keine Konzerte; jetzt erst gab es zwei Proben für die elf Stücke des geistlichen Programms.

Das Publikum erlebt mit, wie die Stimmen zusammenfinden, Ausgleich suchen und finden, wie der Dirigent seine Intuition einbringt, wie der Klangkörper zu Harmonie und Wohlklang kommt. Das Werkstattkonzert wird zum höchst interessanten Erlebnis.

Lang vermisster Chorklang

Spätestens beim dritten Stück, „Cantate Domino“ von Monteverdi wird ein Chorklang hörbar, wie man ihn in diesem Coronajahr so lange vermisst hat: großes Volumen und elegante Phrasierungen, Ausgewogenheit der Stimmgruppen, schöne dynamische Phrasierungen. Dass die Texte dabei zur Nebensache werden, ist hinzunehmen.

Chorische Qualität gesteigert

Auch im Romantik-Block wird die chorische Qualität weiter gesteigert. Die Nervositäten der ersten Liedvorträge schwindet, besonders eindrucksvoll singt sich der Bass frei, der Tenor wird weicher, der Alt selbstbewusster. Nur der Sopran bleibt in seiner von Einzelleistungen geprägten metallischen Dominanz. Beim „Stabat mater“ von Zoltán Kodály werden die schwierigen Modulationen mühelos gemeistert. Das Ensemble ist im engen Kontakt mit dem Dirigenten, die Kommunikation wirkt professionell, Thomas Baur kann nach Herzenslust spontan differenzieren und Chor und Publikum aufs Angenehmste überraschen.

Im weltberühmten „Locus iste“ von Anton Bruckner hört man delikate Dynamik bis hin zu einem sehr starken, den großen Kirchenraum auffüllenden Fortissimo, der Chor hat sich nun vollends freigesungen, jetzt stimmt auch die Artikulation, der Text ist zumeist verstehbar.

Zeitgenössische Werke

Es folgen ein sehr interessantes Werk des zeitgenössischen Rihard Dubra und das belebte, sangliche Stück „Gloriosa…“ von Vytautas Miskinis. Hier und in der Rheinberger-Motette „Salve Regina“ wird der schöne Sound, zu dem sich der Chor immer wieder findet, zu musikalischen Glückmomenten. Auf Mendelssohn-Bartholdys unverwüstliches „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ antwortet das großartige „Abendlied“ von Rheinberger.

Draußen vor der Kirchentür treffen sich Chor und Publikum zum Plaudern, alle wirken beglückt nach dieser kurzen Stunde der Chormusik in Ellwangens evangelischer Stadtkirche.

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